Ludwigshafen
Ärger um die Gelben Tonnen: Wie das Duale System funktioniert
Auch bei der Firma Zentek in Köln ist angekommen, dass es in Ludwigshafen nach der Umstellung auf die Gelbe Tonne viele Beschwerden gab. Das Unternehmen hatte die Abfuhr des Verpackungsmülls ausgeschrieben, Knettenbrech + Gurdulic mit regionalem Sitz in Mannheim bekam den Zuschlag und ist seit Anfang des Jahres für Ludwigshafen zuständig. „Wenn Sie einen Entsorgerwechsel haben, dann ist das immer mit gewissen Anlaufschwierigkeiten verbunden“, sagt Alexander Keiser, Prokurist bei Zentek, im Gespräch mit der RHEINPFALZ und ergänzt: „Es ist nicht jede Stadt gleich.“
Das Wort „Anlaufschwierigkeiten“ ist in den Augen zahlreicher betroffener Bürger sehr freundlich umschrieben. Sie berichteten von fehlenden Tonnen, Tonnen in falscher Größe, von zu später Abholung und schlechter Erreichbarkeit bei Knettenbrech + Gurdulic. Keiser sagt dazu, dass in Ludwigshafen einiges zusammengekommen sei. Ein neues Unternehmen, dazu eine Systemänderung: Tonnen statt Säcke. Hinzu komme die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Tonnengrößen. Und dann Corona. Wegen der Pandemie hätten die Sack-Abhol-Orte schließen müssen. Zudem habe die Pandemie am Service-Telefon von Knettenbrech zu personellen Engpässen geführt. Und: Derzeit würden viele Kommunen auf Gelbe Tonnen umstellen, was bei den Produzenten der Gefäße zu Lieferproblemen geführt habe.
Nicht gebührenfinanziert
Doch was hat ein Kölner Unternehmen mit den Ludwigshafener Tonnen zu tun? In Deutschland müssen Industrie und Handel seit 1991 ihre verkauften Verpackungen zurücknehmen und verwerten lassen. Das macht der Handel aber nicht selbst, sondern zahlt dafür Geld an die Dualen Systeme, die sich bundesweit um die Entsorgung kümmern. Es gibt zehn privatwirtschaftliche Systeme, die das machen. Das bekannteste ist der Grüne Punkt, aber auch Zentek gehört dazu. Der Ludwigshafener bezahlt die Leistungen rund um die Gelbe Tonne deshalb auch nicht über seine Müllgebühren, sondern bereits an der Ladenkasse im Geschäft, wenn er einen Joghurt kauft, dessen Becher später in der Gelben Tonne landet.
Die Vertragsgebiete der Dualen Systeme werden zugelost. Zentek erhielt die Leichtverpackungsabfälle in Ludwigshafen. Das Unternehmen ist damit Ausschreibungsführer und entscheidet, wer die Säcke oder Tonnen abholt. Während bislang der Wirtschaftsbetrieb (WBL) dafür zuständig war, unterlag der städtische Eigenbetrieb in der vergangenen Ausschreibung.
Laut Alexander Keiser muss jedes Unternehmen, das sich bewirbt nachweisen, ob es „wirtschaftlich und technisch in der Lage ist“, die Aufgaben zu leisten. „Das ist ein ganzer Katalog an Voraussetzungen.“ Wenn diese erfüllt sind, sei der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Heißt: Knettenbrech + Gurdulic war billiger als der WBL.
Tonnenanzahl nur Schätzgröße
Grundlage der Ausschreibung ist eine Systemfestlegung, die laut Keiser zusammen mit der Stadt erarbeitet werde. Darin steht unter anderem, dass in Ludwigshafen rund 25.600 Gelbe Tonnen benötigt werden. Es heißt dort aber auch: „Wegen der Umstellung des Systems in diesem Vertragsgebiet fehlen Erfahrungswerte bezüglich der Anzahl der Gelben Tonnen.“ Die angegebene Anzahl sei nur „hochgerechnet“. Knettenbrech hatte im März mitgeteilt, dass zusätzlich 4000 Tonnen nachverteilt worden seien, weil die Werte in der Ausschreibung nicht zum tatsächlichen Bedarf gepasst hätten.
Die Dualen Systeme sind neben der Ausschreibung auch „für die Überwachung der Leistungserbringung verantwortlich“. Also dafür, dass der Vertrag eingehalten und ordentlich ausgeführt wird. Für Sanktionen sieht Keiser im Fall Ludwigshafen aber „keine Rechtsgrundlage“. Knettenbrech sei ein großes mittelständisches Unternehmen und sehr erfahren.
Tonnentausch weiter Thema
Laut Keiser hat sich die am Anfang „holprige“ Situation in Ludwigshafen mittlerweile verbessert. Was derzeit noch in einigen Fällen Thema sei: der Tonnentausch. Auch bei der RHEINPFALZ hatten sich Leser darüber beschwert, eine zu große oder zu kleine Tonne erhalten zu haben. 120, 240 und 360 Liter fassen Gelbe Tonnen mit zwei Rädern. Mit vier Rädern gibt es sie in den Größen 770 und 1100 Liter. Bei dieser Vielfalt dauere es, bis jeder „seine Wunschtonne“ hat, sagt Alexander Keiser.
Von Knettenbrech selbst heißt es, dass sich vor allem der April „schwierig“ gestaltet habe, „da pandemiebedingt viele Mitarbeiter erkrankt oder in Quarantäne waren“. „Damit ging eine schlechte telefonische Erreichbarkeit sowie ein langsameres Abarbeiten unserer Dienste einher“, sagt Mitarbeiterin Nadine Kuhnigk. Aktuell arbeite man „unter Hochdruck die durch den hohen Krankheitsstand noch nicht bearbeiteten Anfragen ab“.