Südpfalz
Solarpflicht für Parkplätze: Warum kaum einer freiwillig mitmacht
Fotovoltaik-Freiflächenanlagen sind in aller Munde. Landauf, landab suchen Gemeinden auf ihrer Gemarkung nach geeigneten Flächen. Oft fällt die Wahl auf landwirtschaftliche Flächen. Sehr zum Ärger der Bauern. Die finden, man solle doch erst einmal die Möglichkeiten auf bebauten Flächen ausschöpfen. Dächer mit Solarpaneelen zu bestücken, ist ein alter Hut. Aber es gibt noch eine andere Flächenressource mit großem Potenzial, die bislang aber weitgehend ungenutzt geblieben ist. Damit sich das ändert, hat das Land Rheinland-Pfalz die Daumenschrauben angezogen und das Landessolargesetz geändert.
Seit Anfang des Jahres sind Fotovoltaikanlagen über gewerblich genutzten Parkplätzen ab 50 Stellplätzen Pflicht. Es gibt ein paar Ausnahmen, so gilt die Regel nicht für Stellplätze, die direkt an einer Straße liegen. Und: Die Vorgabe gilt nur für Neubauten, nicht für Bestandsparkflächen. Neubauten, die vorab beantragt wurden, fallen auch nicht unter die Neuregelung. Wie gehen Gewerbetreibende in der Südpfalz mit der Solarpflicht um? Sind bei neuen Supermärkten Solar-Carports in Planung oder ziehen die Betreiber gar von sich aus auf Bestandsflächen mit? Auf Nachfrage der RHEINPFALZ geben sich die Einzelhändler in der Region äußerst wortkarg. Hat man mit dem Thema in ein Wespennest gestoßen? Denn so naheliegend diese grüne Energiequelle scheinen mag, es gibt ein großes Hindernis bei der Umsetzung.
Michelin macht’s vor
Sonnenenergie nutzende Überdachungen von Parkplätzen sucht man an der Südlichen Weinstraße bisher vergebens. Wer wissen will, wie es aussehen könnte, kann einen Blick gen Norden werfen. In Bad Kreuznach hat der Reifenhersteller Michelin bereits knapp 124.000 Quadratmeter seiner Werkdächer und Parkflächen mit Fotovoltaikanlagen bestückt und will bis Mitte dieses Jahres noch mal die Hälfte aufsatteln. Allein 4900 Quadratmeter werden auf dem Mitarbeiterparkplatz hinzukommen. Durch verschiedene Energie- und Umweltprojekte soll die Reifenfertigung bis 2050 klimaneutral sein, wie das Unternehmen ankündigt. Einen wesentlichen Beitrag dazu werden auch die Solarmodule leisten, die dann insgesamt so viel Sonnenstrom erzeugen werden wie der durchschnittliche Jahresenergiebedarf von 2800 Vier-Personen-Haushalten.
Bei den großen Supermärkten in der Region scheint das Thema allerdings noch nicht so angekommen. Aldi will in Landau den schon länger angekündigten Abriss und Neubau der Filiale in der Annweilerstraße angehen. Eine Parkplatzüberdachung ist in dem Zuge aber nicht geplant, wie Unternehmenssprecherin Regina Tran Van mitteilt. „Selbstverständlich wird sich Aldi Süd an geltendes Recht halten und bei einer entsprechenden gesetzlichen Verpflichtung Parkplätze überdachen“, erklärt sie. Doch wo keine Pflicht etwa wegen des Bestandschutzes, da keine Willigkeit. Aldi setze vielmehr auf Solaranlagen auf den Dächern. 13 Filialen in der Südpfalz seien schon damit ausgestattet.
Supermarktketten gehen auf Tauchstation
Während sich Aldi zumindest noch erklärt, gehen die anderen von uns angefragten Einzelhändler bei dem Thema auf Tauchstation. Der Discounter Lidl, der in Edenkoben ebenfalls einen Abriss und Neubau plant, vertröstet mehrfach mit dem Hinweis darauf, dass die Daten noch zusammengestellt werden müssen, und reagiert schlussendlich gar nicht mehr. Von Wasgau kommt keine Stellungnahme, weil die „Daten innerhalb des Unternehmens noch nicht komplett aggregiert“ seien. Und die Landauer Kissel-Gruppe, die unter anderem die SBK-Märkte betreibt, will auf RHEINPFALZ-Anfrage zu dem Thema gar keinen Kommentar abgeben.
Was steckt hinter der Einsilbigkeit? Bieten doch Solaranlagen über Parkplätzen neben der regenerativen Energiegewinnung noch ein paar andere Vorteile. Die Solarmodule spenden den Autofahrern Schatten oder Schutz vor Regen und Schnee. Gerade wenn man den Wocheneinkauf in den Kofferraum hievt, kommt das zupass. Das abgelaufene Regenwasser der schrägstehenden Module könnte zudem aufgefangen und zur Bewässerung im Umfeld genutzt werden, wie der BUND-Landesverband Vorzüge aufzählt. Und in Kombination mit Ladestationen für E-Autos würden die Anlagen gar zu kleinen Mobilitätskraftwerken.
Solarparkplatz am Kreishaus
Doch es gibt zwei Punkte, die zum Hindernis werden: der Aufwand und die Kosten. Bautechnisch sind die großen Anlagen knifflig, deswegen oft doppelt so teuer wie ihre Dach-Äquivalente. Für Fotovoltaikanlagen auf Bestandsparkplätzen müssten umfangreiche Tiefbauarbeiten vorgenommen, massive Unterkonstruktionen geschaffen und viele weitere Aspekte berücksichtigt werden, wie Jochen Braun, Mitglied der Geschäftsleitung bei Hornbach, ausführt. Deswegen setzt der Baumarkt-Konzern mit Sitz in Bornheim erst einmal auf die Ausstattung der Dächer mit Solarmodulen. Über zehn Millionen Euro seien in den vergangenen drei Jahren in die Energieeffizienz der Märkte investiert worden. Nun solle in diesem Jahr die Umrüstung von zehn Märkten auf Fotovoltaik starten – darunter auch Bornheim. Auf den Gebäuden, nicht den Parkplätzen: „Wir fokussieren uns auf das kurzfristig Machbare, das bedeutet, vorhandene Dachflächen sinnvoll zu nutzen“, so Braun.
Mit grünem Beispiel voran geht in der Sache wohl einzig die Kreisverwaltung. Aber auch dort ist die Kostenfrage ein Thema. Die Südliche Weinstraße möchte in Sachen Klimaschutz auf die Tube drücken. Mehr als 50 Projekte hat er dafür auf dem Zettel, unter anderem eine Fotovoltaikanlage über dem Parkplatz des Kreishauses, die zum Leuchtturmprojekt werden soll. Aktuell sei das Projekt noch in Planung, berichtet Kreissprecherin Marina Mandery, weswegen sie noch keine genauen Angaben machen könne. „Unser Klimaschutzmanager hat eine bestimmte Größe und die voraussichtliche Leistung berechnet. Architekt und Elektroplaner können abhängig von den verfügbaren Modulen, der Ausrichtung und Ausgestaltung noch zu anderen Ergebnissen kommen.“
Aufwand und Kosten als Hindernis
Dem Kreis ist bewusst, dass Parkplatz-Anlagen „grundsätzlich deutlich teurer“ als Freiflächen- oder Dachanlagen seien. Auch im Kreishaus-Fall gilt: Die Aufständerung werde mindestens zwei Drittel der gesamten Projektkosten ausmachen. Die Amortisierungszeit sei deswegen länger. „Gleichzeitig ist bei der Frage, wann sich eine Anlage rechnet, natürlich auch miteinzubeziehen, dass sich Gebäude oder Parkplätze üblicherweise ja überhaupt nicht amortisieren, sondern nur Energie binden beziehungsweise Flächen mehr oder weniger verbrauchen“, gibt Mandery zu bedenken. Parkplatz-Fotovoltaikanlagen hingegen versorgten ihre Umgebung mit klimaneutraler, günstiger Energie.