Ludwigshafen
Eine Schule bezieht Stellung: GSG für Vielfalt ausgezeichnet
Seit gut drei Jahren gibt es die Arbeitsgemeinschaft (AG), in der sich homosexuelle, bisexuelle, transsexuelle und queere Schüler und Lehrer zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig zu stützen und andere zu beraten. Für die Arbeit der AG bekam das Gymnasium als vierte Schule in Rheinland-Pfalz das Label „Schule der Vielfalt“. In ganz Deutschland gibt es insgesamt erst 109 Schulen mit dieser Auszeichnung. Die Plakette von Queer Net Rheinland-Pfalz überreichte der Sprecher des Vereins, Joachim Schulte, am Donnerstag in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.
Eintreten für Toleranz
„Ich habe Gleichgesinnte gefunden, mit denen ich reden kann. Zusammen bilden wir einen Schutzraum. Als Schulgemeinschaft wollen wir hinschauen und helfen“, erklärt AG-Mitglied Dalanda-Céline Ferndandes dos Santos ihre Teilnahme in der AG. Die 17-Jährige ist seit zwei Jahren dabei, Eric Illenberger, 16, der auch für die Technik bei der Preisverleihung zuständig ist, seit einem halben Jahr.
Eine Schülerin gab den Anstoß zur Gründung der Gruppe, berichtet Hannah Esswein, die die AG gemeinsam mit Kollege Marcel Weinmann leitet. Zusammen mit Schülern, Lehrern, Schulleitung und den Eltern wollen sie Toleranz und Offenheit im Schulalltag fördern und größere Akzeptanz und Wertschätzung von Vielfalt erreichen.
Treffen einmal pro Woche
Einmal pro Woche treffen sie sich. Acht bis 15 Schülerinnen und Schüler kommen regelmäßig. Ein Workshop über Diversität und Vielfalt für alle siebten Klassen bei den jährlich stattfindenden Themen- und Kompetenztagen organisierte die AG zum ersten Mal im Oktober des vergangenen Jahres. Er soll von nun an jedes Jahr stattfinden. Auf zahlreiche andere Aktivitäten kann die Gruppe bereits zurückschauen, darunter die Einrichtung einer Unisex-Toilette, einer Info-Wand, das Hissen der Regenbogenfahne und Kuchenverkauf im „Pride Month“ (Juni).
Die Arbeit der LGBTQ-plus-AG machte das Geschwister-Scholl-Gymnasium preiswürdig. Mehr Akzeptanz gegenüber geschlechtlicher und sexueller Vielfalt im Bildungsbereich ist das Ziel des Vereins Queer Net. Das mittlerweile bundesweite Netzwerk, das in Nordrhein-Westfalen gegründet wurde, verleiht nicht nur Auszeichnungen, sondern unterstützt unter anderem Schulen mit Beratungs- und Vernetzungsstrukturen sowie Bildungsmaterialien. Esswein und Weinmann nehmen an Lehrerfortbildungen des Vereins teil, den es seit 2005 in Rheinland-Pfalz gibt.
„Come in. Wir sind offen, lesbisch, schwul, bi, hetero, trans“, steht auf der Plakette, die bald die Schultür schmücken wird. Die Redner bei der Preisverleihung, Miko Itzek und Fabienne Eitelmann für die AG, Amelie Dehler als Schülersprecherin und Joachim Schulte für den Verein Queer Net betonen Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Sie nehmen auch Bezug auf die Geschwister Scholl, die Namensgeber der Schule, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten.
Aktuelle Politik ist Thema
Auch die aktuelle politische Situation ist Thema von Mittelstufenkoordinator Oliver Rebou für die Schulleitung: „Gleichheit und Freiheit, die großen Leitbegriffe unserer modernen westlichen Gesellschaften werden in erschreckender Breite und Offenheit wieder infrage gestellt“, sagt er. Damit einher gingen Abwertungen von Gruppierungen und/oder Lebensstilen. Auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium müsse der Hausmeister immer wieder Hakenkreuze entfernen.
Dem setzt man bei der Preisverleihung auch lautstark etwas dagegen: Mit„Born This Way“, dem Hit von Lady Gaga, hebt Musiklehrer Lucas Hatzis am Ende der Preisverleihung die Stimmung. Im Text heißt es: „So bin ich geboren, Gott macht keine Fehler.“
Die Sprecherin des Vereins LGBTLu+, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, lädt gegen Ende auch zu den Treffen ihres Vereins ein, die auf Instagram veröffentlicht werden.