Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Alarmierende Corona-Zahlen in Ludwigshafen und Mannheim

In Ludwigshafen sind seit Beginn der Pandemie 746 Menschen mit dem Virus infiziert worden.
In Ludwigshafen sind seit Beginn der Pandemie 746 Menschen mit dem Virus infiziert worden.

Mannheim ist zum Corona-Risikogebiet erklärt worden. Auch in Ludwigshafen steigen die Infektionszahlen. Am Freitag wurde hier die zweithöchste Warnstufe „Orange“ erreicht. Dies führt zu weiteren Einschränkungen. Die Behörden betonen, dass sie die Lage im Griff haben und appellieren an die Mithilfe der Bürger.

Ludwigshafen und Mannheim sind eigentlich untrennbar miteinander verbunden, auch wenn der Rhein dazwischen fließt. Viele Mannheimer arbeiten bei der BASF, viele Ludwigshafener gehen in Mannheim einkaufen oder abends aus. Der Nahverkehr hat zahlreiche gemeinsame Stadtbahnlinien.

Deshalb wird im Ludwigshafener Rathaus die Entwicklung in der Nachbarstadt mit großer Sorge beobachtet. Während in Mannheim die Fallzahlen die rote Alarmmarke von über 50 Neuinfektionen pro Woche überschritten haben, hat Ludwigshafen laut Landesuntersuchungsamt am Freitag die Warnstufe orange erreicht, die bei 35 Fällen liegt. Ab dieser Stufe sollen die Kommunen prüfen, weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu ergreifen. Das Gesundheitsamt in Ludwigshafen ging hingegen noch von 31 Fällen aus.

Ludwigshafen bereitet Einschränkungen vor

„Die Stadt Ludwigshafen ist vorbereitet, sollten die Zahlen weiter ansteigen. Wir werden sehr schnell und effektiv Kontrollen verstärken, Regelungen treffen, wie beispielsweise Sperrstunden einführen, und wir werden weiter aufklären und sensibilisieren“, kündigte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) an. Bei einer Überschreitung der 35er-Marke werde die Stadtverwaltung Sperrstunden für Restaurants, Bars, Spielhallen und Internetcafés einführen. Private Feiern werden auf maximal 25 Teilnehmer im öffentlichen und 15 Teilnehmer im privaten Raum begrenzt. Bei Veranstaltungen sind maximal 75 Personen (im Innenbereich) und 250 (im Freien) erlaubt. Auch für Sportanlagen wird es Regelungen geben, wenn die kritische Grenze überschritten wird. Die Details werden per Allgemeinverfügung von der Kommune festgelegt und wohl kommende Woche veröffentlicht.

Maskenpflicht in Mannheim

Die Stadtverwaltung Mannheim hatte bereits am Donnerstagabend bekannt gegeben, dass ab Samstag einige Einschränkungen im Stadtgebiet eingeführt werden. Dazu zählt unter anderem eine Maskenpflicht im Freien an mehreren belebten Orten in der Innenstadt, wie zum Beispiel der Einkaufsmeile Planken. Außerdem ist ein Verbot erlassen worden, am Wochenende zwischen 22 und 6 Uhr Alkohol auf der Straße zu verkaufen. Auch müssen Mannheimer Schüler ab Klasse fünf ab nächster Woche nun im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Appell an die Bevölkerung

Ludwigshafens OB Steinruck appellierte am Freitag an die Bevölkerung: „Unser aller Gesundheit hängt in hohem Maße vom Verantwortungsbewusstsein aller Bürger ab. Ich werde alles dafür tun, dass es keinen zweiten Lockdown in Ludwigshafen gibt. Das geht aber nur, wenn alle Bürger mitmachen. Daher appelliere ich an alle: Halten Sie Abstand, achten Sie auf die Hygiene und tragen Sie Maske!“

In Ludwigshafen gibt es unter Federführung von Steinruck seit Beginn der Pandemie einen Lenkungskreis, an dem alle relevanten Bereiche der Verwaltung sowie der Gesundheitsbehörden und des Klinikums, Bundeswehr, Feuerwehr und Katastrophenschutz teilnehmen. Aufgrund der zugespitzten aktuellen Lage gibt es nun wieder tägliche Videokonferenzen. Auch mit ihrem Mannheimer Amtskollegen Peter Kurz (SPD) ist die OB im regelmäßigen Kontakt.

Gesundheitsamt aktiv

Unterdessen versucht das Gesundheitsamt Ludwigshafen mit Quarantänen, Corona-Ausbrüche lokal einzugrenzen. Dies passiert gerade bei einem Corona-Hotspot im Landkreis, wo im Frosta-Werk in Bobenheim-Roxheim 45 Mitarbeiter infiziert sind. Das Gesundheitsamt versucht, die Kontaktpersonen der Infizierten aufzuspüren, um eine weitere Ausbreitung zu stoppen.

Nach Auskunft der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises, zu der das Gesundheitsamt in Ludwigshafen gehört, haben die Mitarbeiter derzeit alle Hände voll zu tun, um nachzuverfolgen, wer mit Infizierten Kontakt hatte. Pro Fall fielen durchschnittlich zwischen zehn und 50 Nachverfolgungen an. „Wir kommen noch hinterher“, sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung. Dass Bundeswehrsoldaten dabei helfen – wie das in besonders betroffenen Großstädten im Bundesgebiet schon der Fall ist – sei in Ludwigshafen noch nicht vorgesehen. „Soweit sind wir noch nicht. Wir würden die Bundeswehr erst bei der roten Alarmstufe von über 50 Neuinfektionen pro Woche hinzuziehen“, sagte die Kreissprecherin.

Mehr Patienten im Klinikum

Im Ludwigshafener Klinikum steigt momentan die Anzahl der Corona-Patienten. „Wir hatten Stand Freitag vier gesichert positive Patienten auf Normalstation und drei Patienten auf Intensiv sowie eine Reihe Verdachtsfälle in Quarantäne“, sagte Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther. Die Tendenz der positiven Fälle steige sowohl im Klinikum als auch in der Infektionsambulanz spürbar an, wo sich jeder auf die Krankheit testen lassen kann. „Wir sind noch lange nicht an unseren Kapazitätsgrenzen angekommen – die neu eingerichtete Covid-Station mit acht zusätzlichen Intensiv- und 20 Normalbetten mussten wir noch nicht in Betrieb nehmen. Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Tage fortsetzt, wird dies aber im November der Fall sein. Aber, wie gesagt, wir sind vorbereitet“, sagte Günther.

Fall im Flüchtlingslager

Ein weiterer brisanter Fall wurde am Freitagnachmittag bekannt: In der Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Mannheimer Straße (Oggersheim) soll sich erneut ein Mann mit dem Coronavirus infiziert haben. Darüber haben ehrenamtliche Flüchtlingshelfer informiert. Der Betroffene befindet sich demnach nun in Quarantäne in der Sammelunterkunft im Rheingönheimer Rampenweg. In der Oggersheimer Unterkunft war es bereits im März/April zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Damals hatten sich mehr als 80 von insgesamt 171 Männern mit dem Virus infiziert. Die Betroffenen wurden daraufhin ebenfalls in anderen Sammelunterkünften untergebracht. Alle Quartiere standen wochenlang unter Quarantäne, bis der Ausbruch schließlich eingedämmt werden konnte. Die Stadtspitze rechnet diesmal aber nicht mit einem größeren Ausbruch. Der Mann habe ein Einzelzimmer gehabt und sei nun isoliert.

Einen Überblick über die Einschränkungen, die ab Samstag in Mannheim gelten, finden Sie hier.

Auf der Intensivstation des Klinikums liegen drei Patienten.
Auf der Intensivstation des Klinikums liegen drei Patienten.
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