Landau
Was ist, wenn ich an Weihnachten krank werde?
Im neuen Jahr wird alles anders. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat drastische Einschnitte bei ihren Bereitschaftsdienstzentralen angekündigt. Der Grund dafür ist ein Urteil des Bundessozialgerichts zur Scheinselbständigkeit beziehungsweise Sozialversicherungspflicht sogenannter Poolärzte. Das sind Mediziner ohne eigene Praxis. Doch Probleme, die Bereitschaftspraxen zu besetzen, gab es auch zuvor schon immer mal wieder. Immerhin bleibt diese Anlaufstelle in Landau erhalten, während diese Notdienste andernorts sogar komplett geschlossen werden.
In der KV, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, sind alle niedergelassenen Ärzte zusammengeschlossen. Die Länder-KVen und die kassenärztliche Bundesvereinigung haben eine flächendeckende ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten zu organisieren – auch außerhalb der Öffnungszeiten der normalen Praxen.
Wie ist der Bereitschaftsdienst besetzt?
Das drastisch reduzierte Angebot soll sich an Weihnachten, „zwischen den Jahren“ sowie an Neujahr noch nicht bemerkbar machen. Im Gegenteil, so die KV in Mainz: In dieser Zeit würden die Ärztlichen Bereitschaftspraxen erweitert und die Besetzung mit Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinischen Fachangestellten verstärkt. Laut KV werden an den Feiertagen „bis zu drei“ Ärzte in Landau Dienst tun, an normalen Werktagen – Mittwoch, 27. Dezember bis Freitag, 29. Dezember, – werden es zwei sein. In der Bereitschaftsdienstzentrale, die sich im Vinzentius-Krankenhaus befindet, mit diesem aber nichts zu tun hat, stehen vier Behandlungszimmer zur Verfügung. Vor Ostern hatte die KV erklärt, alle Behandlungszimmer zu besetzen. Sie mahnt jedoch, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst kein Ersatz für die reguläre Versorgung sei. Anders ausgedrückt: dass ein Hausarzt unverzichtbar sei.
Wie sind die Öffnungszeiten?
Zu den genauen Öffnungszeiten der Landauer und benachbarter Bereitschaftsdienstzentralen hat die KV noch keine Angaben gemacht. Sie will diese unter www.116117.de veröffentlichen. Dabei handelt es sich um ein Online-Portal, auf dem man die nächstgelegenen Bereitschaftspraxen suchen kann, also beispielsweise Landau, Neustadt, Speyer, Germersheim oder Kandel, und dann deren Öffnungszeiten abfragen kann.
Wie findet man rasch Hilfe?
Grundsätzlich rät die KV, zunächst bei der Hotline 116117 anzurufen. Der Patientenservice ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar – wenn auch oft überlastet. Laut KV sind die besten Zeiten, um schnell durchzukommen, vor 8 Uhr morgens und wieder ab 14 Uhr.
Wiederholt sich das Chaos vom Vorjahr?
Die KV zeigt sich zuversichtlich, dass Patienten „eine zufriedenstellende Situation vorfinden werden“, doch Wartezeiten würden sich nicht vermeiden lassen. Aussagen zur derzeitigen Belastung des Gesundheitssystems durch Corona, Grippe und Erkältungskrankheiten will die KV nicht machen. Anders als der Vorsitzende des Ärztenetzwerks Südpfalz-Docs, Jonas Hofmann-Eifler, der berichtet, dass es beispielsweise in Germersheim ganz schwierig geworden sei, überhaupt noch eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, der eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber ausstellen könne. „Wenn diese Leute in der Bereitschaftspraxis Schlange stehen, hat die ein Problem.“
Wie könnte man den Bereitschaftsdienst entlasten?
Nach den Problemen im vergangenen Jahr hatte Hofmann-Eifler für die Südpfalz-Docs auch zusätzliche Entlastungsmöglichkeiten der Bereitschaftsdienstzentralen durch Telesprechstunden vorgeschlagen. Dazu erklärt die KV, dass dieses Format derzeit noch erprobt werde. Andere Länder sind weiter. Hofmann-Eifler verweist auf eine „coole Initiative“ in Baden-Württemberg, wo viele Leistungen, darunter auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, per Videosprechstunde angeboten werden dürfen, und auf eine gut angenommene Videosprechstunde der Kinderärzte in Nordrhein-Westfalen, die abends bis 21 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen auch zwischen 10 und 18 Uhr angeboten wird. „Man muss das Rad nicht neu erfinden. Man kann ein solches etabliertes Projekt übernehmen“, sagt Hofmann-Eifler. Er wisse von vielen jungen Ärztinnen und Ärzten, die solche Angebote gerne anbieten und damit die Bereitschaftsdienste entlasten würden. Offenbar tut sich auf diesem Feld etwas. Hofmann-Eifler berichtet erfreut, dass die KV für Januar zu einem Gespräch nach Mainz eingeladen habe.
Was tue ich bei plötzlicher Erkrankung?
Unterm Strich bleibt es laut KV zum Jahresende also bei einem aus drei Säulen bestehenden Bereitschaftsdienst: den Bereitschaftsdienstpraxen oder -zentralen als direkten Anlaufstellen für Patienten, der rund um die Uhr erreichbaren Telefon-Hotline 116117 und dem Hausbesuchsdienst. Patienten, die die 116117 anrufen, würden durch qualifiziertes Personal medizinisch ersteingeschätzt. Wenn erforderlich, finde eine telefonische ärztliche Beratung statt. Der Arzt entscheide dann, ob ein Hausbesuch nötig ist – beispielsweise bei nicht mobilen Menschen. Bei lebensgefährlichen Beschwerden sollten Patienten die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen oder den Rettungsdienst unter 112 alarmieren.
Sind auch Praxen geöffnet?
Zu der unzufriedenstellenden Situation vor einem Jahr hatte beigetragen, dass die allermeisten Praxen zwischen den Feiertagen geschlossen blieben. Dies hatte auch die KV selbst seinerzeit kritisiert. Sie erklärt jetzt, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zwischen den Jahren und an Brückentagen eine kollegiale Vertretung angeben und nicht ausschließlich auf den Ärztlichen Bereitschaftsdienst verweisen sollten.
Das könnte funktionieren. Hofmann-Eifler sagt: „Ganz viele Praxen werden offen sein.“ Sie hätten sich untereinander abgesprochen und würden sich gegenseitig vertreten, zumindest von 8 bis 12 Uhr. Allerdings: Dieses Angebot werde nicht offensiv beworben. Die eigenen Patienten seien über Aushänge informiert, auf den jeweiligen Homepages werde das aber nicht in jedem Fall zu erkennen sein. Der Grund ist klar: Die Praxen haben Sorgen, ansonsten von vielen ihnen unbekannten Patienten überrannt zu werden.
Was können Patienten selbst tun?
Die Lage verschärft hatten vor einem Jahr möglicherweise auch Patienten, die wegen Lappalien den Bereitschaftsdienst aufgesucht hatten. Hier rät die KV, dass beispielsweise chronisch Kranke sich ihre Rezepte rechtzeitig besorgen oder ihre Krankmeldung auch vorab verlängern lassen könnten. Vor allem aber sollten Erkrankte den Patientenservice 116117 nutzen: „Das ist die erste und richtige Anlaufstelle für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst.“
Info
Wer außerhalb der Öffnungszeiten krank wird, kann die kostenlose Hotline 116117 anrufen oder sich unter www.116117.de informieren. Bei möglicherweise lebensbedrohlichen Erkrankungen ist der Notruf 112 zu wählen.