Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Adieu „City West“, Info-Markt in Rhein-Galerie: Die Zukunft von LU braucht einen neuen Namen

OB Klaus Blettner (links), Sonja Müller-Zaman (LCE-Geschäftsführerin) sowie Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt vor einem
OB Klaus Blettner (links), Sonja Müller-Zaman (LCE-Geschäftsführerin) sowie Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt vor einem Modell des neuen Stadtquartiers im Info-Center am Rheinufer.

Die Stadt treibt das entlang der künftigen Helmut-Kohl-Allee geplante Quartier weiter voran. Was auf dem 39 Hektar großen Areal entstehen soll. Die Entscheidung naht.

Es ist 55 Fußballfelder groß, erstreckt sich vom Hauptbahnhof bis zum Rhein, ist in seinen Dimensionen bundesweit einmalig für den Kern einer Großstadt und gilt als Riesenchance fürs Ludwigshafener Zentrum – das bisher unter dem Arbeitstitel firmierende Gebiet „City West“. Entlang der künftigen Helmut-Kohl-Allee soll ein Puzzle aus fünf kleineren Zukunftsquartieren zu einem großen Ganzen zusammenwachsen. Ein Vorteil für die Vermarktung: Rund 70 Prozent der Grundstücke befinden sich im Eigentum der Stadt.

Fernziel für die nächsten zweieinhalb Jahrzehnte ist ein völlig neues Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Kultur, Bildung, Sport und Natur bündelt, die Südliche und Nördliche Innenstadt enger verzahnt und damit verhindert, dass die Allee einen trennenden Betonkeil durchs Zentrum treibt, wie das Kritiker befürchten. Ein wichtiges Element – auch für den Klimaschutz – soll der Friedenspark bilden, der sich im Stile des New Yorker Central Parks wie ein grünes Brand ausbreiten und das Herzstück für eine neue Aufenthaltsqualität bilden soll.

Parkfläche soll sich verdoppeln

Dessen naturbelassene Fläche von 6,8 Hektar soll mehr als verdoppelt und mit Freizeit- sowie Sportmöglichkeiten veredelt werden soll. Entstehen soll im Umfeld ein eigener Straßenraum mit Hochpunkten zur Orientierung. „Eine Straße in der Stadt, nicht durch die Stadt“, wie es Professor Markus Neppl, Stadtplaner und Architekt aus Karlsruhe, als Vorsitzender der Fachjury zum Auftakt des sogenannten Werkstattverfahrens ausgedrückt hat. Im RHEINPFALZ-Interview forderte er, dass die Planung „enkeltauglich“ sein müsse.

So sieht es auch das Konzept des Büros Adept (50 Mitarbeiter) mit Filialen in Kopenhagen und Hamburg vor. Aus besagtem Werkstattverfahren, das der Stadt 150.000 Euro wert war, ging es auf Empfehlung einer Expertenkommission Ende Januar 2025 als Sieger hervor. Im September 2025 wurde die dänisch-deutsche Kreativ-Coproduktion vom Stadtrat schließlich einstimmig mit der Rahmenplanung beauftragt.

Dieser Rahmenplan soll die städtebaulichen Zielsetzungen konkretisieren, gestalterische Leitlinien definieren und damit die Grundlage für eine geordnete städtebauliche Entwicklung schaffen. Im Oktober, bei der Immobilienmesse Expo Real in München, sollen bereits erste Privatinvestoren für das Quartier geworben werden. Das betonte Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) am Montag im Info-Center am Rheinufer. Bis 2030 rechnen die Verantwortlichen mit dem Erschließungsbeginn und dem ersten Spatenstich.

Um dieses, fast 40 Hektar große Areal im Zentrum geht es.
Um dieses, fast 40 Hektar große Areal im Zentrum geht es.
September 2024: Auftaktveranstaltung zum sogenannten Werkstattverfahren, damals noch mit OB Jutta Steinruck.
September 2024: Auftaktveranstaltung zum sogenannten Werkstattverfahren, damals noch mit OB Jutta Steinruck.
Bürgerforum zur Hochstraßenplanung.
Bürgerforum zur Hochstraßenplanung.
Adieu, »City West«: Dieser Arbeitstitel hat ausgedient.
Adieu, „City West“: Dieser Arbeitstitel hat ausgedient.
Ideensammlung bei einem Bürgerforum zum Thema.
Ideensammlung bei einem Bürgerforum zum Thema.
Grün dominiert: Erster grober Entwurf des Büros Adept.
Grün dominiert: Erster grober Entwurf des Büros Adept.
Die Bauarbeiten für die Kohl-Allee laufen längst.
Die Bauarbeiten für die Kohl-Allee laufen längst.
Stadtplanerin Tanja Jauernig und Architekt Leon Wittmaack am »City-West«-Modell im Infocenter an der Rheinallee.
Stadtplanerin Tanja Jauernig und Architekt Leon Wittmaack am „City-West“-Modell im Infocenter an der Rheinallee.
Blick in den Friedenspark.
Blick in den Friedenspark.

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Ludwigshafen hat eine einmalige Chance: Gemeinsam können wir unsere Stadt positiv und widerstandsfähig weiterentwickeln. Wir können echte Impulse des Aufbruchs setzen und uns zugleich auf unsere Wurzeln, unsere Identität und unsere Stärke besinnen“, sagte Blettner. Die Kohl-Allee sei zunächst einmal eine wichtige Verkehrsachse in der Metropolregion und zusammen mit der neuen Hochstraße Süd (B37), die im Juli eröffnet werden soll, ein starkes Stück leistungsfähige Infrastruktur für Wirtschaft und Industrie. „Zugleich ermöglicht die Allee uns, Quartiere, die bisher durch Brückenbauten und dunkle Räume voneinander getrennt waren, miteinander zu verknüpfen und Aufenthaltsqualität dort zu schaffen, wo wir sie bisher vermisst haben – beispielsweise rund um den Danziger Platz oder dem Hauptbahnhof. Dabei wachsen wir zusammen.“

OB: Richtige Weichen stellen

Der Hemshof soll mit der Innenstadt besser vernetzt, die Quartiere sollen zugänglicher und freundlicher werden, die Innenstadt soll ein neues Gesicht erhalten. „Jetzt liegt es in unseren Händen, die richtigen Weichen dafür zu stellen: durch kluge und weitsichtige Planung und im Dialog miteinander. Die Rahmenplanung ist ein Meilenstein auf dem Weg dorthin“, meinte Blettner. Die Stadtverwaltung will sie zur „Stadtreparatur“ nutzen. Das heißt: Problemflächen sollen identifiziert, geordnet und Ideen entwickelt werden, wie diese künftig für eine positive Entwicklung Ludwigshafens verändert und neu bespielt werden können. Am Ende der Rahmenplanung soll ein klares Bild für ein neues Stück Ludwigshafen entstehen, das dann Zug um Zug konkreter werde und in formelle Bebauungspläne münde, die dann verbindlich seien.

„Cooler Mix für die neue Mitte“

Sonja Müller-Zamann, Geschäftsführerin der Lu-City-Entwicklungs-GmbH (LCE), hat das „Werkstattverfahren“ eng begleitet und wünscht sich einen „coolen Mix für die neue Mitte“. Ludwigshafen könne damit zur Blaupause für deutsche Innenstädte werden. Bestenfalls soll das neue Stadtquartier so konzipiert werden, dass die 860 Meter lange und bis zu achtspurige Helmut-Kohl-Allee, die die marode Hochstraße Nord (B44) ab Ende 2032 ebenerdig ersetzen soll, die City eben nicht spaltet. Im Gegenteil: Der von viel Grün und einladenden Plätzen flankierte Boulevard soll zum Bindeglied im Zentrum werden.

In der östlichen Dessauer Straße sei beispielsweise eine neue Grundschule denkbar, im Anschluss an das Felix-Bowling-Center Wohnen am Park ebenso wie eine Sport- oder Turnhalle, und auch die entstehenden Pendlerradrouten sollen in das neue Quartier integriert werden. Westlich der Bahngleise entlang der Deutschen Straße (West) seien vor allem neue Wohnangebote inklusive Kita geplant. Das Gelände um die Benckiser-Villa soll ein Nutzungsmix aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Bildung werden. Zu Beginn noch in sechs Arbeitsfelder aufgeteilt, wurden nun fünf einzelne Quartiere ausgewiesen, die laut Müller-Zamann durch sinnvolle Übergänge verknüpft werden sollen – etwa zwischen Bismarck- und Prinzregentenstraße.

1. Die verbindende Innenstadt

2. Das Benckiserquartier

3. Das Quartier West

4. Der große Friedenspark

5. Das Bahnhofsquartier

Am 8. und 22. Juni wird in den städtischen Gremien über das weitere Verfahren beraten. Bei einer Zustimmung schließt sich die öffentliche Auslegung der Pläne im Juli/August an. In dieser Phase können Bürger Hinweise, Anregungen und Bedenken einbringen. Diese Beiträge würden gesammelt, thematisch ausgewertet und nach fachlicher Prüfung in die finale Fassung integriert, um sie im Herbst dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorzulegen. Der Rahmenplan selbst ist nicht rechtsverbindlich. Er dient als Orientierung und Basis für nachfolgende Bebauungspläne und soll Verlässlichkeit für Verwaltung, Grundstückseigentümer und Investoren garantieren, ohne jede Einzelfrage abschließend zu regeln.

Info-Markt in der Rhein-Galerie

Entstehen soll am Ende ein lebendiges, gemischt genutztes und barrierefreies Quartier mit kurzen Wegen, sicheren Querungen für den Fuß- und Radverkehr sowie einer funktionierenden Alltagsmobilität. Der Bahnhofsvorplatz soll gestalterisch aufgewertet werden. Eine oberirdische Straßenbahnhaltestelle am Rheincenter soll die bisherige, unter dem ehemaligen Rathaus-Center gelegene Station ablösen. Flankierend seien multimodale Knotenpunkte vorgesehen für Sharing-Angebote, eine E-Ladeinfrastruktur und gut erreichbare Fahrradabstellplätze. Der Friedenspark soll auch als klimaaktive Freifläche wirken, die Kühlung biete, Biodiversität stärke und Frischluftschneisen sichere, betonte Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos).

Die Planungen will die Stadtverwaltung am 27. Juni bei einem Info-Markt in der Rhein-Galerie öffentlich präsentieren. Dort können Bürger Fragen stellen und aus fünf Vorschlägen den künftigen Namen des Quartiers auswählen. Die Benennung solle Identifikation stiften und die Zielrichtung des Quartiers widerspiegeln. Der eher nüchterne Arbeitstitel „City West“ hat dann endgültig ausgedient.

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