Ludwigshafen
So prägt Corona die BG Klinik
Bekannt ist die BG Klinik vor allem für die Behandlung von Unfallopfern. Aber das Haus in der Ludwig-Guttmann-Straße steht allen Patienten offen. Daher galt auch für die BG Klinik im Frühjahr beim allgemeinen Lockdown: Alle planbaren (elektiven) Operationen und Behandlungen mussten verschoben werden. Das sei ein schwieriger Prozess gewesen, sagt Ärztlicher Direktor Paul Alfred Grützner. Normalerweise werden in der BG Klinik pro Jahr knapp 13.500 Patienten stationär und fast 30.000 Patienten ambulant behandelt. Grützner erinnert sich an die Phase: „Wir mussten erst alle Termine absagen und dann jeden Patienten anschauen und klären, wann wir Operationen nachholen.“ Mittlerweile sei das Haus „wieder fast auf dem Niveau von vor einem Jahr“, aber der Orthopädie- und Unfallchirurgie-Chefarzt sagt auch: „Wir haben noch nicht alles aufgearbeitet.“ Das Verschieben der Behandlungen sei ein großes Thema gewesen, „denn keiner macht eine Operation aus Spaß“. Vielmehr gelte gerade für immobile Menschen, dass ihre Gesundheit eingeschränkt und die Einnahme von Medikamenten auf Dauer auch nicht gewünscht sei.
Doch das Haus habe wie alle Kliniken auf die Landesvorgaben reagiert. Die BG Klinik war dabei als Ersatzkrankenhaus fürs Klinikum vorgesehen. „Wir hätten Patienten vom Klinikum aufnehmen sollen, wenn dort alles voll mit Covid-19-Fällen gewesen wäre“, sagt Grützner. Das ist nicht eingetreten. Dennoch wirkt sich die Pandemie seit Monaten umfassend auf alle Abläufe im Krankenhaus aus.
Zwei Rettungshubschrauber
So bringt die BG ihre Kompetenz in der Notfallversorgung mit in das Gesamtkonzept ein. Seit April ist im Hangar der BG ein zweiter „Christoph“-Rettungshubschrauber stationiert, der deutschlandweit den Transport von Covid-19-Patienten übernimmt. „Ich gehe davon aus, dass der Hubschrauber noch bis mindestens Ende 2020 bei uns stationiert bleiben wird“, sagt Grützner. Außerdem stelle die BG ein Notarzteinsatzfahrzeug für diese Patienten zur Verfügung. Über Sommer habe es zwar kaum noch Transporte wegen Corona gegeben. Aber „alle Experten erwarten einen Anstieg“. Daher bleibe die BG Klinik „aktiv an der Covid-Versorgung beteiligt“, betont der Ärztliche Direktor. Er vergleicht das mit dem Feuerwehrmodell: „Wir leisten unseren Alltag, bleiben mit Blick auf Corona aber in Bereitschaft.“ Dies heißt außer der Bereitstellung der Transportmittel auch, dass sich fünf Notärzte auf Corona spezialisiert haben.
Genau diese Spezialisierung hält Grützner für ganz entscheidend. So besitze die BG Klinik eine große Erfahrung im Transport von Notfallpatienten, während die Intensivbetreuung der Covid-19-Infizierten dann vor allem im Klinikum erfolgen soll. „Diese Patienten können extrem instabil und sehr krank sein“, sagt Grützner. Daher müsse der Transport hochspezialisiert erfolgen. Sein Haus gestalte die Dienstpläne seither entsprechend. „Das kostet enorme Ressourcen“, sagt Grützner. Aber aktuell müsse das medizinische System zusammenhalten. Was seiner Meinung nach auch sehr gut klappe. Er lobt die Zusammenarbeit mit Klinikum, Feuerwehr, den Rettungsdiensten und Behörden. Man sei durch die Corona-Krise auch ein „Stück zusammengerückt“. Dennoch hoffe er, „dass das nun keine Dauerlösung wird“.
„Hohe sechsstellige Summe“
So beobachte er am Markt, dass es immer mal wieder zu Engpässen bei Schutzausrüstung, Masken, Handschuhen oder Schutzkitteln komme. Die BG Klinik habe ihre Logistik geändert und nun Vorräte für Monate. Früher habe es in dem Bereich nie Schwierigkeiten gegeben. Zum Teil hätten sich die Preise für die Produkte verfünffacht. Allein für die Schutzausrüstung seiner Mitarbeiter rechnet Grützner mit einer „hohen sechsstelligen Summe“ in diesem Jahr.
Um leistungsfähig zu bleiben und alle Patienten behandeln zu können, hat die BG Klinik ihr Abläufe in den vergangenen Monaten gehörig auf den Kopf gestellt. So gilt im gesamten Krankenhaus für Mitarbeiter und Patienten Maskenpflicht – Patienten dürfen die Maske nur abziehen, wenn sie im Bett liegen. Es gibt ein Kernteam, das einmal die Woche tagt und Prozesse definiert. So werden ambulante und stationäre Patienten konsequent getrennt. Eingänge sind für bestimmte Gruppen reserviert und werden bewacht. Sprechstunden sind ausgeweitet worden. Alles mit einem Ziel: „Wir möchten größere Menschenansammlungen vermeiden.“
Patienten werden getestet
Patienten, die stationär aufgenommen werden, werden auf Corona getestet. „Die größte Gefahr ist, dass wir das Virus ins Haus bekommen“, sagt Grützner. Bisher sei man sehr erfolgreich mit der Strategie. Sei jemand positiv, obwohl er keine Symptome zeige, „wird er isoliert“. Bisher habe man nur Einzelfälle gehabt – auch beim Thema Kontaktpersonen zu Covid-Infizierten. Um mit Blick auf Besucher den Überblick nicht zu verlieren, müssen Patienten ihre Besucher anmelden. Erlaubt ist ein Besucher pro Patient für eine Stunde am Tag.
„Wir müssen die Spannung und Disziplin beibehalten“, betont der Orthopäde und Unfallchirurg. Daher wird bei jedem Mitarbeiter täglich die Temperatur gemessen. „Im Zweifel schicken wir Mitarbeiter nach Hause, auch wenn das beim Dienstplan schwierig ist“, sagt Grützner. Aber aktuell gehe Sicherheit vor. Seine Mitarbeiter lobt er daher ausdrücklich für ihre Motivation und Bereitschaft, „sehr flexibel bei den Arbeitsplänen“ zu sein. Dass alle mitziehen, sei auch bei der jetzt anstehenden Influenza-Impfung wichtig, für die Grützner eindringlich wirbt: „Wir wollen, dass sich 50 bis 70 Prozent der Mitarbeiter impfen lassen.“ In früheren Jahren seien es 20 bis 30 Prozent gewesen. Grützner erklärt dieses Werben: „Es wäre fatal, beides zu bekommen. Und wir müssen gut mit unseren Mitarbeiter-Ressourcen umgehen. Daher ist es wichtig, dass wir möglichst wenig Ausfälle wegen Influenza haben.“
„Fast-Regelbetrieb“
Grützner ist sich bewusst, dass die nächsten Monate anstrengend werden. Er beschreibt die Herausforderung so: „Wir sind im Fast-Regelbetrieb mit starkem Fokus auf das, was kommt.“ Wichtig sei, dass jeder durch entsprechendes Verhalten mithelfe, „dann haben wir eine größere Chance, dass wir da gut rauskommen“.
Eine Kuriosität hat die BG im Frühjahr mit dem Lockdown beobachtet: „Es gab einen massiven Rückgang der Arbeitsunfälle und der Unfälle auf dem Arbeitsweg. Dafür gab es einen deutlichen Anstieg der Freizeitunfälle. Am Ende hat sich das ausgeglichen.“ Die BG Klinik wird also auf alle Fälle gebraucht. Daher tut das Haus alles dafür, dass es weiterarbeiten kann.