Wissembourg
Patisserie Rebert: Wer nun im Schoko-Reich regiert
Wohin man auch schaut: Macarons, Vanille-Eclairs, Pralinen, Erdbeer-Tartelettes, Gugelhupf, Törtchen und, und, und. Mehr als 40 Jahre herrschte hier Daniel Rebert, der zu den Top-50-Chocolatiers in ganz Frankreich zählte. Auch in der nahen Südpfalz hatte der Meister des Genusses zahlreiche Fans. Was jedoch viele nicht wissen: Vor einiger Zeit ging der Elsässer in den Ruhestand.
Verkauft hat er sein Schoko-Reich an Isabelle Gauguet, ihren Gatten Zouhaire Sekkat und Sohn Lucas Sekkat. Die Familie lebte unter anderem in Paris, Brüssel, Amsterdam und dem frankophonen, kanadischen Montreal. Isabelle Gauguet arbeitete für große US-Firmen wie Amazon oder Uber. Ihr Mann war als Mathematiker für Microsoft tätig.
Der erste Gedanke – was haben polyglotte IT-Profis mit elsässischer Patisserie am Hut? Die Erklärung folgt auf dem Fuß. „Ich stamme ursprünglich aus Wissembourg und bin hier aufgewachsen. Meine Mutter war Stammkundin bei Rebert. Jeden Morgen kam sie hierher zum Frühstück“, erinnert sich die weitgereiste Französin. Zu ihrem Ruhestand zog es sie zurück zu ihren Wurzeln. Es sei Zeit gewesen, etwas zurückzugeben.
15 Tonnen Schokolade pro Jahr
Gauguet arbeitete zunächst ehrenamtlich für das Rathaus in Wissembourg, betreute Business-Projekte. Als sich die Gelegenheit mit der weit über das Elsass hinaus bekannten Patisserie ergab, war sie sich mit ihrem Mann schnell einig. Ihr Sohn Lucas, der zuvor Finanzen studierte, war ebenfalls Feuer und Flamme. Er machte eine Ausbildung zum Patissier in der Nähe der Bugatti-Stadt Molsheim. 37 Angestellte haben die neuen Betreiber übernommen. „Es war uns wichtig, dass wir das Team zusammenhalten. Es greift ein Rädchen ins andere. Die Kunden bekommen genau die Qualität, die sie von Rebert erwarten. Alles bleibt, wie es war“, sagt Zouhaire Sekkat. Es sei sogar noch ein Geselle an Bord, der vor 40 Jahren hier begann.
Rund 15 Tonnen Schokolade verarbeitet die Chocolaterie pro Jahr. Der Großteil des Kakaos stammt aus der Dominikanischen Republik, aber auch aus Madagaskar, Mexiko oder der Elfenbeinküste. Mit Neuerungen sei man vorsichtig. Man arbeite ganz bewusst mit den alten Rezepten des Hauses. Alles ist fait maison – hausgemacht. „Wir versuchen, den Zucker etwas zu reduzieren. Damit hatte schon Daniel Rebert begonnen. Neu im Sortiment ist die Dubai-Schokolade. Aber grundsätzlich halten wir an den Traditionen des Hauses fest“, berichtet der 30-jährige Lucas, der im Familienbetrieb für die Produktion zuständig ist. Seine Mutter kümmert sich um die Kundenkontakte und sein Vater ist als Mathematiker für die Finanzen zuständig.
Expansion Richtung Pfalz?
Unabhängig von der Jahreszeit – die Konditorei mit Salon de Thé ist stets hochfrequentiert in dem pittoresken Touristenstädtchen. „Rund 70 Prozent unserer Kunden kommen aus Deutschland. Das Gros davon aus der Pfalz“, weiß der Patron. Das Unternehmer-Trio denkt nun darüber nach, Filialen in Landau, Bad Dürkheim oder auch in Baden-Baden und Karlsruhe zu etablieren. Mit dem Café Nello in Karlsruhe und dem Café und Concept Store Ocean & Sand in Speyer gibt es bereits zwei Partner auf deutscher Seite, die sich Tartes und Croissants aus Wissembourg anliefern lassen respektive abholen. Auch Tastings finden dort statt. Bei Rebert selbst gibt es beispielsweise auch Back-Workshops oder ein täglich wechselndes Menu du Jour.