SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Autobahnen mit Fotovoltaik-Elementen überdachen?

So kann man sich Fotovoltaik auf Autobahnen vorstellen. Der Entwurf stammt von einem Schweizer Architekturbüro und zeigt einen A
So kann man sich Fotovoltaik auf Autobahnen vorstellen. Der Entwurf stammt von einem Schweizer Architekturbüro und zeigt einen Autobahnabschnitt zwischen Zürich und Zug mit Sicht Richtung Alpen.

Autobahnen sollten überdacht und mit Fotovoltaik-Elementen zur Stromgewinnung belegt werden. Davon ist die Initiative Südpfalz-Energie schon seit Langem überzeugt. Jetzt hat sie einen wichtigen Südpfälzer dafür zu gewinnen versucht: Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Die Initiative Südpfalz-Energie (Ise) hat in ihrer Meta-Studie (Auswertung aller relevanten Untersuchungen) „Klimaschutz – Energiewende 2.0“ seit 2018 zusammengetragen, wie die Energiewende in der Südpfalz gelingen und das Klima geschützt werden kann. Im Unterpunkt „Mobilitätswende“ schlägt sie nicht nur vor, Parkplätze mit Fotovoltaikanlagen zu überdachen, sondern sogar Autobahnen. Dafür kämen mehr als 13.000 Kilometer und 40.000 Hektar in Deutschland infrage.

Das klingt utopisch, doch technisch wäre es wohl nicht wesentlich anders als die Überdachung von Landwirtschaftsflächen mit Agri-PV-Anlagen, wie sie derzeit überall diskutiert wird. Beispielsweise in Oberotterbach ist eine solche Anlage geplant, was allerdings nicht bei allen Landwirten gut ankommt. Doch bei Straßen dürfte der Widerstand gering sein, schätzt der Ise-Vorsitzende Wolfgang Thiel aus Hergersweiler. Von einer (Mehrfach-)Nutzung von Verkehrsflächen auch zur Energieerzeugung verspricht sich die Ise viel; es würde keine Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion geben.

Schutz für den Asphalt

Ein Autobahn-Überbau hätte nach Ansicht der Initiative nicht nur energetische Vorteile, sondern würde auch die Asphaltdecke vor Sonnenstrahlen schützen. Das würde ein Aufweichen des Asphalts bei großer Hitze und die Bildung von Spurrinnen verringern, außerdem den Verkehrslärm dämpfen. Thiel stellt klar, dass damit nicht der Tag zur Nacht gemacht würde: Man würde transparente Fotovoltaikmodule verwenden.

Die Ise schlägt vor, zur Klärung aller noch offenen Fragen eine Pilotanlage in der Südpfalz zu errichten – beispielsweise bei der Raststätte Pfälzer Weinstraße. Es wäre bundesweit nicht einmal die erste: An der A81 bei Hegau in Baden-Württemberg ist an einer Rastanlage ein kleiner Versuch mit einer Solarüberdachung geplant.

Ministerium ermittelt Flächen

Darüber hinaus könnten nach Überzeugung der Südpfälzer links und rechts der Autobahnen in entsprechenden Sicherheitsabständen weitere Anlagen zur Stromerzeugung installiert werden, beispielsweise Windräder. Hierzu schlug die Initiative vor, ein Kataster mit geeigneten Standorten zu erstellen – eine Grundsatzfrage, die auch das Wissing-Ministerium geklärt wissen will. Es will mit einem Forschungsprojekt Standort- und Flächenpotenziale für Fotovoltaik-Anlagen an Bundesfernstraßen ermitteln.

Die Erläuterungen der Energieexperten wurden von Wissing mit großem Interesse aufgenommen. So teilt es die Initiative in einer mit dem Ministerium abgestimmten Pressemitteilung mit. Wissing habe zugesichert, mit ihnen weiter im Gespräch zu bleiben.

Pilotprojekt in Baden-Württemberg

Auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, dass die Autobahn GmbH des Bundes weitere Projekte zur Energiegewinnung an Autobahnen voranbringen wolle. Es seien bereits verschiedene Forschungsprojekte zum Thema Fotovoltaik an Bundesfernstraßen initiiert worden. Eine Ministeriumssprecherin nennt beispielsweise eine 2019 errichtete, 890 Meter lange und drei Meter hohe Lärmschutzwand mit integrierten Fotovoltaikelementen an der A3 bei Aschaffenburg, außerdem das erwähnte Projekt an der A81, das von der Schweiz, Österreich und Deutschland gemeinsam vorangetrieben wird.

Bis Ende des Jahres soll auf dem Gelände der Raststätte Hegau-Ost an der A 81 ein sogenannter Demonstrator errichtet werden. Nach anderen Quellen handelt es sich dabei um eine zehn mal 17 Meter große Fotovoltaikanlage auf einer etwa 5,50 Meter hohen Stahlkonstruktion. Daran wirkt unter anderem das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme in Freiburg mit. Es ist das nach eigenen Angaben größte Solarforschungsinstitut Europas.

Mit dem Forschungsprojekt soll laut Ministerium geklärt werden, ob eine solche Konstruktion unter realen Verkehrsbedingungen wirtschaftlich tragfähig ist und dauerhaft betrieben werden kann.

Auch für Oberleitungen geeignet

Thiel ist überzeugt davon, dass die Autobahn-Überdachungen weitere Vorteile haben. Beispielsweise könnte man an den Stahlkonstruktionen auch gleich Oberleitungen für Elektro-Lastwagen anbringen, so wie es das bereits an einer Teststrecke an der A5 in Südhessen gibt. Die bisher fünf Kilometer lange Strecke wird derzeit bis zum Jahresende um sieben Kilometer verlängert. Laut Ministerium gibt es aktuell in Deutschland drei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Pilotprojekte zur Erforschung von elektrisch betriebenen Oberleitungs-Hybrid-Lkw. Daneben würden aber auch weitere Optionen zur Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs untersucht, wie batterieelektrische Lastwagen und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw.

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