Steinfeld / oberotterbach
Landwirte wehren sich gegen Bau von PV-Freiflächenanlage
Es sind die drei großen Landwirte aus Steinfeld, die die Welt nicht mehr verstehen: Josef und Sohn Lukas Hendrich, die Brüder Markus und Stefan Martin, Gerhard und Sohn Markus Paul und Ulrich Ehrismann vom Deutschhof. Insgesamt bewirtschaften sie einige Hundert Hektar Land, hauptsächlich auf den Gemarkungen Steinfeld, Oberotterbach und Kapellen-Drusweiler. Sie bauen Getreide, Mais, Rüben, Raps, Spargel und Weizen an. 36 Hektar ihrer Anbaufläche liegen auf der Gemarkung Oberotterbach. Da, wo die Gemeinde eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage plant. Zehn Hektar davon sind im Eigentum der Landwirte, 26 Hektar sind von insgesamt 120 Eigentümern gepachtet.
Die Anlage in der Größe von 40 Hektar hat der Oberotterbacher Gemeinderat beschlossen. Entstehen soll sie östlich der Ortslage, angrenzend an der Landesstraße, die von Bad Bergzabern nach Steinfeld führt. Realisieren soll das Projekt die Firma Pionext aus Alzey, ein Unternehmen der Pfalzwerke, von EWR aus Worms und den Mainzer Stadtwerken, die auf Fotovoltaikanlagen spezialisiert ist. Sie hat auch schon Eigentümer angeschrieben. So weit, so schlecht für die Landwirte. Mit denen im Vorfeld des Beschlusses nicht gesprochen wurde, wie sie gegenüber der RHEINPFALZ berichten. „Auf der Sitzung des Gemeinderates am 8. September wurde das Vorhaben in einer Minute durchgewunken, kritische Stimmen gab es nicht. Wir waren entsetzt“, sagt Josef Hendrich.
„Wertvoller Ackerboden“
Auf Nachfrage der RHEINPFALZ teilt Ortschef Heinz Oerther (FWG) mit: „Ich habe im ersten Schritt nicht die Notwendigkeit gesehen, da letztendlich die Eigentümer entscheiden.“ Die Landwirte sagen aber: „Es ist wertvoller Ackerboden, der mit 80 bis 85 Bodenpunkten bewertet wird.“ Die Bodenpunkte sind ein Richtwert für die Bodengüte, 100 ist der höchste Wert. Zudem gebe es eine Empfehlung der Landwirtschaftskammer, für Fotovoltaik-Anlagen keine Böden zu nutzen, die mit mehr als 30 bis 35 Bodenpunkten bewertet werden. Wieso es ausgerechnet diese für sie wertvolle Ackerfläche als Standort für die Anlage ausgewählt wurde, verstehen die Landwirte nicht. „Fotovoltaik auf Ackerflächen geht nicht, es reicht“, machen sie ihrem Ärger Luft.
„Es gibt so viele Flächen, die man nutzen könnte“, sagt Gerhard Paul. „Alle Dachflächen in der Verbandsgemeinde kommen infrage und es gibt genug Grünflächen, die man nutzen könnte. Aber Grünland wird wohl höher bewertet als Ackerland“, sind sich die Landwirte einig. Sie alle haben Fotovoltaik auf ihren teils großen Dächern. „Ich war der erste, der eine Anlage installiert hat“, erzählt Ulrich Ehrismann vom Deutschhof. Zusammen erzeugen sie 400.000 Kilowattstunden pro Jahr auf ihren Dächern. Das entspreche der Stromversorgung für 400 Personen.
Ärger über Gangart der beauftragten Firma
Nutzbar ist für sie das Ackerland nicht mehr, wenn dort eine Freiflächenanlage steht. „Da könnten dann vielleicht noch Schafe oder Rinder weiden, Ackerbau und Fotovoltaik gehen rein technisch nicht zusammen“, sagen die Bauern. Für ihr Ackerland, das die Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt, wollen sie kämpfen. Denn sie fürchten nicht nur um einen Teil der Existenz, sondern fühlen sich auch zurückgesetzt. Sie haben das Gefühl, das die Produktion von regionalen Nahrungsmitteln am Ende der Prioritäten steht. Als Beispiel nennen sie die Weizenproduktion. Von einem Hektar Weizen könne man 150.000 Brötchen backen.
Ein großer Ärger ist für die Landwirte auch, dass das beauftragte Unternehmen bereits die 120 Eigentümer angeschrieben hat, von denen die Landwirte 26 Hektar gepachtet haben. Pionext wollte erfahren, inwieweit die Besitzer bereit sind, ihr Land für die Anlage zur Verfügung zu stellen. „Jetzt rufen uns die Eigentümer an und fragen, ob wir an der Pacht nicht mehr interessiert sind“, ärgert sich Stefan Martin. Und fürchtet, dass es für manche Eigentümer lukrativer sein könnte, an Pionext zu verpachten. Denn die Pacht für die Landwirte kostet 200 bis 250 Euro pro Jahr, für die Fotovoltaikanlage stehen 2000 bis 3500 Euro pro Hektar im Raum.
Verschiebung des Standorts möglich
Dass der Beschluss für die Ausweisung der PV-Anlage auf der besagten 40 Hektar großen Fläche gefasst wurde, bestätigt der Ortsbürgermeister. Wogegen auch der Naturschutz nichts habe. „Wir haben diese Fläche zwar beschlossen, sind aber jederzeit flexibel, was Verschiebungen angeht. Wahrscheinlich werden es am Ende 20 Hektar sein.“ Jetzt seien auf Vorschlag eines Landwirts Flächen im Westen dazu gekommen, die eine mindere Bodenqualität hätten. „Ob sich die Flächen im Osten dann verkleinern, muss der Rat entscheiden“, sagt Oerther.
Für die Familien Hendrich, Martin, Paul und Ehrismann steht fest, dass sie um ihr Land kämpfen wollen, weil für sie die Erzeugung von Nahrungsmitteln wichtig ist. Und weil sie glauben, dass es genügend minderwertige Flächen gibt, die man nutzen kann. „Es ist unsere schlimmste Vorstellung, dass das Land für uns verloren geht“, sagen sie. Und sie wünschen sich, dass für das Thema PV-Anlagen alle Gemeinden der Verbandsgemeinde ins Boot genommen werden. Dann seien auch große Kapazitäten möglich, ohne wertvolles und für die Ernährung wichtiges Ackerland aufgeben zu müssen.
Dass das bereits der Fall ist, bestätigt die Verbandsgemeindeverwaltung Bad Bergzabern. „De Verbandsgemeinde hat für alle Gemeinden ein Fotovoltaik-Freiflächen-Konzept in Auftrag gegeben“, informiert Bauamtsleiter Bernd Heinz. In allen Gemeinden werde geprüft, ob es geeignete Flächen für PV-Anlagen gibt. „Im Falle Oberotterbachs wurden bereits Flächen angemeldet, die gerade geprüft werden. Das Ergebnis ist offen.“