Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Oldtimer-Rarität in der Rhein-Galerie

Fans des Ludwigshafener Champions (von links): Christian Wahl, Patrick Steidl und Mathias Berkel.
Fans des Ludwigshafener Champions (von links): Christian Wahl, Patrick Steidl und Mathias Berkel.

Der Champion 500 wurde in Friesenheim gebaut. 1954 wurde der Wagen zur Internationalen Automobilmesse nach Neuseeland geschickt und dort vergessen. Der Berliner Burkhard Steins kaufte ihn, ein paar Visionäre bringen ihn zurück nach Ludwigshafen. Jetzt steht er im Einkaufszentrum.

Stilecht wird der „Heimkehrer“ im Eingangsbereich des Einkaufszentrum inszeniert: Ledersessel, Stehlampe und große, eckige Koffer verspüren als Deko 1950er-Jahre-Flair. Ein roter Stoff verhüllt zu Beginn der Ausstellungseröffnung das Fahrzeug. Das trübe, regnerische Wetter lockt viele Menschen in die trockene Rhein-Galerie, einzelne bleiben bereits überrascht vor dem verdeckten Wagen stehen. Für Centermanager Patrick Steidl ist es „eine Ehre“, dem 70 Jahre altem Fahrzeug in der Rhein-Galerie Unterkunft zu gewähren.

Die zwei leidenschaftlichen Oldtimer-Fans Christian Wahl und Mathias Berkel haben den Champion 500 als Leihgabe aus Berlin nach Ludwigshafen übergeführt, ihm einen Platz beim letztjährigen Filmfestival auf der Parkinsel und danach im Foyer der Sparkasse Vorderpfalz verschafft – jetzt steht er für mehrere Monate für alle Einkaufsbummler präsent in der Rhein-Galerie.

Der einzig fahrbereite Wagen seiner Art

Knapp 2000 Kleinautos der Marke „Champion“ wurden in der Nachkriegszeit in der Friesenheimer Industriestraße gebaut, bevor die Produktion eingestellt wurde. Der Champion 500 G ist eine echte Rarität. Nur 22 Exemplare wurden von dem viersitzigen Kombi mit hinterem Holzaufbau gebaut. Das sandbeige Exemplar mit seinem knatternden 18-PS-Motor ist der letzte fahrtüchtige Wagen seiner Art weltweit. Zwei weitere Exemplare, die sich gerade in einer britischen Kleinwagensammlung befinden, sind renovierungsbedürftig.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Der Eigentümer würde den Wagen ans Ludwigshafener Stadtmuseum verkaufen. 39.500 Euro trennen den Champion von einem dauerhaften Aufenthalt in seiner Geburtsstadt. Nach einem Jahr seien schon rund 20.000 Euro Spenden zusammen gekommen, freut sich Spediteur Christian Wahl – eine stolze Summe, auf der man sich allerdings nicht ausruhen dürfe. Ludwigshafener Oldtimer-Fans wünschen sich, den „Heimkehrer“ 2026 im fertiggestellten Stadtmuseum dauerhaft auszustellen. Berkel ist optimistisch: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

Oldtimer-Fans begeistert

Am Freitag verabschiedeten sich auch die bisherigen „Pflegeeltern“ des Champions 500 von ihrem Schützling. Sparkasse-Vorstandsmitglied Thomas Traue erzählt schmunzelnd von seinem letzten Gespräch mit dem Fahrzeug: „Erinnere dich gut an uns, habe ich gesagt, und viel Glück in der Rhein-Galerie. Du wirst dort gut behütet sein.“

Gut sind auch die Erinnerungen von Christian Wahl, wenn er an den DKW-Oldtimer seines Vaters denkt. „Er ist für immer unvergessen“, schwärmt der 57-Jährige aus Limburgerhof. Seit dem Kindesalter interessiere er sich für alte, schöne Autos. Heute besitzt Wahl vier Oldtimer, darunter auch ein DKW. Bei seinen Fahrzeugen kümmere er sich hauptsächlich um die Pflege und Sauberkeit, die Restauration und Reparatur überlasse er Werkstätten – die für Oldtimer allerdings rar geworden seien. Dass der Champion 500 nahezu makellos ausgestellt werden kann, sei pures Glück.

Bald schon umrunden die Besucher den Wagen in der Rhein-Galerie, bestaunen die mit Leder überzogene Holzkonstruktion des Dachs, seine Scheinwerfer, die an einen alten Porsche erinnern, und seinen Lenker auf der rechten Seite.

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