Landau
Der Kaufhof bröselt und bröckelt
Drei Männer stehen in der Linienstraße und betrachten das Schauspiel, das sich auf der Rückseite des Gebäudes abspielt. Große Löcher klaffen bereits im Bau aus den 60er-Jahren. Die Schere, so der Fachausdruck, am Ende des Baggerarms greift in die mittlere Etagendecke des vierstöckigen, zur Maximilianstraße vorgelagerten Kaufhauses und bricht ein Stück heraus. Der Beton bröselt und fällt herab. Es staubt ordentlich. Am Boden steht ein Arbeiter, der mit einem Schlauch Wasser auf die Abbruchkante spitzt, um den Staub niederzuschlagen.
„Der drückt sicher mit 500 Tonnen und hat selbst ein Gewicht von mindestens 200 Tonnen“, sagt einer der Männer. Der 62-Jährige ist vom Fach. Er habe 46 Jahre auf dem Bau gearbeitet, als Baggerführer. „Da juckt es einem in den Fingern.“ Derzeit ist er krankgeschrieben und schaut ab und zu an der Kaufhof-Baustelle vorbei, hat auch schon mit dem Mann von Ferraro gesprochen, der hier die beiden Joysticks in der Kabine bedient.
Zeitplan aus den Fugen
Als der neue Bagger im August im Kaufhaus-Hof montiert worden ist, hatte Giuseppe Ferraro, geschäftsführender Gesellschafter des Abrissunternehmens Ferraro aus Neunkirchen/Saar, versprochen, für diesen Job seinen besten Mann zu schicken. Der Bagger – laut Ferraro 3,5 Millionen Euro wert – hat allerdings deutlich mehr drauf, als der Zaungast vom Fach mutmaßt. Denn die Schere beißt Beton und Armierungseisen mit 1200 bis 4000 Tonnen Druck durch, wie der Firmenchef beim Gespräch im Spätsommer informiert hatte.
„Der Zeitplan passt gar nicht. Ich wundere mich, wie die Geld verdienen, wenn der teure Bagger so lange ungenutzt steht“, sagt der 62-Jährige. Er hat recht, der Zeitplan ist aus den Fugen geraten. Eigentlich hätte Ferraro bis Jahresende fertig sein wollen. Zwei Monate hat er für die Arbeiten einkalkuliert. Warum erst jetzt damit begonnen wird, ließ sich am Montag nicht klären.
Angrenzende Gebäude
An der Ostbahnstraße sind vier Männer damit beschäftigt, ein Gerüst zu bauen, das einen Teil der Westhälfte des Gebäudes sichert. An dieser Stelle wird der Abriss sehr diffizil werden, denn die angrenzenden Häuser dürfen nicht beschädigt werden. Die Abbruchfirma, die zur Ferraro-Group gehört, hatte die Anlieger schriftlich informiert und um Verständnis für den erhöhten Lärmpegel, minimale Erschütterungen und die Staubentwicklung gebeten.
Den ganzen Tag über kommen Menschen, bleiben kurz stehen und staunen, wie geschmeidig der Baggerarm seine schwere Arbeit erfüllt. Am Abend stehen zwar noch alle Etagen, aber die ersten Meter in der Tiefe sind schon abgetragen. Der Baggerführer müsse sehr genau darauf achten, wo er zugreift, damit nicht plötzlich das ganze Gebäude zusammenbreche, erklärt der Kollege auf der Straße. Der Kaufhof grenzt an Wohn- und Geschäftshäuser und liegt an zwei Straßen, auf denen der Verkehr noch ungestört fließt. Die werden zu einem bestimmten Zeitpunkt zumindest zeitweise gesperrt, wenn es an die Außenwände geht.
Abriss wird dokumentiert
Das Landauer Stadtarchiv wird den Abriss ab Tag 1 dokumentieren und täglich ein Foto machen, wie Leiterin Christine Kohl-Langer angekündigt hatte. Auch die Ferraro-Group dokumentiert. Marketingleiter Nicola Rique hat eine Kamera installiert, die alles aufnimmt und den mehrwöchigen Prozess am Ende im Zeitraffer auf wenige Minuten komprimiert. Das Video soll dann auf Facebook zu sehen sein.
Der Eigentümer der Immobilie, der Investor Ehret & Klein aus Starnberg, hat einige Gegenstände aus dem Kaufhaus gesichert – darunter auch die Leuchtschrift „Kaufhof“ – und möchten ihnen nach Möglichkeit im Neubau einen neuen Platz zuweisen. Der Kaufhof, der 1964 mit großem Bahnhof eröffnet worden war, hatte am 14. Oktober 2020 nach dreimonatigem Ausverkauf den letzten Öffnungstag. Viele Südpfälzer haben gute Erinnerungen an ihren Kaufhof, er war ein fester Bezugspunkt in der Stadt.