Wochenspiegel
Landau geht beim Jugendschutz auf Nummer sicher
Landaus Nachbarstadt Neustadt war kürzlich arg schockiert: Dort war Ende April eine Minderjährige zu Testkäufen losgeschickt worden und aus sechs von sechs Läden mit Alkohol und/oder Tabak wieder herausgekommen. Das sind nach Adam Riese 100 Prozent – eine vernichtende Quote.
Ob Landau wohl Angst vor ähnlichen Erfahrungen hat? Eine geringe Frustrationstoleranz spricht ganz eindeutig dafür, die potenziellen Sünder vorzuwarnen, so wie es die Stadt gerade getan hat. Ein Modell, das unbedingt auch auf andere Lebensbereiche übertragen werden sollte, es ist in unser aller Interesse, Stichwort Zusammenhalt und so.
Verkehrsmoral steigt
Landau will bald selbst blitzen, aber das kommt naturgemäß bei den, sagen wir mal, sportlicheren Autofahrern nicht so gut an, die jetzt schon lauthals Abzocke schreien und scharfsichtig fragen, ob wir denn keine anderen Probleme hätten. Vorschlag zur Güte: Die kommunalen Blitzer werden mit Warnwesten und Blinklichtern ausgestattet und 100 Meter vor der Kontrollstelle wird festlich geflaggt. Zack, Problem gelöst: Die Verkehrsmoral steigt und niemand muss sich mehr aufregen. Man kann sich sogar die teure Technik sparen...
Oder nehmen wir die Parkkontrollen. Was spricht dagegen, ähnlich wie bei der Straßenreinigung, am Vortag Schilder aufzustellen, wenn kontrolliert werden soll? Jede Wette: Dann werden die Parkautomaten viel besser gefüttert. Neudeutsch nennt man das eine Win-win-Situation, also etwas, von dem alle Beteiligten profitieren. Genial für die Stadt: Sie kann dann ab und an sogar mal die Kontrolle ausfallen lassen, wenn die Politessen Schnupfen haben, ohne dass der Stadtsäckel schrumpft.
Handel hat nichts gelernt
Das zerknirschte Neustadt hat seine Jugendschutzkontrollen Anfang Juni wiederholt. Das Ergebnis fiel kaum besser aus: Diesmal bekam die mit minderjährige Testkäuferin an sechs von sieben Stellen Kippen oder Schnaps. Lernerfolg im Handel? Offenbar nahe null.
Diesen Frust muss man sich nicht geben in Landau. Wir schlagen vor, die jungen Testkäufer mit dem Lautsprecherwagen („Achtung, Achtung, Jugendschutz ist ein hohes Gut. Bitte denken Sie die nächste halbe Stunde daran.“) zum Einsatz zu fahren und von heftig zwinkernden Uniformierten des Ordnungsamts in die Läden und Tankstellen begleiten zu lassen. Wär doch gelacht, wenn sich ein solcher Schlendrian wie an der Mittelhaardt nicht verhindern ließe. Landau soll ja schließlich Landau sein, nicht Sodom und Gomorrha.