Ludwigshafen „Das macht uns selber Mut“

Eine kommt, die andere geht: Annegret Kramp-Karrenbauer (links) folgt auf Angela Merkel als CDU-Parteivorsitzende.
Eine kommt, die andere geht: Annegret Kramp-Karrenbauer (links) folgt auf Angela Merkel als CDU-Parteivorsitzende.
Frau Schneid, für welchen Kandidaten haben Sie gestimmt?

Für Annegret Kramp-Karrenbauer. Ich hatte schon vorher die Tendenz zu ihr. Die Punkte, die sie in ihrer Rede angesprochen hat, waren für mich am überzeugendsten. Herr Merz dagegen war am Anfang relativ zurückhaltend und sehr verkopft in seiner Rede. Deshalb war der Ausschlag für Kramp-Karrenbauer noch stärker. Auf der Fahrt nach Hamburg waren Sie sich also noch nicht ganz sicher? Das ist richtig. Was genau hat Sie letztlich überzeugt? Ich kenne Annegret Kramp-Karrenbauers Leistung aus dem Saarland. Das Saarland ist zwar klein, aber sie hat das damals als Ministerpräsidentin wirklich gut gemacht. Sie hat auch Entscheidungen getroffen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht so gut beim Bürger ankommen. Sie kann sehr gut erklären. Und sie hat auch in ihrer Rede sehr gut erklärt, dass es für sie nur eine CDU gibt. Sie will vereinen und integrieren und versucht außerdem, bei ihren Entscheidungen die Bürger mitzunehmen. Der Vorsprung von Kramp-Karrenbauer vor Friedrich Merz betrug nur 35 Stimmen. Gibt es die oft erwähnte Spaltung der CDU? Ich glaube, das Wahlergebnis ist überhaupt kein Problem. Ich kann nicht von einer Spaltung sprechen. Wir sind eine große Partei mit unterschiedlichen Meinungen. Das ist auch gut so. Was jetzt angestoßen wurde, nämlich, dass wir total viel diskutieren, ist richtig gut. Das macht uns selber Mut. Ich habe schon Parteitage erlebt, bei denen lustlos alles abgewinkt wurde. Das war dieses Mal überhaupt nicht der Fall. Ich glaube, dass AKK – ich kürze jetzt einfach mal ab – die anderen sehr klug mit einbindet. Wie war die Atmosphäre im Saal? Wir waren von 1001 Delegierten tatsächlich 1000. 999 Stimmen wurden abgegeben. Wir hatten schon lange keinen Parteitag mehr, bei dem wirklich fast alle Delegierten da waren und abgestimmt haben. Auch im Vorfeld hat man sich sehr stark über die verschiedenen Argumente ausgetauscht. Es war schon irgendwie ... das ist schwer zu beschreiben. Es war ein ganz besonderes Gefühl. Es war spannend, war beeindruckend. Und es ist selten, dass man so mitgerissen wird. Würden Sie AKK zutrauen, auch Kanzlerin zu werden? Zutrauen würde ich ihr das. Aber jetzt muss man erst einmal schauen. Sie muss jetzt Akzente setzen. Und sie muss die Stimme der CDU sein. Das hat man bei Angela Merkel immer weniger gespürt. Sie war zuletzt vor allem Bundeskanzlerin, hatte aber den Parteihut zu selten auf. Für Merkel war es der letzte Parteitag in ihrer Position als Vorsitzende. Wie hat die Kanzlerin auf Sie gewirkt? Ich glaube, dass der Zeitpunkt richtig war. Wir hätten uns zwischendurch auf Landtagsebene den einen oder anderen stärkeren Zuspruch gewünscht. Insofern finde ich es gut, dass sich die Partei ein Stück weit erneuern und verändern kann. Und Angela Merkel war – obwohl eben „typisch Merkel“ – sehr gerührt. Welche Auswirkungen hat der Hamburger Parteitag auf Rheinland-Pfalz und konkret auf Ludwigshafen? Auf Landesebene sind wir natürlich froh darüber, dass wir mit Julia Klöckner und Christian Baldauf an vorderster Front dabei sind. Das Saarland liegt neben Rheinland-Pfalz, das Verhältnis ist gut, man kennt sich. Für Ludwigshafen glaube ich, dass Annegret uns viel näher ist als Frau Merkel. Sie hat durch ihre Zuhör-Touren bewiesen, wie stark sie mit Mitgliedern vor Ort ins Gespräch kommen will.

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