Nachruf Ein Chronist der Südpfalz

Mit seiner RHEINPFALZ und mit Schreibmaschine: Herbert Dähling 2014.
Mit seiner RHEINPFALZ und mit Schreibmaschine: Herbert Dähling 2014.

Er war leidenschaftlicher Landauer und ein Zeitungsmann durch und durch, seiner Stadt und ihren Einwohnern zugewandt, freundlich und kollegial, belesen, vielseitig interessiert und bestens informiert. Herbert Dähling war die Idealbesetzung für die RHEINPFALZ-Lokalredaktion Landau, der er lange über sein Ausscheiden 1994 hinweg verbunden blieb. In der Nacht zu Pfingstmontag ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Herbert Dähling war am 4. August 1929 in Landau zur Welt gekommen. Hier hat er gleich nach dem Abitur ab 1949 beim Pfälzer Tageblatt auch sein Volontariat absolviert, die zweijährige Ausbildung zum Redakteur, an die sich eine Festanstellung anschloss. Sein Autorenkürzel hd stand über Jahrzehnte hinweg für seriösen, fundierten Journalismus, der sich auf profunde Kenntnisse stützte, ohne je geschwätzig oder indiskret zu sein.

Er musste nie auf den Tisch hauen

Herbert Dähling hat also den schwierigen Neuanfang in der deutschen Zeitungslandschaft von Anfang an mitbekommen, und er hat ihn in seiner Heimatstadt auch maßgeblich mitgestaltet. 1971 wurde das einst selbstständige Tagblatt Teil der RHEINPFALZ. Dähling blieb, wurde 1980 erst Bezirksredakteur für Landau und die Südpfalz und wenig später Redaktionsleiter. Wenn es dann mal allzu hoch herging in seiner Redaktion, war er niemand, der auf den Tisch gehauen hätte. Eine hochgezogene Augenbraue des Chefs und eine süffisante Bemerkung reichten, um wieder für Ordnung zu sorgen.

Zu den ersten Aufgaben des jungen Redakteurs hatte die Berichterstattung über die Süwega 1949 gehört, die Südwestdeutsche Gartenbauausstellung. Sie stand am Beginn eines glänzenden Aufstiegs der alten und anfangs ein wenig abgehängten Garnisonsstadt. Daher hat Herbert Dähling die Landesgartenschau 2015 mit ganz besonderem Interesse verfolgt und unsere Leserinnen und Leser an seinen Erinnerungen teilhaben lassen – so wie er das zuletzt auch bei seinem Rückblick auf den 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte getan hat. Die 750-Jahr-Feier im kommenden Jahr mitzuerleben, war ihm nicht mehr vergönnt.

Ein Mann mit feinem Humor

Für die heutige Redaktion war Herbert Dähling ein geschätzter Kollege, der sich nie einmischen wollte, aber auch im Ruhestand aufgrund seines großen Wissens noch Tipps geben konnte, welche Recherche sich mal lohnen würde. Und der auch immer wieder selbst tätig wurde, wenn es Kulturveranstaltungen zu besprechen, Jubiläen zu feiern oder historische Ereignisse einzuordnen galt.

RHEINPFALZ-weit war Herbert Dähling für seine subtilen Glossen berühmt, für seine humorvollen Betrachtungen des Alltags. Es wäre falsch, zu behaupten, dass er sie mit spitzer Feder geschrieben hätte. Er hat eher herausgekitzelt als aufgespießt und dabei auch immer ein hohes Maß an liebenswerter Selbstironie bewiesen.

hd-Texte gibt es zu allen nennenswerten Entwicklungen in Stadt und Region im RHEINPFALZ-Archiv, von der Ölförderung über den Neubau des Stadtviertels Horst, den Aufstieg der Uni, die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts. Den richtigen Riecher hatte er beim Thema Eisenbahn, wo er früh erkannt hatte, dass der Rückzug aus der Fläche nicht das letzte Kapitel sein dürfe, sondern auch wieder bessere Tage kommen würden. Er sollte recht behalten, wie die heutigen Debatten über die Notwendigkeit einer Mobilitätswende zeigen.

Die RHEINPFALZ wird Herbert Dähling dankbar in bester Erinnerung behalten.

2015 hat er mit großem Interesse die Gartenschau verfolgt.
2015 hat er mit großem Interesse die Gartenschau verfolgt.
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