Ludwigshafener Geschichte(n)
Als in Friesenheim noch Autos gebaut wurden
Der zunächst vielversprechende Start in die Auto-Branche endete für die Beteiligten mit einem finanziellen Desaster: Firmenchef Henning Thorndal verschwand eines Tages und hinterließ Schulden in Höhe von rund sechs Millionen Mark, wie ein Fachautor in seinem Buch „Deutsche Kleinwagen“ schreibt. Dem Konkurs folgte dann auch das Ende für den Kleinstwagen „Champion“.
85 Mitarbeiter hatten nach dem Verschwinden ihres Firmenchefs das Nachsehen. Im Juni 1955 fand der Konkursverwalter mit dem Kleinwagen-Produzenten Maico (Pfäffingen) einen Käufer. Er erwarb für 300.000 Mark alle Rechte, Montageeinrichtungen, Werkzeuge und Lagervorräte. Der Automobilbau im Werk in der Industriestraße in Friesenheim war damit Geschichte.
Neustart scheiterte
Die „Rheinische Automobilfabrik“ von Henning Thorndal existierte nur von Mitte 1954 bis November 1954 und produzierte in dieser Zeit etwa 300 Kleinfahrzeuge, ehe das „Aus“ kam. Die Fahrzeuge waren mit einem 400-Kubikzentimeter-Motor ausgestattet und wurden in verschiedenen Varianten als „Champion 400 H“ oder „Champion 500 G“ angeboten. Thorndal versprach bei der im Herbst angeblich nur vorübergehenden Einstellung der Produktion damals seinen Mitarbeitern einen Neustart im Februar 1955 – aber dazu kam es nicht mehr.
Es gab zuvor verschiedene „Champion“-Produzenten: Die Kleinautos wurden zunächst von einer Zahnradfabrik in Friedrichshafen, dann von dem ehemaligen, heute unbekannten Rennfahrer Hermann Holbein (Herrlingen) konstruiert. Schließlich übernahm die „Champion Automobilbau GmbH“ in Paderborn das Ruder und gab dem Kleinauto seinen Namen. Holbein wurde Leiter der Produktionswerkstätten auf einem ehemaligen Militärflugplatz im Paderborner Vorort Mönkeloh, wo 70 Mitarbeiter ab Juli 1950 die Fahrzeuge zusammenschraubten. Mit im Boot war damals als wirtschaftlicher Partner die Benteler International AG – heute ein weltweit tätiges Unternehmen.
LU-Werk existierte nur wenige Jahre
Mit den „Champions“ aus Paderborn ließ es sich zunächst gut an. Bis März 1952 wurden immerhin etwa 2000 Fahrzeuge auf den Markt gebracht. Es sollte sogar noch eine Cabriolimousine hinzukommen – doch stattdessen wurde das Unternehmen verkauft: Neuer Besitzer wurde die „Rheinische Automobilbau-Fabrik Hennhöfer und Co. OHG“ in Ludwigshafen, deren Chefs Hermann und Fritz Hennhöfer sowie Josef Uttenthaler hießen. Auch hier lief es anfänglich gut, denn bis November 1953 brachte das Unternehmen immerhin 1681 Fahrzeuge auf den Markt. Doch nach der Übernahme der Firma durch Henning Thorndal dauerte es gerade noch ein Jahr, bis im November 1954 die Lichter ausgingen. Der „Champion“ war damit im deutschen Automobilgeschehen „Geschichte“.
Der bundesdeutschen Konkurrenz auf dem Kleinwagensektor wie VW und Lloyd waren die Ludwigshafener nicht gewachsen. Auch die Bemühungen der hilfsbereiten Ludwigshafener Stadtverwaltung fruchteten nicht: Großunternehmen wie Borgward oder Volkswagen, mit denen wegen einer möglichen Ansiedlung verhandelt wurde, zeigten der Stadt die kalte Schulter. Auch der Stadt Speyer erging es nicht besser, wo vom Flugzeugbauer Ernst Heinkel Motorroller und Kabinenroller gebaut wurden. Mitte der 1950er-Jahre wurden am Rheinhafen innerhalb von zwei Jahren nahezu 4000 Heinkel-Kabinenroller fertiggestellt. Dann wurde der Standort aufgeben. Automobilbau in Ludwigshafen gehörte da endgültig der Geschichte an.
Heute gibt es noch einen fahrbereiten Champion 500 G, der in Friesenheim gebaut wurde. Er steht in einer Oldtimeraustellung in Berlin. Derzeitiger Besitzer ist Burkhard Steins, Inhaber der Firma Pre Select, die sich auf die Vermarktung und den Verkauf von Oldtimern spezialisiert hat. Er würde den Wagen ans Ludwigshafener Stadtmuseum verkaufen.