LANDAU / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel 68-Jährigen auf die falsche Impfstraße geführt

Drei Farben leiten die Impflinge durch die Hallen: grün, gelb und blau. Letzteres ist für die Zweitimpfungen reserviert.
Drei Farben leiten die Impflinge durch die Hallen: grün, gelb und blau. Letzteres ist für die Zweitimpfungen reserviert.

Ewald Heintz hat eine weitere Schwachstelle im Landesimpfzentrum im Landauer Gewerbepark ausgemacht. Auch der 68-Jährige hat nicht den Impfstoff erhalten, der für ihn vorgesehen war. Am Mittwoch hatte es bei der Stadt noch geheißen, die Verwechslung bei einer 75-Jährigen sei der erste Fall gewesen.

Biontech oder Astrazeneca? Das ist hier die Frage. Bei der RHEINPFALZ haben sich zwei Südpfälzer gemeldet, die im Impfzentrum den „falschen“ Stoff gespritzt bekommen haben. Über den Fall der 75-jährigen Micheline Weltens-van Lith aus Offenbach haben wir berichtet. Sie wollte wegen einer chronischen Atemwegsentzündung möglichst rasch den vollen Impfschutz haben, wurde aber trotz grünen Biontech-Bändchens am Handgelenk und dem richtigen Vermerk auf ihrem Dokument mit Astrazeneca geimpft und verliert dadurch einen Monat.

So ist es auch bei Ewald Heintz. Allerdings hatte der Schweigen-Rechtenbacher von Anfang an schlechte Karten. Denn nach der Anmeldung wurde ihm ein gelbes statt des für Biontech vorgesehenen grünen Bändchens umgebunden. Die Verantwortlichen haben diese beiden Farben derzeit den Impfstoffen zugeordnet, die verfügbar sind: gelb für Astrazeneca, grün für Biontech.

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Nicht immun gegen Fehler

Heintz hatte seinen Impftermin am 9. April um 8.15 Uhr, Micheline Weltens-van Lith war am selben Tag um 11 Uhr an der Reihe. Beide wurden sie vom selben Arzt aufgeklärt. In beiden Fällen erkannte der Mediziner nicht, dass auf der Terminbestätigung der Impflinge Biontech als Vakzin vermerkt war.

Gelb statt grün

„Für mich war klar, dass ich auf der Biontech-Straße unterwegs war, als ich immer den gelben Pfeilen gefolgt bin“, sagt Ewald Heintz. Er habe einige gesundheitliche Baustellen und nehme das Medikament Ass-Protect, damit die Blutblättchen nicht zusammenkleben. Im Nachhinein habe es ihn stutzig gemacht, dass der Arzt meinte, das passe, er solle das Medikament weiter nehmen. Wie Micheline Weltens hat auch Heintz erst im Wartebereich beim Blick in den Impfpass bemerkt, dass er das britisch-schwedische Vakzin im Blut hat und nicht das in Mainz entwickelte.

Ihm geht es nicht um den Impfstoff. „Ich kann damit leben.“ Aber er habe den Helfern an der Abmeldung gesagt: „Ihr müsst Euer Sicherheitskonzept überdenken.“ Es gebe Menschen mit Vorerkrankungen oder Komplikationen, denen Astrazeneca nicht verabreicht werden solle. Laut Ständiger Impfkommission zählen dazu auch Frauen unter 60 Jahren. „So ein Fehler darf nicht passieren“ – diesen Satz hat Ewald Heintz auf dem Fragebogen vermerkt. Doch auf eine Reaktion der Akteure wartet er bis heute.

Keine Reaktion

Das ärgert ihn. Auf Anraten der Hotline des Landes, die er am selben Tag angerufen hat, um zu hören, wie nach solchen Fehlern verfahren wird, hat er auch online noch einmal auf die Verwechslung hingewiesen. Am 16. April erneut, wieder ohne Reaktion. „Muss man erst eine Anzeige wegen Körperverletzung machen, bis jemand reagiert?“, fragt er.

Die Mitarbeiter des Impfzentrums hätten keinen Einblick auf Kommentare von Geimpften auf einer Online-Seite des Landes, sagt Ricarda Bodenseh von der städtischen Pressestelle. Ewald Heintz habe das falsche Band von der Security ausgeteilt bekommen. Letztlich trage aber der Arzt die Verantwortung, bei ihm liege die Dokumentationspflicht. Die Verantwortlichen hätten keine Hinweise auf weitere Fälle, bei denen ein anderer Impfstoff als vorgesehen verabreicht worden sei.

„Ich bin nicht blöd“

Auch Micheline Weltens-van Lith hat sich noch einmal in der Redaktion gemeldet. Sie sei in dem Bereich, in dem alle Farben zusammenlaufen, von einem Mitarbeiter der Security in die erste linke und für den Astrazeneca-Impfstoff vorgesehene Kabine zur Beratung mit dem Arzt geschickt worden. Es sei also nicht richtig, dass sie mit ihrem grünen Bändchen auf der gelben Impfstraße gelaufen sei, wie es bei der Stadtverwaltung geheißen hatte. „Ich bin nicht so blöd, dass ich die Farben nicht auseinander halten kann“, betont die 75-Jährige.

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