LANDAU / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel 75-Jährige erhält den „falschen“ Impfstoff

Die Impfstraßen sind in drei Farben aufgeteilt: Gelb für Astrazenenca, grün für Biontech und blau für alle Zweitimpfungen.
Die Impfstraßen sind in drei Farben aufgeteilt: Gelb für Astrazenenca, grün für Biontech und blau für alle Zweitimpfungen.

Micheline Weltens-van Lith leidet an einer dauerhaft atemwegsverengenden Lungenerkrankung. Sehnsüchtig hat sie deshalb auf den Termin zur ersten Impfung gegen Covid-19 gewartet. Als es endlich so weit war, wurde ihr der „falsche“ Impfstoff gespritzt. Das geht auf das Konto des Impfarztes.

Noch immer ist Micheline Weltens-van Lith fassungslos, wie das passieren konnte. Die 75-jährige Niederländerin lebt mit ihrem Mann Herman seit 1985 in Offenbach. Beide sind Risikopatienten: Sie hat die Lungenkrankheit, er ist Diabetiker. Gemeinsam fahren sie am 9. April ins Landesimpfzentrum im Landauer Gewerbepark.

In der Tasche hat die 75-Jährige die schriftliche Terminbestätigung aus Mainz mit dem Hinweis, das sie mit „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer geimpft werde. Ihr 76 Jahre alter Ehemann soll das Vakzin Astrazeneca erhalten. „Ich wurde sehr freundlich empfangen und über den geplanten Ablauf informiert“, berichtet Weltens-van Lith. Das Zentrum sei tadellos organisiert, und der angedachte Prozessablauf gebe dem Impfling das Gefühl, in guten Händen zu sein. „Ein großes Lob an die Helfer.“

„Ich war geschockt“

Nicht von allen fühlt sich die Wahl-Offenbacherin wenig später so gut behandelt, auch wenn alles reibungslos verläuft. Der Impfarzt schaut auf die Dokumente und fragt sie, ob sie blutverdünnende Mittel einnehme, was sie bejaht. „Gut so, das passt. Nehmen Sie die weiter“, habe er gesagt, etwas auf den an einem Klemmbrett gehefteten Zettel vermerkt und sie in die Obhut des medizinischen Personals entlassen.

Als sie im Wartebereich, wo alle Impflinge 15 Minuten Zeit verbringen müssen, in ihren Impfpass schaut, wird Micheline Weltens-van Lith ganz anders zumute. „Ich war geschockt“, erzählt sie der RHEINPFALZ. Denn nicht Biontech ist dort notiert, sondern Astrazeneca. Sie fühlt sich veräppelt, denn der Arzt habe keinen Ton darüber verloren, dass er ihr den anderen Impfstoff verpasst habe. „Ich hätt’s gern gewusst. So geht man nicht mit Leuten um“, schimpft Weltens-van Lith.

Einen Monat verloren

Was ist an Astrazeneca verkehrt? Die Ständige Impfkommission hat das britisch-schwedische Vakzin für Menschen über 60 Jahre freigegeben. Weltens-van Lith weiß, dass der Ruf des Impfstoffs stark gelitten hat, nachdem Hirnvenenthrombosen aufgetreten sind. Das ist auch nicht ihr Punkt. Die 75-Jährige kostet diese Impfung jetzt einen weiteren Monat. „Wir wollten sehr schnell den absoluten Schutz haben“, sagt ihr Mann. Da zwischen Erst- und Zweitimpfung mindestens elf Wochen lägen, verliere seine Frau einen Monat bis zum vollen Schutz vor Sars-CoV-2. Sie erhält nicht am 7. Mai den zweiten Piks, wie es bei Biontech gewesen wäre, sondern erst am 7. Juni.

Micheline Weltens-van Lith dankt ausdrücklich den Herren Roth und Dietrich für die Betreuung vor Ort und auch anschließend telefonisch. „Es hat mir keine Ruhe gelassen, ich bin am Nachmittag noch einmal ins Impfzentrum gefahren, weil ich noch einmal reden wollte. Das hat mich richtig wütend gemacht“, sagt die Seniorin.

Falsche Impfstraße

Was ist an jenem Nachmittag im Impfzentrum passiert? Hat der Arzt der 75-Jährigen eine andere Impfung untergeschoben, weil Astrazeneca zum Ladenhüter geworden ist und „das die Alten wegstecken wie nichts“, wie Weltens-van Lith einen Allgemeinmediziner zitiert? Nein, heißt es bei der Stadtverwaltung. Die Seniorin sei in die falsche Impfstraße eingebogen, klärt Sandra Diehl von der Pressestelle den Sachverhalt auf. Obwohl sie ein grünes Bändchen ums Handgelenk bekommen habe, sei sie nicht der grünen Route, sondern den gelben Pfeilen für Astrazeneca-Impflinge gefolgt. Das sei nicht die Schuld der Frau, bekräftigt Diehl. Der Arzt habe nicht bemerkt, dass die Seniorin auf dem falschen Stuhl saß. „Es tut uns leid, dass das passiert ist.“ Stadt und Kreis hätten alle Ärzte noch einmal darum gebeten, die Papiere genau zu prüfen.

Eigentlich hätte sich die 75-Jährige gar nicht verlaufen dürfen, denn bei Eröffnung des Impfzentrums hatten die Organisatoren auf das „Flughafenprinzip“ geschworen, wonach die Leute auf einfachen Wegen – nach Farben geordnet und durch Absperrungen geleitet – durch die Halle geschleust werden. Die Wege seien so gestaltet, dass man nicht falsch abbiegen könne. Sandra Diehl versicherte, es sei das erste Mal passiert. Übrigens: Die blauen Armbänder bekommen nur die Zweit-Impflinge.

„So kriegt man den Impfstoff auch los“, meint Micheline Weltens-van Lith, genannt Mieke, die ursprünglich aus Maastricht stammt.
»So kriegt man den Impfstoff auch los«, meint Micheline Weltens-van Lith, genannt Mieke, die ursprünglich aus Maastricht stammt.
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