Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Was bei einem positiven Corona-Test zu tun ist

Schlange vor dem Corona-Testzentrum in der Landauer Festhalle. „Manchmal trifft sich die ganze Klasse dort wieder“, erzählt eine
Schlange vor dem Corona-Testzentrum in der Landauer Festhalle. »Manchmal trifft sich die ganze Klasse dort wieder«, erzählt eine Mutter. Schüler und Kleine aus der Kita hält das Gesundheitsamt zu PCR-Tests an, wenn es einen positiven Test in der Einrichtung gibt.

In Arztpraxen herrscht Hochbetrieb. Das Gesundheitsamt hat einen Hilferuf abgesetzt. Die Diagnosestation der Stadt Landau und des Kreises SÜW ist nur noch eingeschränkt in Betrieb. Was also mache ich, wenn mein Corona-Selbsttest positiv ist? Beginnt dann ein Spießrutenlauf?

Die 52-jährige Landauerin ist außer sich. Die Corona-Diagnosestation von Stadt und Kreis Südliche Weinstraße in den Grabengräben in Landau für das Gros der Bürger zu schließen, ist für sie eine völlig unsinnige Entscheidung in dieser Zeit, beschwert sie sich bei der Redaktion. Sie hat sich mit Covid-19 infiziert, wenige Tage vor dem Termin für die dritte Impfung.

Als einer der täglichen Selbsttests plötzlich positiv war, konnte sie den Vorteil noch in Anspruch nehmen, den Drive-in der Diagnosestation zu nutzen. Im Auto sitzend, wurde bei ihr der Abstrich für den PCR-Test gemacht, während ihr ein Kälteschauer nach dem anderen über den Körper lief. Ihr Mann, der sich kurz danach ansteckte, hatte das Pech, dass die Station nur noch Leuten vorbehalten ist, die das Gesundheitsamt schickt. Ärztliche Überweisungen gelten dort nichts mehr.

„Kranke gehören nicht auf die Straße“

Der Mann wendete sich an seinen Hausarzt, der eine Überweisung ausstellte, und suchte einen Mediziner, der den PCR-Test vornahm. Andere reihen sich in die Schlange vor dem Testzentrum der DLRG an der Festhalle Landau ein. „Wenn ich krank bin, gehöre ich nicht auf die Straße oder gar in ein Wartezimmer“, schimpft die Frau. Sie fürchtet: „Leute im Kalten stehen zu lassen, ist der beste Weg, schwere Verläufe zu generieren.“

Wir sind zwar seit zwei Jahren mit Corona konfrontiert, doch nur die Wenigsten können vermutlich aus dem Effeff sagen, was nach einem positiven Selbsttest zu tun ist. Zumal die Regeln im Laufe der Pandemie auch verändert worden sind. Viele Bürger beginnen erst mit der Recherche, was zu tun ist, wenn sie selbst betroffen sind. Und viele sind zunächst einmal verunsichert.

Das Gesundheitsamt bei der Kreisverwaltung SÜW in Landau hat Anfang Dezember SOS gefunkt, weil es die Fülle der Anfragen nicht mehr bewältigt und keine Kapazitäten mehr für die Nachverfolgung bei Corona-Erkrankungen hat. Die Leute sollten auch nicht mehr im Gesundheitsamt anrufen, hieß es. Die Kreisverwaltung verweist darauf, dass der Abstrich bei Patienten mit Symptomen grundsätzlich Teil der Krankenbehandlung ist und als solche Sache der Kassenärztlichen Vereinigung ist. „Ärzte sind damit prinzipiell gesetzlich verpflichtet, eine Behandlung durchzuführen“, unterstreicht die Sprecherin des Kreises, Marina Mandery. Dies gelte auch für Patienten, die (möglicherweise) an Corona erkrankt sind. Das Diagnosezentrum habe die PCR-Tests zur Entlastung der Ärzte angeboten.

Im September nur ein Abstrich

Doch nicht jeder niedergelassene Arzt bietet das an. Albrecht Diehl, zweiter Vorsitzender der Kreisärzteschaft Landau-SÜW und Hausarzt in Ilbesheim, bedauert das. Er verweist allerdings auch darauf, dass es nicht so ohne sei, potenziell Infizierte durch die Praxis zu schleusen.

Diehl hat schon in der ersten Welle Verdachtsfälle in einem Container vor seiner Praxis untersucht. Den habe er im September eigentlich abbauen wollen, weil die Nachfrage verebbt sei. Im September habe er genau einen Abstrich vorgenommen. „Es ist schwierig, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, wenn keiner kommt.“ Doch in den letzten vier Wochen registriert auch er einen rasanten Anstieg an Verdachtsfällen.

Eine wichtige Anlaufstelle in Landau ist das Testzentrum der DLRG in der Landauer Festhalle. Der Verein hat inzwischen eine virtuelle Warteschlange eingeführt. „Das ist wie an der Wursttheke“, sagt Vorsitzender Simon Nichterlein. Für einen PCR-Test montags bis freitags zwischen 17 und 20 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 9 und 13 Uhr kann man sich eine Stunde vor Öffnung im Internet unter www.landau.dlrg.de, Stichwort Corona-Zentrum, anmelden und eine Nummer „ziehen“. Das geht vor Ort am Monitor oder per Handy und kann auch zu Hause auf dem Sofa erledigt werden. Wer nicht vor der Festhalle stehen möchte, wartet im Auto oder kommt erst kurz vor dem Test. PCR-Tests sind unter der Woche auch von 9 bis 12 Uhr möglich, dann aber ohne Voranmeldung.

150 PCR-Tests am Tag

Laut Nichterlein können fürs Gesundheitsamt 450 bis 600 PCR-Tests in der Woche gemacht werden. Es kommen allerdings derzeit wenige. Aktuell hat der DLRG-Chef 250 bis 300 Tests und 150 PCR-Tests in der Tagesbilanz stehen. „Im November hatten wir 1000 Positive.“

Ist der PCR-Test nur mit ärztlicher Überweisung kostenfrei? Simon Nichterlein gibt zwei wichtige Hinweise. Zum einen bietet er einen kostenfreien PCR-Test an, wenn der Selbsttest positiv und so schnell keine ärztliche Überweisung zur Hand ist. „Dann den Test bitte in eine Tüte packen und mitbringen.“ Zum anderen werden diese Tests auch für Angehörige gemacht, wenn der Partner nachweislich an Covid-19 erkrankt ist und glaubhaft nachgewiesen werden kann, dass das Paar zusammenlebt. „Der Test darf nicht zu früh sein, am besten erst fünf Tage nach dem letzten Kontakt, weil sonst die Virenlast nicht nachweisbar ist.“ Der Kranke soll sich in der Wohnung in ein Zimmer zurückziehen.

Die DLRG macht immer mit dem PCR-Test, dessen Ergebnis ja erst nach 48 Stunden bekannt ist, auch einen Schnelltest, damit der Betroffene mehr Sicherheit hat. 75 Prozent der PCR-Getesteten sind laut Nichterlein auch Schnelltest-positiv. Das restliche Viertel seien Kontaktpersonen, die noch oder schon wieder eine niedrige Virenlast hätten und daher nicht so infektiös seien.

Info

  • Die Kreisverwaltung verweist auf eine Übersicht der Teststellen, inklusive der PCR-Testangebote, im Internet unter dem Kurz-Link https://bit.ly/32aLyyM
  • Auf dieser Seite der Landesregierung können über ein Suchfeld die Möglichkeiten in der gewünschten Region aufgerufen und im Feld „Leistungen“ PCR-Tests als Filter eingegeben werden.
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