Meinung
Wie ein kalifornischer Konzern das Chaos rund um die B10-Sperrung verstärkt
Bis Mitte Mai sind die Tunnel der B10 bei Annweiler noch gesperrt. Die Anwohner auf der Umleitungsstrecke der B10 in Rinnthal, Sarnstall und Annweiler sind mittlerweile leidgeprüft. Unzählige Lastwagen donnern täglich an ihren Häusern vorbei. Das ist eine enorme Belastung, das schafft die Menschen. Zu schaffen machen aber auch die Verirrten, die sich abseits der offiziellen Umleitungsstrecke ihren Weg durch die Süd- in die Südwestpfalz suchen.
Wer mit ein bisschen Ortskenntnis ausgestattet ist, kann sich bei den Wegen, die manche ausländischen Lastwagenfahrer einschlagen, um einem Stau auf der Umleitungsstrecke zu entgehen, nur an den Kopf schlagen. Da wird die große Schleife von Annweiler über Wernersberg, Lug und Hauenstein gezogen. Manchen Brummi verschlägt es von Sarnstall über Spirkelbach nach Wilgartswiesen und von dort auf die B10 zurück. Beide Strecken beinhalten Nadelöhre. In Hauenstein ist es der 90-Grad-Knick von der Hauptstraße zum Marktplatz, den mancher Sattelzug nicht in einem Zug überwinden kann. Und in Wilgartswiesen ist es die Bahnunterführung vor dem Ortseingang.
Chaos nach Sperrung der Umleitungsstrecke
Ein Wasserrohrbruch in Rinnthal hatte Ende März die Situation verschärft. Noch mehr Lastwagen als sonst versuchten ihr Glück auf der Strecke von Spirkelbach über die Kreisstraße 54 nach Wilgartswiesen. In Wilgartswiesen kam es dann zum Unfall, ein Sattelzug blieb an einem Hausdach hängen, die Ausweichstrecke war für zwei Stunden blockiert, es bildete sich vor den Toren des Dorfes ein Lkw-Stau, der bis nach Spirkelbach reichte und zeitweise zweispurig war.
Wilgartswiesen war im Ausnahmezustand. Seither blickt man mit Sorgen auf das Nadelöhr. Was passiert, wenn ein Lastwagen die Bahnunterführung rammt und beschädigt? Hat das womöglich Auswirkungen auf den Zugverkehr? Die Rücksichtslosigkeit, mit der sich manche Brummifahrer ihren Weg durchs Dorf suchen, treibt die Anwohner der Bahnhofstraße um. Die Schäden sind unübersehbar. Und die Straße ist Schulweg für die Grundschüler, die mit dem Zug fahren. „Wir haben mittlerweile Angst um unsere Schüler, die in diesem Bereich die Straße queren müssen“, schrieb Ortsbürgermeister Markus Schöffel.
Sperrung muss aufgearbeitet werden
Im Vergleich zum Beginn der Tunnelsperrung hat die Anzahl der Lastwagen abgenommen, sowohl auf der eigentlichen Umleitungsstrecke als auch auf den Alternativrouten. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Polizei regelmäßig kontrolliert, zum anderen haben wohl einige erkannt, dass das weiträumige Umfahren des Bereichs die bessere Variante ist.
Wenn die Tunnelsperrung zu Ende ist, müssen die zehn Umleitungswochen von Polizei und Landesbetrieb Mobilität aufgearbeitet werden. Denn das war mit Sicherheit nicht die letzte Tunnelsperrung. Und im Sommer beginnt der Ausbau der B10 im Bereich der Felsnase, die zu Staus und Ausweichverkehr führen wird. Die Probleme, die es jetzt gab, lassen sich allerdings nicht mit Hausmitteln lösen. Denn ein Verursacher der Probleme sitzt in Kalifornien und heißt Google. Viele Brummifahrer navigieren mit Google Maps, weil der Dienst eine Verkehrsleitung in Echtzeit ermöglicht, also auch die Situation auf den Straßen bei seinen Routenvorschlägen berücksichtigt.
Das Problem mit Google Maps
Was Google nicht berücksichtigt, sind die Regeln, die vor Ort erlassen wurden. Dazu zählt etwa, dass die Umleitungsstrecke nur für den regionalen Lieferverkehr und Anwohner freigegeben ist und dass es ein Durchfahrverbot für Lkw auf der K54 gibt. Bei Google finden sich auch keine Angaben darüber, ob die Strecken überhaupt für Lkw geeignet sind – immerhin lässt sich über die Streetview-Ansicht schon erkennen, dass die Bahnunterführung kniffelig ist. Wer sich als Lastwagenfahrer auf die Google-Navigation verlässt, nimmt das Risiko in Kauf, sich auf einer völlig ungeeigneten Strecke festzufahren.
