Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie wirkt sich Windkraft im Wald auf Tiere aus?

 Für Fledermäuse sind Windkraftanlagen oft tödliche Fallen.
Für Fledermäuse sind Windkraftanlagen oft tödliche Fallen.

Wind und Gegenwind: Gegner von Windkraft im Pfälzerwald sagen: „Windräder im Pfälzerwald beschädigen die Tierwelt in der Region.“ Aber ist das wirklich so? Die RHEINPFALZ macht den Faktencheck.

Als sicher gilt, dass die Vogelwelt unter der Windkraft zu leiden hat. Bei den am Boden sich bewegenden Tieren sind sich die Biologen nicht so sicher.

Wenn im Wald Windräder stehen würden, dürfte es beispielsweise den Luchs nicht stören. „Die Reviere der Tiere sind so groß, der läuft einfach drumherum“, schätzt Sylvia Idelberger, die verantwortlich für die Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald ist. Studien zur Verträglichkeit von Luchs und Windkraft gebe es noch keine und auch Studien zur Wildkatze und Windkraft sind gerade erst angelaufen. Insofern lasse sich noch kein störender Einfluss auf die Tiere belegen, auch was die empfindlichen Ohren der Tiere betrifft.

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Tödliche Falle für Fledermäuse

Ganz anders sieht es bei den Fledermäusen aus. Werner Mang aus Höheinöd, Fledermaus-Experte beim Naturschutzbund, kann auf viele Studien verweisen, die Windräder als tödliche Falle für Fledermäuse ausmachen. 200.000 Fledermäuse dürften einer Schätzung nach jährlich in deutschen Windrädern auf dem Festland getötet werden, erzählt Mang. Was bei rund 30.000 Windrädern sieben tote Fledermäuse pro Anlage und Jahr ausmachen würde. Es gebe Wärmebildaufnahmen, die klar zeigten, wie Fledermäuse in den Rotoren umkommen. Die Tiere würden nicht allein durch die Rotoren direkt getötet, gibt der Fledermausexperte zu bedenken. Es würden viele Tiere gefunden, die ein Barotrauma erlitten hätten, als sie in der Nähe einer Anlage vorbeiflogen und die bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Rotoren einen Unterdruck erzeugten, der die Lunge des Tieres platzen lässt.

An Windräder gewöhnten sich Fledermäuse wohl nie, meint Mang. Die Rotoren seien zu schnell für die Echoortung der Tiere. Vor allem Arten wie der Abendsegler, der in großen Höhen fliege, sei im Wald durch Windräder gefährdet.

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Gefahr für Rotmilan und Waldschnepfe

Eine große Gefahr sei die Windkraft für Rotmilane, betont Uwe Groh, der südwestpfälzische Vorsitzende der Naturschutzorganisation Pollichia. „Der jagt im Freiland und guckt nur nach unten. Die Tiere werden angesaugt“, schildert Groh die tödliche Gefahr für den Raubvogel. Im Wald direkt gebe es Nachweise, dass die Waldschnepfen weniger werden, wenn Windräder sich drehen.

Groh betont, dass er nicht prinzipiell gegen Windkraft sei und es Fakt sei, dass an Fensterscheiben mehr Vögel sterben als durch Windräder. Die negativen Auswirkungen von Windräder müssten aber auch benannt werden. Für bestimmte Arten wie Schwarzstorch und Milan gebe es zwar Abstandsregeln zu Brutplätzen. Die müssten aber erstmal gefunden werden. Und wenn sie bekannt seien, gebe es immer wieder Fälle, dass die betreffenden Bäume abgesägt oder die Tiere auf andere Art vertrieben würden.

Die Argumentation der Landesregierung, auf vorbelasteten Flächen könne Windkraft die Natur ohnehin nicht beeinträchtigen, lässt der Naturschützer nicht gelten. Gerade auf früheren Militärflächen fänden sich wertvolle Bestände von Heidelerchen, die ansonsten im Wald nicht zu sehen seien.

 

Windkraft in der Pfalz

Werden Windräder im Pfälzerwald aufgestellt und wenn ja, wo? Die Landesregierung unter Malu Dreyer will den Anteil der Windenergie in Rheinland-Pfalz bis 2030 verdoppeln. Das hat die Ampelregierung im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Seither ist die Debatte um Windräder in der Pfalz wieder aufgeflammt: Zur Themenseite

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