Mannheim
Budgetprobleme: Nachtwandel im Mannheimer Jungbusch legt Pause ein
Die 20. Ausgabe der beliebten Veranstaltung soll erst im Oktober 2027 gefeiert werden. Als Gründe werden die unsichere Finanzierung und eine kreative Schaffenspause genannt. Laut einer Mitteilung der Stadt Mannheim reicht das vorhandene Budget nicht aus, um die Gesamtkosten der Veranstaltung zu decken. In den kommenden Monaten soll nun ein tragfähiges Fundraising-Konzept erarbeitet werden, um Sponsoren für den Nachtwandel 2027 zu gewinnen und Spenden einzuwerben.
„Wir arbeiten aktuell an der Schärfung des Profils des Nachtwandels als Kulturfest. Die Verschiebung gibt uns dabei Planungssicherheit für 2027“, betont der Mannheimer Kulturbürgermeister Thorsten Riehle (SPD). „Die Pause bietet gleichzeitig eine Chance für eine Neustrukturierung und die Aufnahme neuer Impulse.“
Der seit 2004 bestehende Nachtwandel bewies immer wieder, wie ein ganzer Stadtteil zur Bühne für funkelnde Vielfalt und lebendige Kreativität werden kann. Kulturschaffende, Gastronomen, aber auch viele Bewohner packen gemeinsam mit an. Von Moscheenbesuchen über Kunst in Kirchen und Wohnhäusern bis zu Konzerten im Hinterhof reicht das multikulturelle Programm. Türen öffnen sich, die sonst verschlossen bleiben, doch trotz seiner Strahlkraft mit jährlich bis zu 25.000 Besuchern stand der Nachtwandel bereits in den vergangenen Jahren unter einem ungewissen Stern.
Sponsoren gesucht
Für das Kulturprogramm musste 2025 ein Crowdfunding gestartet werden, neben dem Zuschuss von 16.000 Euro durch das Kulturamt wurde fast noch einmal die gleiche Summe über einen Spendenaufruf zusammengetrommelt. Aber auch die VTM (Veranstaltungen, Tourismus & Marketing) ging als Hauptveranstalter auf Sponsorensuche. „Es braucht 130.000 Euro für Sicherheitskonzept, Organisation und Infrastruktur“, hatte der damalige VTM-Geschäftsführer Oliver Althausen verraten.
Schon im vergangenen Herbst hatten die Verantwortlichen angedeutet, dass die zweitägige Veranstaltung ohne Sponsoren und Spendenaktionen in naher Zukunft kaum stattfinden könne. In Haushaltsgesprächen wurde auch über einen Eintritt nachgedacht, doch das würde dem Nachtwandel Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) zufolge den Charakter nehmen. Auch die Überlegung, das Stadtteilfest der etwas anderen Art an nur einem Abend auszurichten, stand mal im Raum.
Vorfreude lebendig halten
Stattdessen muss der Nachtwandel nach 2016 (aufgrund organisatorischer und finanzieller Engpässe) sowie 2020 und 2021 (wegen der Corona-Pandemie) nun zum vierten Mal in seiner Geschichte ausfallen. Dafür aber sollen in der Zwischenzeit „diverse kleinere Veranstaltungsformate“ das Kulturleben im Jungbusch und die Vorfreude auf die nächste Nachtwandel-Ausgabe lebendig halten. Die nächste Ausgabe soll nun am 29. und 30. Oktober 2027 stattfinden. „Bevor alle treuen Fans des beliebten Kulturfestes dieses besondere Jubiläum feiern können, legen die Organisatoren des Großevents eine kreative Schaffenspause ein“, heißt es.
Pause heißt, Zukunftsaussichten zu erarbeiten. Schon in den vergangenen Jahren gab es Veränderungen. Man unternahm den Versuch, den Nachtwandel nicht zur wilden Party ausarten zu lassen. Insgesamt führt das Konzept weg von der Straße. Elektronisch verstärkte Musik gibt es nur auf festen Bühnen, mit Kunst gefüllte Container am Verbindungskanal haben sich als Promenade zum entspannten Schlendern etabliert.
„Der Nachtwandel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Kulturfest mit enormer Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus entwickelt. Weil sich so viele Akteure aus dem Jungbusch daran beteiligen, wirkt er identitätsstiftend für den Stadtteil“, erklärt Specht. „Mit dem jetzt gestarteten Prozess wollen wir eine nachhaltige Zukunftsperspektive für den Nachtwandel erarbeiten.“
Der OB hatte zuletzt auch beim Mannheimer Stadtfest angedeutet, dass die 30. Ausgabe des Innenstadt-Events vielleicht die letzte Ausgabe sein könnte.