Ludwigshafen
Corona-Impfpflicht: Was die Kliniken dazu sagen
„Wir werden nicht jeden unserer Mitarbeiter kontrollieren, ob er geimpft ist“, antwortet der Ärztliche Direktor der BG Klinik, Paul Alfred Grützner, auf die Frage, wie sein Haus mit nicht geimpftem Personal umgehen will. Und obwohl er damit einen anderen Weg präferiert als das Ludwigshafener Klinikum, wo Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther Einschränkungen für nicht geimpfte Mitarbeiter angekündigt hat, kann er der seither laufenden Debatte etwas abgewinnen. „Es ist gut, dass das Thema jetzt in der Sache diskutiert wird“, sagt Grützner.
Persönlich würde er sich dazu auch einen Diskurs auf bundespolitischer Ebene wünschen. Denn: „Wir müssen überlegen, wie man den besonderen Bereich Krankenhaus sicher machen kann.“ Dass solche Überlegungen jetzt angestellt und diskutiert würden, sei das Positive am medialen Echo auf die Ankündigungen des Klinikums. Ob die BG Klinik künftig eine Corona-Schutzimpfung als Voraussetzung für Neueinstellungen festschreiben will, sei eine Frage, die man bisher noch nicht diskutiert habe, sagte Grützner im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Vorbereitungen auf vierte Welle
An die 90 Prozent der BG Mitarbeiter hätten sich bereits gegen Covid-19 impfen lassen, schätzt Geschäftsführerin Susanne Dieffenbach. „Ganz einfach ist diese Zahl nicht zu erfassen, denn wir haben nicht in allen Fällen eine Rückmeldung, in denen sich Mitarbeiter beim Hausarzt oder im Impfzentrum haben impfen lassen.“ Im eigenen Haus habe es vor allem im Januar und Februar Impfaktionen gegeben. „Und seitdem haben wir auch wieder eine stabile Personalsituation“, berichtet der Ärztliche Direktor, der im Frühjahr 2020 noch damit umgehen musste, dass bis zu 100 seiner Mitarbeiter in Quarantäne waren. Dass diesen Herbst noch eine vierte Welle kommt, hoffe man zwar nicht, die BG Klinik bereite sich aber darauf vor.
Wegen ihres Kernauftrags, nämlich der Versorgung von Unfallpatienten, sei die BG Klinik nie ein primäres „Corona-Haus“ gewesen, sagt Grützner. Trotzdem habe es Zeiten gegeben, in denen bis zu 35 Patienten, die unfallbedingt stationär aufgenommen wurden, positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Eine zentrale Pandemie-Erfahrung sei es gewesen, zu erleben, wie hohe Versorgungszahlen von Covid-19-Patienten dazu geführt haben, dass die Kliniken der Region immer handlungsunfähiger bei der Versorgung von Schwerstverletzten wurden. Unter den Patientenverlegungen, die in den vergangenen 14 Monaten auch ein sechsköpfiges Ärzteteam der BG mit dem Intensivtransport-Hubschrauber Christoph 112 durchgeführt hat, seien deshalb etliche Entlastungsverlegungen gewesen.
„Damit Häuser, die auf die Behandlung von Covid-19-Patienten ausgerichtet waren, von anderen Patienten mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf entlastet werden konnten, haben wir immer wieder auch Notfall- und Traumapatienten zu uns in die BG Klinik verlegt“, erzählt Grützner.
„Bekennender Nicht-Corona-Paniker“
Auch das St. Marienkrankenhaus gehörte zu jenen Häusern, die Patienten verlegen lassen mussten. „In einem Fall sogar bis nach Trier – das sind schon ein paar Meter“, sagt Marcus Wiechmann, Geschäftsführer der St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe, Träger des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses. In den schwierigsten Phasen der Pandemie habe es tägliche Lagebesprechungen per Videokonferenz mit der Oberbürgermeisterin, dem Klinikum und dem St. Marienkrankenhaus gegeben, erzählt Wiechmann. „Da hat die Abstimmung sehr gut geklappt“.
Und auch wenn im ehemaligen Corona-Hotspot Ludwigshafen die aktuelle Inzidenz sehr niedrig ist, so gebe es im St. Marienkrankenhaus nach wie vor eine spezielle Covid-Station. „Dass Covid-19 nicht plötzlich einfach ausgeknipst ist, merken wir auch daran, dass die Patienten für geplante Termine immer noch sehr zögerlich ins Krankenhaus kommen,“ sagt Wiechmann. Eine mögliche vierte Welle im Herbst darf man aus seiner Sicht nicht unterschätzen oder gar wegdiskutieren: „Ich bin ein bekennender Nicht-Corona-Paniker, aber die Impfquote in der Bevölkerung ist jetzt noch nicht so ganz intergalaktisch hoch, wenn auch okay, und das Urlaubsgeschehen wird sicher eine Rolle spielen.“
„Wir glauben nicht an Zwang“
Die Impfquote im eigenen Haus beziffert Wiechmann „vorsichtig geschätzt“ auf knapp 80 bis 90 Prozent. Bisherige Impfaktionen im Februar und März seien sehr gut gelaufen, es gebe ein hohes Engagement und nur sehr wenige Mitarbeiter, die sich wirklich nicht impfen lassen wollen. In Sachen Einschränkungen für nicht geimpftes Personal sehe er deshalb keinerlei Gesprächsbedarf. Wiechmann: „Ich hätte mich nicht motiviert gefühlt, in dieser Hinsicht Anordnungen zu geben.“ Auch die Idee, Neueinstellungen an eine Covid-19-Impfung zu knüpfen, sieht er eher kritisch: „Im Gesundheitswesen herrscht Personalmangel. Wenn wir jetzt zusätzliche Kriterien schaffen, obwohl diese nicht gesetzlich geregelt sind, dann ist das möglicherweise nicht hilfreich.“
Am Krankenhaus Zum Guten Hirten stelle man sich die Frage, ob künftige Arbeitsverträge an eine Corona-Impfung gekoppelt werden durchaus. Zunächst aber wolle man noch abwarten, sagt der Ärztliche Direktor, Jörg Breitmaier. Rund 87 Prozent des Personals seien mittlerweile geimpft, und mit umfassender Aufklärung habe man bisher gute Erfahrungen gemacht. „Wir glauben nicht an Zwang“, sagt Breitmaier in Bezug auf nicht geimpfte Mitarbeiter.