Kreis Südliche Weinstraße Helau statt Halleluja

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Natürlich ließen es sich die „Bockstallesier“ nicht nehmen, ihre Neuanschaffung zum Thema ihrer eigenen Büttenreden zu machen und witzelten, der wohl „weltweit erste neuapostolische Karnevalverein“ zu sein. Freilich soll das Kirchengebäude im Südring bald gar nicht mehr sakral wirken und nur noch der Spitzname „Narrendom“ an seine einstige Bestimmung erinnern. Der Karnevalverein Annweiler (KVA) hatte das 152 Quadratmeter große Gebäude im vergangenen Jahr gekauft, wie Vereinsvorsitzender Roland Leiser und Präsident Hermann Krieg inmitten der Baustelle berichten. Im Oktober wurde es auf den Verein überschrieben und seitdem laufen die Umbauarbeiten – alles ehrenamtlich. Der KVA sei schon länger auf der Suche nach einem passenden Raum für seine Vereinstätigkeiten gewesen, so Leiser. Und dann sei er Anfang 2014 auf das Verkaufsinserat der Neuapostolischen Kirche gestoßen. Seit 1965 hatte die Kirchengemeinde in dem markanten Gebäude ihre Gottesdienste gefeiert. 2000 wurde die Kirche sogar umfangreich renoviert. Doch der demografische Wandel machte auch vor dieser Kirchengemeinde nicht Halt. Die Zahl der Gläubigen und aktiven Helfer sei rückläufig gewesen, berichtet Gemeindevorsteher Michael Koser auf Nachfrage. Daher habe sich die Kirche dazu entschlossen, dass die Gemeinden Annweiler, Bad Bergzabern und Landau fusionieren und das Gebäude in Annweiler aufgegeben wird. Am 19. Dezember 2013 sei dort der letzte Gottesdienst abgehalten worden, erinnert sich Koser zurück. Und dann kamen die Narren ins Spiel, die das Gebäude für 83.000 Euro – runtergehandelt von 130.000 Euro – erwerben konnten. „Es hat noch andere Bewerber gegeben. Aber die Kirche hat uns den Vorrang gelassen, weil wir so viel Jugendarbeit machen“, begründet Krieg die Wahl. Der große 110 Quadratmeter große Hauptraum soll der neue Trainingsraum der Garden werden. Es habe über 20 Interessenten gegeben, aber bis zum Kauf seien nur wenige übrig geblieben, erklärt Bischof Pascal Strobel von der Kirchenverwaltung in Frankfurt die damalige Lage. Der Karnevalverein sei sicherlich nicht die erste Wahl für die Kirche gewesen, die sich eine weitere Nutzung durch eine christliche Gemeinde gewünscht hätte. Dafür habe es aber keine Kaufinteressenten gegeben, so Strobel. Als Gemeinschaft, die keine Kirchensteuer erhebe und nur von Ehrenamtlichkeit lebe, müsse man darauf bedacht sein, wie es finanziell weitergehe. „Wir haben 415 Mitglieder, davon 185 aktive und davon 140 Kinder und Jugendliche. In vier Jugendgarden sind 120 Mitglieder aktiv“, legt Leiser die KVA-Zahlen auf den Tisch. Früher hätten die Tänzer einen Raum in der ehemaligen Realschulturnhalle nutzen können, doch in diesem sei mittlerweile die Kreismusikschule untergebracht. Weil der KVA kein offizieller Sportverein sei, blieben ihm die anderen, stark frequentierten Turnräume in Annweiler verwehrt. In den vergangenen vier Jahren sei der Verein daher auf Turnhallen in Eußerthal oder Ramberg ausgewichen. Nicht wirklich befriedigend. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Jugendarbeit. Wir haben sogar Mitglieder aus umliegenden Gemeinden von Ranschbach bis Hauenstein, die bei uns üben. Wir brauchen Trainingsmöglichkeiten“, erklärt Leiser. Den Kauf hat der Verein über einen Kredit über 100.000 Euro finanziert. Dafür entfallen demnächst die Mietkosten für das bisherige Vereinsheim in der Friedrich-Ebert-Straße, das noch bis Ende März gemietet ist, und die vier Lagerräume für den Vereinsfundus. Rund 500 Euro monatlich. „Wir haben das durchgerechnet und werden in etwa so viel abbezahlen, wie wir bislang Miete zahlten“, so Leiser. Natürlich hofft der Verein trotzdem schneller von den Investitionskosten runterzukommen und geht daher auf Spendensuche. Zumal noch umfangreiche Modernisierungsarbeiten auf ihn zukommen. Das undichte Dach, das Nässe ins Gebäude ließ, wurde bereits ausgebessert. Die Fassade erhält einen blau-gräulichen Anstrich. Die Heizung, die ihren Geist aufgegeben hatte, wurde erneuert. Und die kirchlichen Mosaikfenster durch transparente ausgetauscht, um mehr Licht in den Raum zu lassen. Eigentlich wollte der Verein, die bunten Fenstermosaike unter den Internetportal-Hammer bringen, aber leider gingen sie beim Ausbau entzwei. Als nächstes werde eine Zwischendecke in den bis zu elf Meter hohen Raum eingesetzt, kündigt Leiser an. Die neue obere Etage wolle der Verein dann als Lagerraum nutzen. Die untere werde mit einem Parkettschwingboden ausgelegt, damit das Tanzen nicht zu sehr auf die Gelenke gehe. Zudem sei ein Durchbruch zur kleinen Küche gemacht worden. Hier wolle der KVA noch eine Theke errichten, um das Gebäude auch für seine Sitzungen, Stammtische oder anderen kleineren Veranstaltungen nutzen zu können. Neben einem Foyer und Toilettenanlagen gibt es zwei weitere kleinere Räume, die Platz für Archiv, Technik und Ausstattung bieten, und einen Außenlagerraum. „Bisher klappt der Umbau ganz gut. Bis Sommer wollen wir fertig sein“, so Leiser. Und Krieg ergänzt, dass regelmäßig um die 20 helfende Hände auf der Baustelle unterwegs seien – bei Sonderarbeitseinsätzen auch mehr. Die Kirche ist übrigens im eigentlichen Sinne kein Gotteshaus mehr. Die Neuapostolische Kirche hat diese Ende 2013 profaniert. Auch alle sakralen Gegenständen wurden herausgenommen. So auch das Kreuz auf dem Dach. Hier wird der KVA sein Zeichen hinsetzen – eine Narrenkappe aus Edelstahl, die gerade in Arbeit ist.

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