Ludwigshafen
Ärger mit der Gelben Tonne – Was das zuständige Unternehmen sagt
„Seit vergangenem Montag warten wir auf die Entleerung der Gelben Tonne (...). Bis vergangenen Mittwoch konnte man auf der angegebenen Hotline niemand erreichen“, schreibt Barbara Thieme aus Friesenheim. Der Betreiber einer Oggersheimer Tankstelle berichtet am Telefon verzweifelt, dass er schon darüber nachgedacht habe, den Müll einfach auf die Straße zu schmeißen. Hat er natürlich nicht gemacht. Aber auch bei ihm wurde die Tonne nicht geleert, bei der Firma erreicht er niemanden. Der Mann weiß nicht mehr, was er nun tun soll. „Wenn man eine größere Tonne beantragen will, keine Reaktion – das Allerletzte“, schreibt Alexandra Hery aus Ruchheim wütend. Es sind drei von vielen Reaktionen, die seit Jahresanfang die Redaktion erreichen. In einigen Straßen scheint das neue System wiederum reibungslos zu funktionieren.
Firma seit 1. Januar zuständig
Seit dem 1. Januar ist die Firma Knettenbrech + Gurdulic für die Leerung der Gelben Tonnen und die Entsorgung der Gelben Säcke zuständig. Die Entsorgung wird über die Dualen Systeme ausgeschrieben und ist eine privatwirtschaftliche Angelegenheit, wie Peter Nebel, Leiter des Wirtschaftsbetriebs Ludwigshafen (WBL) , erklärt. Die Stadt habe nichts damit zu tun. Die Entsorgung der Leichtstoffverpackungen wird nämlich auch nicht über die städtischen Müllgebühren abgerechnet, sondern bereits beim Kauf der verpackten Produkte mitbezahlt.
Entscheidung im Stadtrat
Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat entschieden, dass in den meisten Stadtteilen künftig Gelbe Tonnen die Säcke ersetzen sollen, also dass es ein neues Sammelsystem gibt. Bei der Entscheidung, wer sich um die Umsetzung kümmert, hätte die Stadt aber kein Mitspracherecht, betont Nebel. Bislang war der WBL für den Verpackungsabfall zuständig. Auch im vergangenen Jahr hatte sich der städtische Eigenbetrieb wieder darum beworben. Die Ausschreibung gewonnen hat dieses Mal aber Knettenbrech + Gurdulic. Das entscheidende Kriterium sei laut Nebel der Preis.
Fehlende Tonnen, falsche Behältergrößen
Wenn also dieser Tage zahlreiche Beschwerden über nicht abgeholte Tonnen und Säcke, fehlende Tonnen oder falsche Behältergrößen bei der Stadt und beim WBL landen, muss Nebel sagen: „Uns sind ein Stück weit die Hände gebunden.“ Er spricht von einer „mit Sicherheit dreistelligen Anzahl“ an Beschwerden und sagt: „Wir sind traurig, dass es nicht so gut läuft und die Bürger so viel Grund zur Beanstandung haben.“ Auch könne er den Frust der Betroffenen verstehen, die sich nicht nur über fehlende Leistung beschweren, sondern auch darüber, mit ihren Anrufen nicht bei Knettenbrech durchzukommen. Peter Nebel erklärt auch, dass die Stadt nun nicht einfach einspringen und stehengebliebene Tonnen leeren könnte. Denn dann würde der Bürger doppelt zahlen: beim Kauf der Produkte schon für die spätere Entsorgung (Duales System) und über die städtischen Müllgebühren.
Trotzdem versuche der WBL zu helfen und mit Knettenbrech in Kontakt zu treten. Zudem suche man derzeit einen Gesprächstermin mit der Firma Zentek in Köln – die auftraggebende Firma des Dualen Systems. „Wir bitten die Dualen Systeme, auf Knettenbrech einzuwirken, diese Missstände abzustellen“, sagt Nebel.
„Kapazitäten erhöht“
Auf die Kritik der Bürger angesprochen, sagt Martin Gutke, Geschäftsführer der Knettenbrech + Gurdulic Rhein-Neckar GmbH aus Mannheim: „Wir haben bereits die Kapazitäten im Abfuhrbetrieb sowie in der Verwaltung deutlich erhöht.“ Er bittet um Verständnis, dass „die vollständige Umstellung noch etwas Zeit in Anspruch nimmt“. In einer Großstadt wie Ludwigshafen sei der Wechsel von Sack auf Tonne und die Änderung des Entsorgers eine Herausforderung. Gemäß Ausschreibung habe man bis Ende Dezember rund 25.600 Gelbe Tonnen in der Stadt verteilt. Mitte und Nord behalten weiterhin die Gelben Säcke. Die sind laut Stadt in den Bürgerbüros Nördliche und Südliche Innenstadt ohne Coupons erhältlich.
Erreichbarkeit eingeschränkt
Die telefonische Erreichbarkeit sei „aktuell aufgrund von erhöhten Anfragen eingeschränkt“, heißt es von Knettenbrech + Gurdulic. Daher sei es derzeit besser, sich per E-Mail zu melden. „Wir werden alle Anfragen zeitnah bearbeiten.“ Was den Rückstand bei der Abfuhr betrifft, verweist Geschäftsführer Gutke auf zusätzliche Abfallmengen. „Obwohl wir die Feiertage im Abfuhrrhythmus berücksichtigt haben, ist die Menge mit dem bestehenden Lockdown nochmals gestiegen, sodass wir teilweise 20 Säcke neben den Tonnen zusätzlich laden müssen“, sagt er. Dies führe zu verlängerten Abfuhrzeiten. Man versuche, den Abfuhrrhythmus schnell aufzuholen.
Tonnen nachbestellt
Zu fehlenden Gelben Tonnen sagt Gutke, dass es eine deutliche Abweichung zwischen der Ausschreibung und der tatsächlich benötigten Menge gebe. Es seien bereits Tonnen nachbestellt worden. Bis Ende Februar solle die Auslieferung „großteils abgeschlossen sein“. Bis dahin werden stadtweit auch noch parallel Gelbe Säcke abgeholt. Auch für die Abholung der Gelben Säcke in Speyer ist Knettenbrech + Gurdulic seit dem 1. Januar zuständig. RHEINPFALZ-Informationen zufolge soll es auch dort Beschwerden geben.
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