Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel AfD-Politiker mit Messer verletzt – Verdächtiger in Psychiatrie

Tatort in Mannheim-Rheinau: In der Nähe des dortigen Marktplatzes überraschte das spätere Opfer drei Männer beim Beschädigen von
Tatort in Mannheim-Rheinau: In der Nähe des dortigen Marktplatzes überraschte das spätere Opfer drei Männer beim Beschädigen von Wahlplakaten.

Der 62-jährige Heinrich Koch ist am Dienstagabend nach einer Sitzung im Mannheimer Stadtteil Rheinau mit einem Messer attackiert worden. Er überraschte drei Personen, die zuvor Wahlplakate abgerissen und beschädigt hatten.

Ein Kandidat der AfD für die Kommunalwahl ist am Dienstagabend um 22.45 Uhr in Mannheim mit einem Messer verletzt worden. Bei dem Opfer, das Schnittverletzungen an Kopf und Bauch davongetragen haben soll, handelt es sich um den 62-jährigen Heinrich Koch aus dem Stadtteil Rheinau. Lebensgefahr bestand nach Angaben der Ermittler nicht. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei ist der mutmaßliche Täter wenig später unweit vom Tatort widerstandslos festgenommen worden. Zeugen hätten den Notruf gewählt. Es ist von einem 25-Jährigen die Rede, bei dem sich deutliche Hinweise auf eine psychische Erkrankung ergeben hätten. Laut den Sicherheitsbehörden ist der Mann in eine Fachklinik eingeliefert worden. Es wurde Unterbringungsbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand liegen offenbar keine konkreten Hinweise vor, dass der Verdächtige bei dem Angriff erkannt hat, dass es sich bei dem Opfer um einen AfD-Politiker handelt.

Der Übergriff soll sich im Stadtteil Rheinau, im Süden Mannheims, ereignet haben. In der Relaisstraße auf Höhe des dortigen Marktplatzes soll sich am Dienstagabend Folgendes zugetragen haben: Der 25-Jährige und zwei weitere Personen waren damit beschäftigt, Wahlplakate abzureißen. Koch lief daraufhin einem der Männer, dem mutmaßlichen Täter, schreiend hinterher. Dann kam es zu einem Handgemenge, in dessen Folge der Mann ein Teppichmesser zückte. Die zwei anderen Personen flüchteten offenbar bereits vorher. Das Opfer soll einen Teil des Geschehens auf seinem Handy mitgefilmt haben.

Schnittverletzungen im Klinikum behandelt
Wurde im Mannheimer Klinikum behandelt: AfD-Politiker Heinrich Koch.
Wurde im Mannheimer Klinikum behandelt: AfD-Politiker Heinrich Koch.

Die Schnittverletzungen des Politikers wurden laut Rüdiger Ernst, dem Sprecher des Mannheimer AfD-Kreisverbands, im Klinikum behandelt. „Vermutlich hat er Schlimmeres verhindert durch sein Abwehrverhalten. Er wurde am Kopf genäht und hat am Bauch eine Schnittwunde. Zunächst hieß es, er hätte eine Stichverletzung in die Milz bekommen. Dies hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Er wird voraussichtlich heute das Krankenhaus wieder verlassen können“, teilte Ernst auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Er geht bei dem Angriff auf seinen Parteikollegen von einem politischen Motiv aus, was die Sicherheitsbehörden nicht bestätigten.

Koch ist Bezirksbeirat und kandidiert bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag für die AfD auf Listenplatz 3. Der 62-Jährige ist Kfz-Sachverständiger und Inhaber eines Gutachterbüros sowie Leiter des Verbindungskommandos der Bundeswehr in Mannheim. Er wuchs in Rheinau-Süd auf. Bevor Koch sich als Kfz-Sachverständiger selbstständig gemacht hat, war er Berufssoldat und arbeitete als Projekt-Ingenieur in Washington und San Francisco.

Oberbürgermeister Specht reagiert

Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hat den Messerangriff auf den AfD-Politiker verurteilt. „Diese feige Tat ist abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen. Wer Wahlbewerber attackiert, stellt unsere freien, gleichen, allgemeinen, unmittelbaren und geheimen Wahlen infrage – und damit die Basis unserer Demokratie“, sagte er. Der „niederträchtige Vorfall“ reihe sich ein in die Serie von Angriffen auf Wahlkampfhelfer und Politiker, die aktuell in ganz Deutschland zu beobachten sei. „Der Hass und die Gewaltbereitschaft, die sich in unserer Gesellschaft derzeit Bahn brechen, sind unerträglich.“ Specht wünscht dem Verletzten eine schnelle und vollständige Genesung.

In einer gemeinsamen Stellungnahme meldeten sich auch der CDU-Kreisvorsitzende Christian Hötting und der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion, Claudius Kranz, zu Wort: „Wir verurteilen die gewaltsame Attacke gegen den Bezirksbeirat und Gemeinderatskandidaten Heinrich Koch. Auch bei unterschiedlichen Meinungen kann und darf Gewalt niemals zur Anwendung kommen. Die zunehmende Gewalt muss ein Ende finden. Wir wünschen dem Verletzten eine rasche Genesung und danken der Polizei für das rasche Eingreifen.“

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