Landau / SÜW
Landauer Gesundheitsamt funkt SOS
Wenn Dietmar Seefeldt durch das Gesundheitsamt geht, blickt er in müde Gesichter. Bei einer Sitzung vor Kurzem „hat Herr Seidel richtig fertig ausgesehen.“ Die Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze. Das berichtet der Landrat des Kreises Südliche Weinstraße. Gleichzeitig häufen sich Beschwerden beim Gesundheitsamt – oder Menschen beschweren sich über das Amt. Man werde nicht mehr angerufen, wenn man einen positiven Test hat, es flössen nicht genügend Informationen – und Dokumente kämen zu spät, lauten die Vorwürfe. Nun erklären die Verantwortlichen, was im Amt los ist.
Hauptgrund für die Überlastung des Amts sind die Fallzahlen, sagt der kommissarische Leiter Dominik Siegler. Er erinnert an Aussagen aus dem Frühjahr 2020. Damals galt eine Inzidenz von 50 als Schwellenwert, ab dem das Amt die Kontaktnachverfolgung nicht mehr stemmen könne. Heute liegt die Inzidenz in der Regel deutlich über 300. In absoluten Zahlen: Im Jahr 2020 gab es 2250 Corona-Fälle. Die gibt es derzeit in rund drei Wochen.
10.000 Menschen anrufen – nicht machbar
Also wird priorisiert – die vulnerablen Gruppen werden informiert. Auch deshalb hat das Amt bereits vor Wochen gesetzeskonform die Bevölkerung dazu verpflichtet, die Kontakte schnellstmöglich zu informieren. Im Gegensatz zu anderen Zeiten, als noch Kontaktbeschränkungen galten, haben die Leute derzeit auch deutlich mehr Kontakte, merkt Tobias Grüßert, Verwaltungschef des Gesundheitsamts, an. Bei 2000 Fällen mit fünf engen Kontakten pro Person müsste das Amt 10.000 Menschen anrufen. Das ist nicht machbar.
Insgesamt sind im Gesundheitsamt Stand 1. Dezember 61 Menschen tätig – von Fallerfassung bis zum Entlassmanagement. Die jüngst abkommandierten zehn Bundeswehr-Soldaten sind da bereits eingerechnet. Wollte man jeden anrufen, brauche man noch eine hohe zweistellige Zahl an weiteren Mitarbeitern, ergänzt Siegler. Vier bis sechs Sachbearbeiter, je nach Fallzahl, sind mit den Senioren- und Pflegeheimen beschäftigt, dazu kommen je zwei Sachbearbeiter für Schulen und Kitas. Was diese Menschen auch tun: Fragen beantworten. Und es wäre schön, wenn gewisse Fragen nicht mehr gestellt werden, sagt Grüßert.
Die Bitte: Antworten selbst suchen
Darunter: „Ich habe einen positiven PCR-Test, was soll ich tun?“ Nach rund zwei Jahren Pandemie müsste dies bekannt sein, sagt der Verwaltungschef. Das Wichtigste: daheim bleiben, isolieren. Die meisten Fragen werden auf den Internetseiten der Landesregierung oder des Gesundheitsamts beantwortet. Schwerer zu beantworten seien E-Mails mit einer Anrufbitte – ohne Nachname oder Telefonnummer, ergänzt Grüßerts Stellvertreter Manuel Seibel, der weitere unnötige E-Mails ans Amt im Gepäck hat.
Da ist der Schüler, der dem Amt eine Abhandlung geschickt hat, was er an den Corona-Regelungen für unsinnig hält. Die Regeln macht die Landesregierung, sagt Seibel. Die Landauer setzen um – sie sind das untere Ende der Kette. Im Amt müssen seitenlange Abhandlungen aber gelesen werden, da möglich ist, dass etwas drinsteckt, das bearbeitet werden muss. Klar, sagen die Beteiligten, bei berechtigten Fragen könne man sich gerne an das Amt wenden. Aber: Bevor man das Amt anspricht, würde er sich sehr freuen, wenn die Leute schauen, ob sie die Antwort selbst finden, bittet Landrat Seefeldt. Und den Frust nicht an den überlasteten Mitarbeitern auslassen. „Ich bin in Sorge, dass die Gesellschaft so viel streitet“, sagt Seefeldt. Er wünsche sich mehr Solidarität der Menschen mit ihren Mitmenschen.
Fragen zu Corona?
Fragen, Antworten und Verhaltensregeln sind im Netz unter corona.rlp.de gelistet.
