Südwestpfalz
B10-Sperrung: Auf der verbotenen Ausweichroute warten Nadelöhre und die Polizei auf Lkw
Seit zwei Wochen sind die B10-Tunnel bei Annweiler gesperrt. Die Umleitung führt durch Annweiler, Rinnthal und Sarnstall. Die Anwohner dort klagen über die enormen Belastungen durch den Schwerlastverkehr. Mehr Lastwagen sind auch im Luger Tal unterwegs. Die Lkw, die seit der Tunnelsperrung durch Lug, Spirkelbach oder Hauenstein fahren, haben sich ihren eigenen Weg durch die Süd- in die Südwestpfalz gesucht. Sie kommen über die B48 aus Völkersweiler oder über die K1 aus Wernersberg.
Nadelöhre in Wilgartswiesen und Hauenstein
Und sie nehmen Routen, die für den Lkw-Verkehr nicht zugelassen sind. Etwa die Kreisstraße 54, die nach Spirkelbach und Wilgartswiesen führt. Die Spirkelbacher Ortsdurchfahrt ist eng, vor Wilgartswiesen gibt es ein Nadelöhr: die Bahnunterführung. Um den 90-Grad-Knick vor der Unterführung bewältigen zu können, müssen die Lkw-Fahrer ausholen. Dazu fahren sie über den rechten Bordstein hinaus in die Bankette. Die Fahrt durch die Unterführung ist dann – je nach Länge des Aufliegers – Zentimeterarbeit. „Es gibt Lkw-Fahrer, die fahren da in einem Zug durch, andere müssen manövrieren. Es ist aber auch schon einer rückwärts wieder nach Spirkelbach zurückgefahren“, schilderte Wilgartswiesens Ortsbürgermeister Markus Schöffel seine Beobachtungen. Dass sich Lkw diese Route suchen, komme bei B10-Sperrungen regelmäßig vor. „Man kann es nicht ganz verhindern“, bemerkte er.
Die Polizeiinspektion Dahn kontrolliert die Ausweichstrecken zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten. In Wilgartswiesen war sie gleich zu Beginn der Tunnel-Sperrung präsent und schickte die Lastwagen wieder zurück. Die Passage ist für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3,5 Tonnen – Ausnahme sind Anlieger – gesperrt. Die Überprüfung der Einhaltung des Lkw-Verbots ist ein Schwerpunkt der Polizei. „Insbesondere werden Verstöße gegen das Lkw-Durchfahrtverbot überprüft und geahndet. Die jeweilige Kontrolle zieht jedoch auch eine gesamtverkehrsrechtliche Überprüfung mit sich“, teilte die Polizei auf Nachfrage dieser Zeitung mit.
Der Hauensteiner Verbandsgemeinderat diskutierte am Mittwoch über das Schwerverkehrsaufkommen. „Was hier durch Hauenstein rollt, da wäre es sehr gut, wenn man Kontrollen hätte“, kritisierte Michael Zimmermann die seltene Präsenz der Polizei. Das Hauensteiner Nadelöhr ist die Kreuzung Hauptstraße, Marktplatz, Landauer Straße. Immer wieder bleiben hier Sattelzüge stecken und müssen lange manövrieren, bis sie den Knick überwunden haben. Lugs Ortsbürgermeister Hermann Rippberger bemerkt immer wieder Lastwagen, die über Nacht im Ortsbereich stehen. „Ich vermisse Kontrollen“, sagte er.
Spirkelbachs Ortsbürgermeister Michael Burgard hat einen anderen Eindruck: „In Spirkelbach ist die Polizei fast jeden Wochentag da“, berichtete er. Wenn die Polizei vor Ort sei, reiße der Lkw-Verkehr ab. „Das spricht sich über Funk ganz schnell herum“, fügte er an. Die Ruhe ist aber nur von kurzer Dauer: „Sobald die Polizei weg ist, rollt der Verkehr wieder durch.“
100 Euro Strafe bei Verstoß
„Ob der Schwerlastverkehr zugenommen hat, ist schwierig zu beantworten. Zu Zeiten ohne Tunnelsperrungen lag ein Verkehrsüberwachungsschwerpunkt auf der B10 selbst und nicht auf den umliegenden Ortschaften, da diese dann kaum durch Lkw-Verkehr frequentiert wurden“, teilte die Polizei mit. „Durch Anwohnerinnen und Anwohner wird den kontrollierenden Kolleginnen und Kollegen mitgeteilt, dass der sogenannte Schwerverkehr in ihren jeweiligen Ortschaften auf Grund der Tunnelsperrungen zugenommen habe“, ergänzte sie.
Lkw-Fahrer, die keine Ausnahmegenehmigung vorweisen können, werden von der Polizei angezeigt und zurückgeschickt. „In der Regel zieht ein Verstoß ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro nach sich“, so die Polizei. Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit den Tunnelsperrungen seien im Dienstgebiet der Polizeiinspektion Dahn bislang nicht registriert worden.