Ludwigshafen
150 Jahre Geschwister-Scholl-Gymnasium: Der Bildungspolitik voraus
Diese Schule ist wenig jünger als die Stadt selbst – Ludwigshafen erhielt 1853 Stadtrechte und die Höhere Töchterschule nahm 1875 als private Bürgerinitiative ihren Lehrbetrieb auf. Am Samstag feierte das seit 1964 nach den Geschwistern Scholl benannte Gymnasium in Süd seinen 150. Geburtstag mit einem Festakt und einem großen Schulfest.
Das Kollegium um Schulleiter Rüdiger Keil hatte einen würdigen Festakt gestaltet. Als Welturaufführung zu hören war die Jubiläumskantate von Musiklehrerin Ulrike Braun. Chor, Streichorchester und Band zeigten, dass sie sowohl Klassik als auch Jazz beherrschen. Der Text thematisierte die vielen Besonderheiten am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG). So kam zum Beispiel das deutsch-französische Abi-Bac zu Ehren.
Unterrichtsbetrieb startete mit 60 Mädchen
Ehrengast des Festakts war die ehemalige Schülerin Dörte Schall (SPD), die seit Juli 2024 Ministerin für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz ist. „Wenn man ans Scholl-Gymnasium geht, kann man was werden“, sagte Keil bei der Begrüßung der Ministerin schmunzelnd. Monatelange Planungen und Proben seien diesem Festakt vorangegangen, führte er in seiner Begrüßung aus. Der Schulbau aus den 1920er-Jahren steht zum Teil unter Denkmalschutz, inhaltlich sei das GSG aber immer modern gewesen. „Wir sind mit unserem Abi-Bac, der Digitalisierung und den Arbeitsgemeinschaften der Bildungspolitik oft um Jahre voraus“, betonte er.
Ludwigshafens Bildungsdezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) freute sich in ihrer Rede über die lange Geschichte einer Institution in der relativ jungen Stadt Ludwigshafen. Die Kommune hatte zur Gründung der Schule vor 150 Jahren etwa 12.000 Einwohner, von denen etliche Familien eine höhere Bildung auch für ihre Töchter wünschten. Am 3. Mai 1875 begann der Unterrichtsbetrieb also mit 60 Mädchen in einem Gebäude an der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße. „Das war der Gestaltungswillen einer Stadtgesellschaft im Aufbruch“, sagte Reifenberg bewundernd. Die Geschwister Scholl, nach denen die Schule seit 1964 benannt ist, seien zum Zeitpunkt ihrer Aktivitäten im NS-Regime wenig älter als die heutigen Abiturienten. Sie hätten den Glauben an eine bessere Welt gelebt und Zivilcourage gezeigt. Das GSG habe Partnerschaften in die ganze Welt und sei ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Seit 2015 ist das Gymnasium „Schule ohne Rassismus“ und seit 2024 trägt es noch das Siegel „Schule der Vielfalt“.
Informatik früh als Schwerpunkt gesetzt
Dörte Schall, die 1997 am GSG Abitur gemacht hat und danach Jura studierte, begrüßte im Auditorium Lehrer, die sie unterrichteten. Am GSG habe sie Demokratie erlebt und fürs Leben gelernt. „Hier wurde Respekt ausgestrahlt und eingefordert und die Schule ehrt die Namensgeber“, fasste sie zusammen. Sie lobte die Schule für die Schwerpunktsetzung sowohl in Richtung Frankreich als auch Naturwissenschaften und Informatik. „Ich wusste nicht, dass Informatikunterricht nicht an allen Schulen verpflichtend ist. Wieder ein Beispiel dafür, dass es im GSG 150 Jahre immer nach vorne gegangen ist.“
Der stellvertretende Schulleiter Roland Gresch brachte in einem Vortrag den Zuhörern die Geschichte der Institution mit vielen Anekdoten nahe. Ausgangspunkt der Gründung war der Wunsch eines sich ausdifferenzierenden Bürgertums, dass ihre Töchter nicht mit „Proletariern“ auf einer Schulbank sitzen. Die Mädchen sollten zum Heiraten eine „gute Partie“ werden. 1878 war die Schule mit dem städtischen Mädchenlyzeum vereinigt worden und hat 1889 das erste Mal ein eigenes Gebäude bezogen.
1938 wurde die höhere Töchterschule mit der 1926 eröffneten Klosterschule der Dominikanerinnen zusammengelegt und gleichgeschaltet. Vom Institut St. Dominikus aus Speyer war beim Jubiläum Schwester Elisabeth Lau anwesend. Das expressionistische Bauhaus-Gebäude wurde 1943 zerstört, 1950 wieder aufgebaut und 1990 generalsaniert. „Ich bin seit 27 Jahren an der Schule und von der Architektur immer noch begeistert“, sagte Roland Gresch. Seit 1978 werden Mädchen und Jungen am GSG gemeinsam unterrichtet. Viele ehemalige Schüler trugen wie Ministerin Schall ein T-Shirt, das der Verein der Freunde des GSG extra für das Jubiläumsfest erstellt hatte.