Landau Stadt lässt Turmhelm vergammeln

Die Städtische Höhere Töchterschule, das spätere Max-Slevogt-Gymnasium.
Die Städtische Höhere Töchterschule, das spätere Max-Slevogt-Gymnasium.

Landau feiert Stadtgeburtstag, aber es kümmert sich nicht genug um seine Denkmäler. Das bedauert der Historiker Harald Bruckert und macht seine Kritik an Beispielen fest.

Wer in diesen Tagen einen Spaziergang durch Landau unternimmt, das in diesem Jahr seine Erhebung zur Stadt vor 750 Jahren feiert, der kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die baulichen Zeugnisse der Geschichte den heute Verantwortlichen nicht besonders wichtig sind. Wie sonst lässt sich erklären, dass das Sandsteinkreuz kurz hinter dem Eingang zum Friedhof, dessen rechter Arm schon vor einigen Jahren abgebrochen ist, immer noch nicht wiederhergestellt werden konnte? Für den Friedhofsbesucher ein Anblick von traurigem Symbolgehalt.

Der stattliche Bau war ursprünglich als Weisenhaus errichtet worden. Foto um 1900/10.
Der stattliche Bau war ursprünglich als Weisenhaus errichtet worden. Foto um 1900/10.

Schlecht steht es auch um den Altbau des Max-Slevogt-Gymnasiums, der eigentlich zu den schönsten Gebäuden im Nordring zählt. Das schmucke Türmchen, das die Fassade krönte und das lange nicht aus dem Stadtbild wegzudenken war, modert seit Jahren auf dem Schulhof vor sich hin, notdürftig von einer Plane abgedeckt. Der Turmhelm war im Herbst 2019 mit einem Kran abgenommen worden, weil ihm Schädlingsbefall zugesetzt hatte. Die Stadt hatte eine Restaurierung versprochen.

Ein Bild aus besseren Tagen: Besuch des bayerischen Königs Ludwig III. in Landau, 1913. Im Hintergrund das heutige MSG. Im Bild
Ein Bild aus besseren Tagen: Besuch des bayerischen Königs Ludwig III. in Landau, 1913. Im Hintergrund das heutige MSG. Im Bild ganz links oben das jetzt fehlende schmucke Türmchen.

Der Ist-Zustand ist umso bedauerlicher, als 2024 auch für das MSG ein Jubiläumsjahr ist, denn 1874, also vor jetzt 150 Jahren, wurde die „Städtische Höhere Töchterschule“, die Vorgängerin des heutigen Gymnasiums, gegründet. Untergebracht war sie zunächst im Haus Königstraße 23. Im Jahr 1888 zog die Töchterschule dann in das Gebäude am Nordring um, das ein Jahr zuvor als städtisches Waisenhaus errichtet worden war. Sein Stifter war, nebenbei bemerkt, der ehemalige Bürgermeister Johann Lang, dessen Denkmal, eine Bronzebüste mit Granitsockel, heute etwas deplatziert in der Pestalozzistraße steht. Der an der Hindenburgstraße gelegene Flügel des späteren MSG wurde 1909 angefügt, 1967 kam der in Richtung Zoo gelegene Neubau hinzu. Max-Slevogt-Gymnasium heißt die Schule seit 1975.

Kopflos: Dem nur provisorisch bedachten Türmchen fehlt seit Jahren der Helm.
Kopflos: Dem nur provisorisch bedachten Türmchen fehlt seit Jahren der Helm.

Wäre es nicht schön gewesen, der Öffentlichkeit zum Jubiläumsjahr der Schule das restaurierte Türmchen an seinem angestammten Platz zu präsentieren? Als Landauer und als ehemaliger Schüler des Max-Slevogt-Gymnasiums hoffe ich, dass wenigstens im Nachgang die notwendigen Schritte eingeleitet werden, bevor das Türmchen auf dem Schulhof endgültig zum Entsorgungsfall wird.

Der einst stolze Dachaufsatz steht, zerlegt in zwei Teile, in der Grünanlage der Schule.
Der einst stolze Dachaufsatz steht, zerlegt in zwei Teile, in der Grünanlage der Schule.
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