Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Missbrauchsskandal: Wetter ist kein Ehrenbürger mehr

Es wird keine schnelle Entscheidung über den Namen des Platzes geben, kündigt die Kirchengemeinde an.
Es wird keine schnelle Entscheidung über den Namen des Platzes geben, kündigt die Kirchengemeinde an.

Das ging recht schnell: Wenige Wochen nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Bistum München und Freising gibt Kardinal Friedrich Wetter seine Ehrenbürgerwürde zurück. Der nach ihm benannte Platz wird weiter seinen Namen tragen – zumindest bis zum nächsten Gutachten.

Knapp drei Wochen nach Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens einer Münchener Anwaltskanzlei zieht Kardinal Friedrich Wetter selbst einen Schlussstrich. Der frühere Erzbischof von München und Freising gibt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Landau zurück. Darüber habe er Oberbürgermeister Thomas Hirsch und die Stadträte informiert, teilt die Stadtverwaltung mit. Wetter wolle nicht, „dass durch die Auseinandersetzungen um meine Person der Friede der Stadt gestört wird“, begründe Wetter seinen Verzicht auf die Ehrenbürgerschaft.

Wie es mit dem nach ihm benannten Platz vor der Landauer Marienkirche weitergeht, ist unklar. Dieser gehöre der Kirchengemeinde – damit gebe es keine Handhabe der Stadt oder der Gremien, betont die Verwaltung. Hirsch empfiehlt dem Stadtrat, abzuwarten, was die Gremien der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt entscheiden. Doch das kann noch eine Weile dauern, kündigt Dekan Axel Brecht an.

Dekan Brecht: „Differenziert schauen“

Er verweist auf die vom Bistum geplante Studie der Unabhängigen Aufklärungskommission, die das Missbrauchsgeschehen im Bistum Speyer untersuchen soll. Wetter leitete von 1968 bis 1982 das Bistum Speyer, danach ging er ins Bistum München und Freising. „Im Licht der Studienergebnisse werden wir dann auch die notwendigen Konsequenzen beraten, vor allem auch im Blick auf Fragen der öffentlichen Erinnerungskultur. Zu dieser Erinnerungskultur zählt auch differenziert auf das zu schauen, was im Leben geglückt oder misslungen ist“, betont Brecht.

Bistum und Pfarrei bekundeten Respekt für die Entscheidung des Kardinals, auf die Ehrenbürgerschaft zu verzichten, um den Frieden in seiner Heimatstadt zu wahren. Man danke ihm „für die Klarheit, die er durch seine Entscheidung geschaffen hat“, erklärt Brecht.

„Selbstreflexion nicht erkennbar“

Wetter wird im Missbrauchsgutachten Fehlverhalten in über 20 Fällen vorgeworfen. „Nennenswerte Aktivitäten des damaligen Erzbischofs Kardinal Wetter in Richtung der Täter sind, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, nicht ersichtlich. Dieser Umstand ist im Fall des damaligen Erzbischofs Kardinal Wetter in einem noch stärkeren Maße als bei seinem Vorgänger, Erzbischof Kardinal Ratzinger, aus Sicht der Gutachter zu kritisieren“, heißt es in dem Gutachten. Ihm werden ein Desinteresse an Personalangelegenheiten vorgeworfen, ein auf Missbrauch bezogenes Problembewusstsein sei „nicht feststellbar“. Ein Austausch mit den Geschädigten hinsichtlich ihrer Belange sei ebenfalls nicht festzustellen. „Dieses Defizit“ wird im Gutachten als „besonders schwerwiegend“ eingestuft, da während Wetters bis 2008 andauernden Amtszeit der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche immer stärker ins Bewusstsein „der allgemeinen und der kirchlichen Öffentlichkeit gelangten“. Wetter, so die Gutachter weiter, mangele es an Einsicht. „Eine auch nur ansatzweise kritische Selbstreflexion des seinerzeitigen Handelns seitens des damaligen Erzbischofs Kardinal Wetter ist jedoch auch heute nicht erkennbar.“

Liebe zu Landau bleibt unberührt

Wetter bestreitet Fehlverhalten seinerseits mit Ausnahme von einem Fall. Da habe er eine Fehlentscheidung getroffen, was ihm von Herzen leid tue. Die Fakten der 21 Fälle belegten „keinesfalls pauschal ein ,Fehlverhalten in 21 Fällen’“, teilte Wetter in einer Stellungnahme Ende Januar mit.

Wetter bleibe der Stadt weiter verbunden, betone er in dem Schreiben an die Stadt, so die Pressestelle. „Meine Liebe zu meiner Heimatstadt und mein Stolz, ein Landauer zu sein, bleiben davon unberührt.“

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