Urlaubsgefühle (1) RHEINPFALZ Plus Artikel Wohin die Ludwigshafener reisen

Viele Urlauber zieht es ans Mittelmeer.
Viele Urlauber zieht es ans Mittelmeer.

Bis zu den Sommerferien berichten wir über Themen, die Urlaubsgefühle wecken. Heute geht’s um Reisebüros. Welche Tipps geben sie, welche Länder sind angesagt, woran sparen die Kunden und für welche Traumziele geben sie vielleicht sogar mehr als früher aus.

Reiselustige kommen schon seit 35 Jahren in den Hemshof, um sich im Reisebüro „Hellas Reisen“ beraten zu lassen. „Die Hälfte meiner Kunden hat sich zuvor online informiert und zeigt mir dann ein Strandbild aus dem Internet auf ihrem Handy“, erzählt der Besitzer des Reisebüros Angelos Kommatas. So wie auf dem Bild soll dann der Urlaubsort aussehen. Der 52-jährige Inhaber beobachtet in diesem Jahr, dass die Ludwigshafener in seinem Laden verstärkt Reisen nach Griechenland nachfragen. „Vielleicht liegt das auch daran, dass wir Griechen sind“, bemerkt er und lacht.

Uschi Freitag-Bolleyer, Beraterin im Reisebüro „Urlaubsinsel“ in der Bismarckstraße (Mitte), kann das gesteigerte touristische Interesse an Griechenland bestätigen. Vor allem die Inseln seien sehr gefragt. Und davon gibt es eine ganze Menge: Es existieren insgesamt über 3000 griechische Inseln. 200 sind bewohnt. Darunter gibt es echte Klassiker als Reiseziele, die jedes Jahr Tausende von Besuchern anziehen. „Kreta, Korfu, Rhodos und Santorin sind die gängigen Inseln“, zählt die Beraterin auf.

Mallorca noch im Trend

Viele Urlauber zieht es im Sommer ans Mittelmeer. Neben Griechenland berichten beide Reiseberater von weiteren beliebten Urlaubsplätzen wie Italien, Kroatien oder Spanien. „Mallorca ist immer noch das Stammreiseziel vieler unserer Kunden“, erzählt Freitag-Bolleyer – und hat großes Verständnis dafür. Sie persönlich sei zwar für alle Reiseziele offen, Mallorca sei ihr aber zur zweiten Heimat geworden. „Die Insel ist zweigeteilt. Einerseits leben sich junge Leute bei Partys aus, andererseits können Kulturinteressierte Mallorcas historische Städte besichtigen. Die Insel ist unglaublich vielfältig“, schwärmt die 59-Jährige.

Mallorca mag noch ein Klassiker sein, doch die Corona-Zwangspause hat beim Tourismus Spuren hinterlassen. Nach der Pandemie hätte sich das Reiseverhalten seiner Kunden verändert, erzählt Angelos Kommatas. Die Reisedauer sei gesunken. „Diejenigen, die noch vor ein paar Jahren zwei Wochen lang verreist wären, buchen dieses Jahr ihren Urlaub nur für zehn Tage, um Geld zu sparen. Sie checken auch lieber in kleinere Hotels ein“, sagt Kommatas.

Fünf Tage im Durchschnitt

Möglicherweise könnte dies auch an der Inflation liegen. Familien steht deshalb weniger Geld für den Urlaub zur Verfügung. Laut einer Umfrage der BAT-Stiftung, einer der bundesweit wichtigsten Tourismusstudien, planen rund 65 Prozent der Deutschen dieses Jahr lediglich eine fünftägige Reise. Die Studie führt außerdem an, dass 28 Prozent der Befragten den Urlaub im eigenen Land bevorzugen, zum Beispiel in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern. „Orte an der Ost- oder Nordsee sind diese Sommersaison wieder komplett überbucht“, bestätigt Freitag-Bolleyer den Deutschland-Trend beim Tourismus. Neben dem gesteigerten Preisbewusstsein hätten sich auch die Anforderungen an einen Urlaubsaufenthalt verändert – unabhängig vom Reiseziel. „Unsere Kunden möchten sich vor Ort ein Auto leihen, um ihre freie Zeit flexibel gestalten zu können. Sie möchten auch mit ihrem Hund verreisen und beziehen lieber Ferienwohnungen“, berichtet die Beraterin über die Wünsche ihrer Kunden.

Die Umfrage der BAT-Stiftung gibt Auskunft über die beliebtesten europäischen Reiseziele. Dazu gehören auch Spanien, Italien und die Türkei. Die Bereitschaft fürs Fliegen hat sich trotz der Diskussion um umweltbewusstes Reisen laut Freitag-Bolleyer nicht verringert. Wenn’s um den Urlaub geht, möchten die meisten Kunden nicht aufs Flugzeug verzichten.

Einfluss Sozialer Medien

Reisen nach Fernost sind wieder angesagt. „Thailand kommt zurück“, prognostiziert Freitag-Bolleyer. Touristen könnten das Land nicht nur mit Busreisen und Strandbesuchen erkunden, sondern den Aufenthalt dort mit Ausflügen in weitere asiatische Länder wie Kambodscha, Laos oder Vietnam verknüpfen. Auch bei der jüngeren Generation herrscht Interesse an Asien – Dank des Einflusses der asiatischen Pop- und Kulturszene.

Soziale Medien spielen in der Reisebranche eine immer größere Rolle. Kunden, die Angelos Kommatas und Uschi Freitag-Bolleyer beraten, möchten oft Orte bereisen, an denen sich populäre Influencer (Meinungsmacher) im Internet offensiv präsentieren. Darunter zählen die indonesische Insel Bali, die Wüstenstadt Dubai und die griechische Vulkaninsel Santorin mit den berühmten weißen Häusern. „Die Leute dürfen sich aber nicht von der Inszenierung täuschen lassen“, mahnt die Beraterin.

Casablanca kein Sehnsuchtsort

Einmal hätte ein Kunde nach Casablanca in Marokko verreisen wollen. Zuvor hatte er den US-Liebesfilmklassiker „Casablanca“ von 1942 gesehen und war von dem romantischen Stadtflair begeistert, wie es im Film (mit Kulissen in einem Studio) gezeigt wurde. „Casablanca ist in erster Linie eine Industriestadt und ziemlich unromantisch“, warnt Freitag-Bolleyer vor Illusionen. Reisen lade zum Träumen ein, doch man dürfe sich nicht von ihnen blenden lassen.

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