Urlaubsgefühle (2) RHEINPFALZ Plus Artikel Blies: Erholung und die große Liebe finden

 Christiane, Heidrun und Janos (von links) sind langjährige Bliesbadbesucher.
Christiane, Heidrun und Janos (von links) sind langjährige Bliesbadbesucher.

Bis zu den Sommerferien berichten wir über Themen, die Urlaubsgefühle wecken. Die Große Blies ist seit über 50 Jahren eine beliebte städtische Badestelle. Für viele ist sie zum Erholungsort während des Sommers geworden. Manche Besucher verbinden unvergessliche Erinnerungen mit dem See.

„Wenn das Wetter hält, gehen wir jeden Tag an die Blies. Die Natur – das viele Grün – das vermuten die Stadtleute hier nicht. Der See ist sauber, man kann entspannt schwimmen gehen. Was will der Mensch mehr?“, fragt Christiane lachend. Die 73-jährige Rentnerin stammt ursprünglich aus Essen und lebt jetzt im Stadtteil Süd. „Wir kommen schon seit Jahrzehnten hierher“, fügt sie hinzu.

Auch ihre Freundin Heidrun verbindet mit dem Badesee eine langjährige Beziehung. Die 75-Jährige wird emotional, als sie sich erinnert: „Ich war mit meinem Sohnemann an der Blies, als er klein war. Ich habe ihn aufwachsen sehen und sehe heute meine Enkelkinder an demselben Ort aufwachsen.“ Viele familiäre Momente habe am Baggersee gegeben.

Internationaler Treffpunkt

Janos, der einzige Mann in der Runde, ist gebürtiger Ungar und bezeichnet die Blies als internationalen Treffpunkt. Den Badesee zu besuchen, sei eine Möglichkeit, neue und vor allem unerwartete Bekanntschaften zu schließen. Da spricht er aus eigener Erfahrung. Der 70-Jährige wendet sich schmunzelnd an Heidrun und erzählt: „Vor 22 Jahren sind wir beide uns zum ersten Mal beim Schwimmen in der Blies begegnet.“

Ein Treffen mit lebensverändernden Folgen: Was damals mit einem Plausch im Wasser begann, entwickelte sich zur Liebesgeschichte. Janos und Heidrun sind zu Lebensgefährten geworden und wohnen heute zusammen in der Gartenstadt. Mit feierlicher Miene deutet Christiane auf das Paar und verkündet: „Das ist die große Liebe an der Blies.“

Erholungsort an heißen Tagen: das Bliesbad.
Erholungsort an heißen Tagen: das Bliesbad.

83.000 Quadratmeter Wasserfläche

Das Trio sitzt gerne auf einer schattigen Bank im Biergarten „Blieskönig“. Die Stammgäste bringen auch gerne Besuch von außerhalb zu dem Naturbad in der Bliesstraße mit. Und die sind oft begeistert von der Atmosphäre.

Die Stadt bewirbt den Baggersee als Wohlfühloase für Stadtbewohner: „Wer einmal den stressigen Alltag vergessen und einfach die Seele baumeln lassen möchte, kann dies in der Badestelle Blies mitten in der Stadt tun.“ Bliesbadbesucher stehen täglich zwischen 10 bis 22 Uhr über 83.000 Quadratmeter Wasserfläche und rund 12.000 Quadratmeter Liegewiese zur Verfügung. Die Badestelle wird vom Förderverein Strandbad Blies seit 1995 betrieben. Auf der Basis einer Vereinbarung mit der Stadt kümmert er sich seither um den Erhalt des Naturbads.

Gilt offiziell als Badestelle: das Bliesbad.
Gilt offiziell als Badestelle: das Bliesbad.

Mitgliederzahl sinkt

Die Mitgliederzahl des Fördervereins sei seit der Lockerung der Corona-Regeln spürbar rückläufig, berichtet Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Beringer. Im Pandemie-Sommer 2020 ließ der Verein wegen des hohen Aufwands bei der Kontaktnachverfolgung der Badegäste nur noch Vereinsmitglieder ins Bad, deren Kontaktdaten bereits bekannt waren. Die Mitgliederzahl verdoppelte sich daraufhin, sodass ein Aufnahmestopp den „Boom“ bremsen musste. Seitdem sind viele Neumitglieder aus dem Verein wieder ausgetreten.

Vor knapp einem Jahr ist das Ehepaar Cornelia und Thomas Bokser eingetreten. „Wir sind froh, dass es die Blies gibt, und finden es wichtig, die Badestelle zu unterstützen“, sagt Thomas Bokser. Der 64-Jährige wohnt mit seiner Frau in Mannheim im Waldhof und fährt regelmäßig zum Schwimmen über die Brücke nach Ludwigshafen. „Wir profitieren von unserer Mitgliedschaft“, wirft Cornelia Bokser ein. Als Vereinsmitglieder müssten sie keinen Eintritt zahlen und könnten während der Öffnungszeiten mehrmals den See besuchen kommen. „Wenn’s rappelvoll wird, gehen wir aber und kommen abends wieder, wenn es ruhiger ist“, erklärt die 65-Jährige. Das Ehepaar hat viele Bekannte auf der anderen Rheinseite, die von der Blies wenig wüssten.

Angebot macht viel Arbeit

Hinter dem vielfältigen Angebot steckt viel Arbeit. So bereiten Ehrenamtliche des Vereins ab 6 Uhr täglich die Liegewiese für die Besucher vor und sammeln dafür den Kot der Gänse ein, der im Gras liegt. Thomas Bokser bedauert vor allem, dass finanzielle Zuschüsse von der Stadt gestrichen worden seien. Das Erstellen und Auswerten der Wasserproben, die das Gesundheitsamt fordere, sei früher vergünstigt über die Technischen Werke Ludwigshafen gelaufen und müsste heute allein mit den Mitglieds- und Eintrittsbeiträgen und vom Verein selbst getragen werden.

Gänse machen auch Dreck.
Gänse machen auch Dreck.

Das Tagesticket für Erwachsene sei deshalb mit 2,50 Euro absolut preiswert, meint Thomas Bokser. Neben dem Wasserspaß könnten Besucher Umkleiden, Toiletten und die Gastronomie nutzen. Der Oggersheimer Marc-Andre Unger ist der neue Betreiber des Biergartens. Der „Blieskönig“ ist Ungers erstes eigenes Unternehmen und hat seit Saisonbeginn Mitte Mai geöffnet. Der 33-Jährige bietet auch neue Salate, hausgemachte Limonade und zwei Eisteesorten an. Zu den „Blieskönig“-Stammgästen gehören auch Christiane, Heidrun und Janos. Das Trio ist von den Preisen und den neuen Speisen auf der Karte überzeugt. „Es ist perfekt für einen Happen zwischendurch“, meint Christiane. Auf einer schattigen Bank wollen sie auch diesen Sommer wieder hier genießen.

Chef des Fördervereins: Hans-Jürgen Beringer.
Chef des Fördervereins: Hans-Jürgen Beringer.

Hier geht’s zu Teil 1 der Serie. Thema: Wohin die Ludwigshafener reisen.

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