Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Kirche wird abgerissen - aber noch nicht sofort

Die Kirche St. Albert mit ihrem freistehenden Glockenturm ist baufällig.
Die Kirche St. Albert mit ihrem freistehenden Glockenturm ist baufällig.

Auf der Wollmesheimer Höhe stehen sich zwei Kirchen schräg gegenüber. Eine ist gut im Schuss, die andere marode. Eine ökumenische Lösung bietet sich an, trotzdem gibt es auf komplexe Fragen keine einfachen Antworten. Das neue Stadtviertel Südwest löst keine Probleme.

Die katholische Kirche St. Albert in der Drachenfelsstraße wird mittelfristig höchstwahrscheinlich abgerissen. Das ist eigentlich nicht neu, sorgt aber offenbar gerade wieder für Gesprächsstoff auf der Wollmesheimer Höhe. Die vermeintliche Begründung: Die Kirche wäre ein Kollateralschaden des neuen Stadtviertels Südwest, das in den nächsten Jahren südlich der Wollmesheimer Straße entstehen soll, weil sie für eine Kita-Erweiterung Platz machen müsse. Doch so stimmt das nicht.

Dekan Axel Brecht ist Hausherr der Kirche, die bei rund 1570 Katholiken auf der WoHö Platz für 450 Gläubige bietet: Die einstmals eigenständige Gemeinde gehört zur 2015 gebildeten Großpfarrei Mariä Himmelfahrt, die im Rahmen der Pastoral- und Strukturreform „Gemeindepastoral 2015“ der Diözese Speyer gebildet worden ist. Zu einer solchen Strukturreform gehört neben vielem anderen auch eine detaillierte Bestandsaufnahme der Gebäude, auch mit dem Ziel, Flächen zu reduzieren und den teuren Unterhalt zu verringern. So sollen beispielsweise die Pfarrheimflächen stadtweit von 1867 Quadratmetern auf 1054 (eine Vorgabe der Diözese) reduziert werden.

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Sanierung nicht bezahlbar

Schon im Pastoralen Konzept vom Januar 2019 wird die Aufgabe des Kirchengebäudes in der Drachenfelsstraße genannt: „Eine zukünftige Innensanierung der Albertkirche kann finanziell nicht mehr gestemmt werden.“ Der Kirchenbau von 1961/62, der das Provisorium einer Holzbaracke abgelöst hatte, hat sichtbare Schäden, er ist „dauerhaft nicht mehr nutzbar und eine Sanierung nicht leistbar“, so Brecht. Mittelfristig werde man sich davon trennen müssen. Eine konkrete Zeitangabe kann Brecht noch nicht machen, er stellt aber klar, dass „sich trennen“ nicht Verkauf an neue Nutzer, sondern Abriss heißt.

Nur eine Randbemerkung: In Annweiler hat vor ein paar Jahren der Karnevalsverein der Bockstallesier eine ehemalige Kirche gekauft und zum Vereinsheim gemacht. Dabei hatte es sich um einen eher kleinen Bau der Neuapostolischen Kirche gehandelt. In Haßloch hat eine evangelische Brüdergemeinde ebenfalls eine neuapostolische Kirche übernommen.

Auch ein Pfarrheim zu viel

Im Pastoralen Konzept stehen auch Überlegungen, dass das mehr als 900 Quadratmeter große Pfarrheim St. Albert von der protestantischen Matthäusgemeinde schräg gegenüber mitgenutzt werden könnte und diese ihre Gemeinderäume für eine Erweiterung der Kita Siedlernest zur Verfügung stellen könnte. Ähnlich ist es schon im Horst erfolgt: Dort hatte die Protestantische Johanneskirchengemeinde auf ihr Gemeindehaus verzichtet, um Platz für eine neue vierte Gruppe der Kita Spiel- und Lernhaus zu schaffen. Doch eine solche Lösung werde von der Stadt auf der Wollmesheimer Höhe nicht weiter verfolgt, bedauert Brecht. Diese plane eine eigene kommunale Kindertagesstätte in der Nähe des neuen Wasgau-Marktes. Auch die gemeinsame Pfarrheim-Nutzung ist vorerst kein Thema. Das katholische Pfarrheim werde zurzeit stark als Ausweichmöglichkeit genutzt, da gegenwärtig das Pfarrheim St. Maria abgerissen und neu errichtet wird, so Brecht.

Katholiken in Matthäuskirche?

Gespräche gibt es bereits darüber, wo nach einem Kirchenabriss die Katholiken ihre Gottesdienste feiern können: ein paar Schritte weiter auf der anderen Straßenseite, in der Matthäuskirche. Die war 1967 geweiht worden, nachdem auch dort zunächst eine Baracke, dann das Gemeindezentrum für Gottesdienste genutzt worden waren. Die Matthäuskirche ist baulich „sehr gut im Schuss“, bestätigt Dekan Volker Janke. Er will dem Presbyterium auf der Wollmesheimer Höhe nicht vorgreifen, aber er spricht von vernünftigen Gesprächen zwischen Katholiken und Protestanten, und er sieht eine gemeinsame Nutzung von Kirchen und sonstigen Gebäuden voll auf der Linie dessen, was das Bistum und die Landeskirche schon vor ein paar Jahren vereinbart haben: bei Gebäuden im Sinne von Nachhaltigkeit und Einsparmöglichkeiten stärker zusammenzuarbeiten. „Die Ökumene wird da seit Jahren schon gut gelebt“, so Janke zur Siedlung.

Bleibt noch die Frage, was mit dem Kirchengrundstück passiert, wenn die katholische Kirche eines möglicherweise nicht mehr ganz fernen Tages abgerissen wird. Auch dazu gibt es nach Angaben Brechts zumindest schon eine Idee: Wohnraum für Senioren, die in ihrer vertrauten Umgebung bleiben wollen, und für junge Familien, die ansonsten nichts Bezahlbares finden.

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