Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wer baut das schönste Pfarrheim?

So sehen Sieger aus: Der Entwurf aus Kaiserslautern passt optisch zur Umgebung. Er setzte sich gegen elf Bewerber durch.
So sehen Sieger aus: Der Entwurf aus Kaiserslautern passt optisch zur Umgebung. Er setzte sich gegen elf Bewerber durch.

Wenn das alte Pfarrheim nichts mehr taugt, dann muss ein neues her. Doch wer soll’s bauen? Die katholische Pfarrei Mariä Himmelfahrt hatte einen Architekturwettbewerb ausgerufen. Der Sieger kommt aus Kaiserslautern. Was das neue Gebäude ausmacht und warum künftig jeder hineinschauen kann.

„Du bist im Recall“, „Hier ist dein Foto“, „Komm in mein Team“ – so heißt es oft in Casting-Shows im Fernsehen. Ob mit Gesang, Modeln, Tanz oder anderen Talenten versuchen Kandidaten, eine Jury von ihrem Können zu überzeugen. Etwas Ähnliches hat sich die katholische Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt in Landau ausgedacht – für Architekten.

Das in die Jahre gekommene Pfarrheim an der Glacisstraße neben der Marienkirche soll durch einen Neubau ersetzt werden. Dazu wurden zwölf Architekturbüros aus der Region eingeladen, einen Entwurf zu präsentieren. Anstelle von Dieter Bohlen, Heidi Klum oder Mark Forster saßen in der Jury unter anderem Architekturprofessoren, freie Architekten und Vertreter des Stadtbauamts, der Denkmalpflege und der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt. Betreut wurde der Wettbewerb von der Prokiba GmbH für kirchliches Bauen. Sieger ist ein Entwurf des Kaiserslauterner Büros AV1 Architekten.

„An dem Modell hat uns überzeugt, dass es gut ins Ensemble passt. Es nimmt Architekturelemente der Umgebung, der Glacisstraße, mit auf“, sagt Pfarrer Axel Brecht. Besonders die Dachneigung korrespondiere gut mit der Kirche. Wichtig war der Jury auch, dass das Gebäude offen und transparent gestaltet wird. So könne der Park der Marienkirche besser integriert werden. „Der Platz soll durch das neue Gebäude aufgewertet werden. Im Sommer können wir bei Veranstaltungen vielleicht eine Cafeteria aufbauen“, sagt Brecht.

Der dritte Punkt, der für den Entwurf aus Kaiserslautern gesprochen habe, sei die Flexibilität des Gebäudes. Das Erdgeschoss könne vielseitig genutzt werden. Darüber sollen auf 200 Quadratmetern Büroräume mit hochwertiger Ausstattung entstehen, die vermietet werden. „Diese sollen dazu dienen, das Darlehen, das wir für den Bau aufgenommen haben, zu refinanzieren“, sagt Brecht.

4,5 Millionen Euro seien beim Wettbewerb als Obergrenze ausgeschrieben worden. Daran hielten sich Bewerber größtenteils. Was der Bau tatsächlich kosten wird, können erst die weiteren Planungen zeigen. Die Diözese Speyer gibt einen Zuschuss von 35 Prozent. Brecht will weitere Unterstützung beantragen, „weil wir das nicht selbst stemmen können“.

Das Modell von AV1 ist nur ein Grobentwurf. Die Feinplanung soll Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann soll mit dem Abriss des alten Gebäudes begonnen werden. Brecht hofft, die Kirchgänger 2023 oder 2024 im neuen Gebäude begrüßen zu können.

Ähnlich wie bei den Casting-Sendungen im Fernsehen gab es auch beim Pfarrheim-Wettbewerb so etwas wie einen Recall – eine nächste Runde. Die Büros „Hausgemacht Architekten“ aus Landau und „Baurmann Dürr Architekten“ aus Karlsruhe durften, ebenso wie der Sieger aus Kaiserslautern, im Juni noch mal nachbessern und auf die Wünsche der Jury eingehen. Alle zwölf Wettbewerbsarbeiten sind bis zum 29. Oktober in der Marienkirche ausgestellt. „Da sind ganz viele spannende Entwürfe dabei“, meint Brecht.

Und was ist eigentlich mit dem alten Pfarrheim? „Das ist nicht mehr nutzbar“, erklärt Brecht. „Es hat viele verschiedene Ebenen, die nicht nach außen zu erschließen sind. Außerdem ist es nicht barrierefrei, und es war uns auch nicht möglich, es barrierefrei zu gestalten.“ Die Renovierungskosten wären zu hoch gewesen. „Deshalb haben wir gesagt: Wir wagen den Neubau.“

Info

  • Die Ausstellung in der Kirche kann werktags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr besichtigt werden.
  • Wer sich für Büroräume interessiert, kann sich per E-Mail an Axel Brecht wenden: axel.brecht@bistum-speyer.de.
Das alte Pfarrheim ist nicht barrierefrei.
Das alte Pfarrheim ist nicht barrierefrei.
Das neue Pfarrheim soll für jeden zugänglich sein.
Das neue Pfarrheim soll für jeden zugänglich sein.
Der Grobentwurf steht.
Der Grobentwurf steht.
x