Godramstein
In Godramstein der erste von acht Spatenstichen
Was lange währt, wird endlich gut – diese Volksweisheit wurde am Dienstag beim Spatenstich für das Neubaugebiet Am Kalkgrubenweg in Godramstein mehrfach bemüht. Nicht nur hat die Verwaltung für die Entwässerung des Gebiets den Bebauungsplan ergänzen und deshalb neu auflegen müssen, vielmehr sind die Pläne für die Erweiterung des Stadtdorfs im Nordosten Richtung Nußdorf vor über acht Jahren schon einmal Thema gewesen.
Wie der damalige Ortsvorsteher Wolfgang Kern am Dienstag bestätigte, platzten die schönen Träume des Ortsbeirats im Stadtrat. Abgelehnt mit nur einer Stimme Mehrheit. Dem 74-Jährigen muss es also eine Genugtuung gewesen sein, gemeinsam mit der Stadtspitze und seinem Nachfolger Michael Schreiner den Spatenstich zu vollziehen. „Ich freue mich schon, dass es jetzt geklappt hat“, sagte er bescheiden.
Kanal der nächste Schritt
Wer die Max-Slevogt-Straße gen Norden raus aus dem Dorf fährt, sieht bereits Absperrbaken und Bauarbeiter. Energie Südwest verlegt Kabel für die neue Kundschaft. Am Kalkgrubenweg hat das Alzeyer Bauunternehmen Eiffage Infra-Südwest bereits den Straßenbau vorbereitet. Der Mutterboden wurde abgeschoben, der Boden verbessert und verfestigt, erläuterte Farid Moayyedi, stellvertretender Leiter der Abteilung Mobilität und Verkehrsinfrastruktur.
Als nächstes soll der Kanal verlegt werden. Und die Pfalzwerke werden die 20-KV-Hochspannungsleitung abbauen und in den Untergrund verlegen, laut Schreiner sogar viel weiter als notwendig. „Die hängen alles ab bis ans Ortsende. Das verdient ein tolles Lob, denn das hätten sie nicht machen müssen“, sagte der Ortsvorsteher.
62 Wohnungen
Die Ringstraße ist also bereits erkennbar. Rechts und links davon sind die Grundstücke angeordnet. Die 62 Wohnungen entstehen in 40 Einfamilien-, 14 Doppelhäusern und einem Mehrfamilienhaus mit acht Einheiten. Das über 2,5 Hektar große Wohngebiet kommt auf eine Nettobaufläche von 17.340 Quadratmeter.
Das von der Stadtspitze 2016 ausgerufene Programm „Landau baut Zukunft“ sieht den Bau von 2500 Wohnungen bis zum Jahr 2030 vor; ein Großteil ist bereits geschafft. 500 dieser Einheiten entfallen auf die Stadtdörfer. Die ersten Neubaugebiete werden in Godramstein, Arzheim, Mörzheim und Wollmesheim entstehen. Lange ist um Dachgestaltung und die Möglichkeiten der Regenrückhaltung gestritten worden. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss. Oberbürgermeister Thomas Hirsch betonte, dass die Nachhaltigkeit im Vordergrund stehe. Er sprach von einem denkwürdigen Tag, nachdem die Godramsteiner so lange auf ihr Neubaugebiet hätten warten müssen.
Stadt steuert Verkauf
Er sei froh, dass es im November 2013 keinen Beschluss für ein Neubaugebiet gegeben habe, bekannte Bauamtsleiter Christoph Kamplade. Denn damals hätte die Stadt nicht die Steuerungsmöglichkeiten gehabt wie heute. „Die Zeit war reif und jetzt können wir steuern.“
Anders als damals tritt die Stadt heute als Käufer und Verkäufer auf. Das nennt sich kommunaler Zwischenerwerb. Das Prinzip wendet die Stadt nicht nur auf die Baugebiete in den Stadtdörfern an, sondern auch auf das neue Quartier im Südwesten der Stadt, in dem im ersten Entwicklungsabschnitt 800 bis 850 Wohnungen vorgesehen sind. Weitere 550 bis 600 Wohnungen stehen in der mittelfristigen Planung. „Wir sind in den nächsten Jahren der größte Grundstücksverkäufer“, schlussfolgert Kamplade.
Die schwarze Null
Der Vorteil für die Bauwilligen liegt auf der Hand: Die Grundstücke sind keine Spekulationsobjekte. Zwar ist die Stadt ein Stück weit dem Markt unterworfen, weil sich die von Gutachterausschüssen ermittelten Bodenrichtwerte nach den durchschnittlichen Verkaufspreisen umliegender Grundstücke richten und dies Grundlage für die Festlegung des Verkehrswertes ist. Aber die Stadt schlägt nur die Kosten drauf, die ihr mit Planung und Erschließung entstanden sind. „Wir sollen eine schwarze Null machen“, so Kamplade. Es sei kein Drauf-Zahl-Geschäft, aber auch kein Gewinn orientierter Handel. „Der Preis wird so hoch sein wie nötig.“
Noch steht der Verkaufspreis nicht fest. Kamplade rechnet mit einem Betrag zwischen 300 und 350 Euro pro Quadratmeter. Die Ortsbeiräte befassen sich in den nächsten Wochen mit der Vergaberichtlinie. Die Vorgaben von 2017, nach denen Einheimische allen anderen Bewerbern vorgezogen werden sollten, sind Makulatur, weil sie nicht dem europäischen Recht entsprechen. Nun sollen auch Bauwillige, die jenseits der Stadtgrenzen leben und zuziehen möchten, Chancen bekommen. Der Stadtrat entscheidet dies am 17. Mai.