Kommentar
Kardinal gibt Ehrenbürger-Titel zurück: Entscheidung mit Würde
Nach den Vorwürfen im Münchener Missbrauchsgutachten verzichtet Kardinal Friedrich Wetter darauf, Ehrenbürger der Stadt Landau zu sein. Die Entscheidung Wetters ist löblich – so hält er den Schaden für seine Heimatstadt in Grenzen. Denn eine endlose Debatte würde seine Fehler und Versäumnisse wieder und wieder aufwärmen.
Die Frage ist nun, welche Entscheidung die Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt selbst über den Namen ihres Platzes – und damit auch über den Umgang mit dem Kardinal – fällt. Da man den Menschen Wetter dort kennt, wird die Entscheidung keine leichte.
Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Vorwürfe gegen Wetter in Luft auflösen – die Anwälte haben bei dem Gutachten eine beachtenswerte Leistung hingelegt. Die Fehler sind zu klar belegt, die Aussagen des Kardinals wirken teilweise wie hilflose Abwiegelungen eines Mannes, der nicht verstanden hat, was er falsch gemacht hat. Im Prinzip lässt es sich so zusammenfassen: Er hat die Institution Kirche den Schutzbefohlenen vorgezogen.
Um das Andenken an den berühmt gewordenen Landauer angemessen zu wahren, wäre eine bedingungslose Bitte Wetters um Verzeihung für sein Fehlverhalten nützlich. Auch wenn das den Opfern nicht wirklich hilft, wäre es gerade für einen Katholiken eine angemessene Geste. Wenn ein Mensch Reue zeigt, ist Vergeben einfacher.
