Mannheim
Elf Parteien treten in Mannheim an – das sind ihre Kandidaten
Eine Partei wurde in Baden-Württemberg nicht zur Bundestagswahl zugelassen, daher fehlt die „Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer“ auch auf den Stimmzetteln in Mannheim. Aber es gibt Kästchen für elf Kandidaten. Die Namen sind teilweise seit Jahren bekannt, weil es Politprofis sind, die schon lange im Bundestag sitzen. Einige sind dagegen Newcomer im Geschäft.
Melis Sekmen (CDU)
Die 31-jährige Melis Sekmen ist Mannheimerin und hat einen interessanten politischen Werdegang: Bis Juli 2024 war sie Mitglied bei den Grünen, wechselte dann aber die Parteifarbe von Grün zu Schwarz. Im Bundestag ist sie seit 2021, hatte im Bundestagswahlkreis mit 22,5 Prozent der Erststimmen das beste Ergebnis für die Grünen eingefahren, das die Partei jemals in der Stadt erzielt hatte. Mit der Partei überwarf sie sich jedoch wegen der Themen Migration und Wirtschaft. Konsequent hatte Sekmen im Bundestag auch für das umstrittene „Zustrombegrenzungsgesetz“ gestimmt.
Isabel Cademartori (SPD)
Auch Isabel Cademartori ist seit 2021 im Bundestag. Die 37-Jährige ist in Brandenburg geboren, verbrachte Teile ihrer Kindheit in Chile, bevor sie schließlich zum Studium nach Mannheim kam. Die Wirtschaftswissenschaftlerin war ab 2019 zunächst im Stadtrat für die SPD und kandidierte schließlich für den Wahlkreis Mannheim für den Bundestag. Bei der Wahl holte sie 26,35 Prozent der Erststimmen und sicherte sich damit das Direktmandat. Sie ist verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ setzte Cademartori zweimal auf die Liste der „40 bedeutendsten Talente unter 40“.
Nina Wellenreuther (B90/Grüne)
Die Umweltingenieurin ist 28 und seit 2019 Teil der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Ihre politischen Themen sieht sie zum einen im Bereich Sport, aber auch bei Umwelt- und Wirtschaftspolitik, wie sie bei der Landtagswahl 2021 erklärte, als sie als Ersatzkandidatin für ihre Partei antrat. Die gebürtige Mannheimerin hat nach einer Ausbildung zur Medienkauffrau in Darmstadt studiert und ihren Abschluss im Umweltingenieurwesen mit einer Arbeit über die Bundesgartenschau gemacht.
Konrad Stockmeier (FDP)
Der 47-jährige Volkswirt tritt für die FDP an. Seit 2019 ist er stellvertretender Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Kurpfalz, Vorsitzender der FDP Mannheim und als Beisitzer im Landesvorstand seiner Partei. Der gebürtige Heidelberger ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und wurde über die Landesliste gewählt. Im Bundestag ist er Mitglied im Europaausschuss und im Ausschuss für Klimaschutz und Energie. Er stimmte für das „Zustrombegrenzungsgesetz“ und begründete dies damit, dass er sich als von niemandem „erpressen“ lasse, weder von rechts noch von „Parteien, die sich jeder Kompromissfindung verweigern“.
Heinrich Koch (AfD)
Der 62-jährige Kfz-Sachverständige und Inhaber eines Gutachterbüros in Mannheim sitzt für die AfD im Mannheimer Stadtrat und ist Sprecher der AfD-Bezirksbeiräte in Rheinau. Der gebürtige Mannheimer kam über die Kleinstpartei Alpha zur Politik und kandidierte bereits 2021 für die AfD für den baden-württembergischen Landtag. In den Schlagzeilen ist Koch, weil er im Kommunalwahlkampf 2024 einen Mann stellte, der AfD-Wahlplakate abgerissen hatte und daraufhin von dem 25-Jährigen mit einem Messer angegriffen wurde. Der Angreifer muss sich derzeit vor dem Landgericht verantworten. Die AfD spricht vom Angriff eines Linksextremisten.
Akbulut Gökay (Die Linke)
Die Sozialwissenschaftlerin hat an der Uni Heidelberg studiert und ist seit 2006 bei den Linken. Tätig ist sie als freiberufliche Dozentin und Berufsberaterin für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. 2014 wurde sie in den Stadtrat gewählt, seit 2017 ist sie Mitglied des Bundestages. Gökay (42) ist Sprecherin der Linken im Bundestag für die Themen Frauen, Migration, Familie und bürgerschaftliches Engagement. Schlagzeilen machte ein Vorfall, als sie Ende Januar auf einer Zugfahrt nach Stuttgart beleidigt und angegriffen wurde, ihren Angaben zufolge von Rechtsextremen.
André Kühner (Freie Wähler)
Der Rettungssanitäter aus Mannheim wurde im November einstimmig als Direktkandidat der Freien Wähler nominiert und ist im Mannheimer Stadtrat bei der Fraktion von Freien Wählern/Mannheimer Liste engagiert. André Kühner ist 59 und arbeitet als Fachbereichsleiter Katastrophenschutz und Ehrenamtskoordinator bei den Johannitern.
Lucia Boileau (Tierschutzpartei)
Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Sozialpsychologie der Uni Mannheim ist auf Platz eins der Landesliste der Partei Mensch, Umweltschutz, Tierschutz gewählt worden. Die gebürtige Würzburgerin Lucia Boileau (31) hat 2022 in Mannheim promoviert, nachdem sie in ihrer wissenschaftlichen Karriere unter anderem Projekte in Uganda, Togo und Kenia unterstützt hatte.
Félix Gimenez (Die Partei)
Der Mannheimer Student (21) tritt für die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei) an. Er setzt sich für die Wiedereinführung des bundesweiten Neun-Euro-Tickets ein und fordert, dass alle Züge nach Sylt komplett umsonst sind, samt Freibier im Bordrestaurant.