Hornbach
Warum ein Firmenchef an der französischen Grenze seine Mitarbeiter selbst auf Corona testet
„Da brennt im Moment der Baum“, schilderte Reiner Hohn, Bürgermeister von Hornbach und Vater von Firmeninhaber Thomas Hohn, am Donnerstagmorgen die Situation. „Die verstehen die Welt nicht mehr“ – sagte er über die französischen Nachbarn, und er warnte vor Schäden für das deutsch-französische Verhältnis: „Wir machen kaputt, was wir in 40 Jahren aufgebaut haben.“
Pendler brauchen alle zwei Tage einen neuen Test
Hohn ist sauer, weil Fahrten über die Grenze nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich sind. Aber im französischen Grenzland gebe es kaum Möglichkeiten, sich testen zu lassen. Die Apotheken in Bitsch seien überlastet, zudem koste der Test Geld. Und er darf nicht älter sein als 48 Stunden. Das heißt: Alle zwei Tage muss sich ein Grenzpendler testen lassen. Dreimal die Woche.
In Pirmasens können sich auch Franzosen kostenlos testen lassen – morgens zwischen 7 und 10 Uhr und mit Wartezeiten. „Die Leute müssen doch arbeiten!“, wundert sich Hohn über diese Uhrzeiten. Sein Vorschlag: Nur alle sieben Tage einen Test fordern. Und einen 30-Kilometer-Streifen hinter der Grenze einführen, wo die Bewohner von den Vorgaben befreit sind. „Wir leben im Herzen Europas, und die Pandemie macht nicht an der Grenze halt“, findet er.
„Am ersten Tag war Chaos ausgebrochen“
In Zweibrücken testen große Firmen mittlerweile selbst. Auch die Gärtnerei Hohn hat jetzt diesen Weg gewählt. Am Montag hat das noch kurzfristig der Hornbacher Arzt Thomas Klein übernommen, der dann Thomas Hohn und eine Mitarbeiterin geschult hat. Am Mittwoch griff der Firmenchef selbst – er ist ehrenamtlicher Rettungssanitäter – zu Teststäbchen und Farbstreifen. „Am ersten Tag war Chaos ausgebrochen“, schildert Hohn die Situation, als von einem Tag auf den anderen keiner wusste, welche Regelung gilt, was zu tun ist und wie man das Problem angeht.
Zwei Drittel der 45 Mitarbeiter kommen aus Frankreich. 30 Mitarbeiter zu testen kostet eine Stunde – die zählt als Arbeitszeit. Dazu kommen 150 Euro für die Schnelltests, die fünf Euro das Stück kosten. Das alle zwei Tage. Wer keinen Test hat und nicht einreisen darf, kann nicht einfach krank machen, sondern müsste Urlaub nehmen. Aber die Gärtnerei braucht die Mitarbeiter aus Frankreich. Würden sie fehlen, „das wäre eine Riesenkatastrophe“, sagt Thomas Hohn.
90 Prozent weniger Umsatz im Januar
Denn gerade kommt die Gärtnerei wieder aus der Kurzarbeit heraus. Dass die Baumärkte schließen mussten, habe sie hart getroffen, erzählt der Firmenchef. Im Januar habe man 90 Prozent weniger Umsatz gemacht – 250.000 Euro. Im Februar hatte sie Glück: Die Penny-Märkte verkauften 10.000 Bonsais aus der Hornbacher Gärtnerei. Der Vertrag war bereits ein Jahr zuvor geschlossen worden.
Ihre Probleme haben Vater und Sohn Hohn – beides bekannte FDP-Politiker in der Region – am Donnerstag auch FDP-Staatssekretärin Daniela Schmitt aus Mainz geschildert. Die war zum einen froh, dass die Baumärkte wieder aufhaben, denn nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Leute blühten jetzt auf. Sie hält das auch für den richtigen Schritt, zumal die Lebensmittelmärkte die ganze Zeit offen bleiben durften: „Da wurden die Köpfe über dem Salat zusammengesteckt. Warum kann ich da mein Blümel net kaufen?“, nannte sie ein Beispiel. Sie will auch im Gespräch mit der Industrie- und Handelskammerschauen, ob es kurzfristig möglich ist, Betriebe, die auf Grenzpendler angewiesen sind, zu unterstützen.
„Es nervt einfach“
Reiner Hohns Forderung, nur alle sieben Tage zu testen, wollten sich weder die Staatssekretärin noch dessen Sohn Thomas direkt anschließen. Schmitt sprach sich dafür aus, genauer hinzuschauen, wo die Ausbrüche sind, und dann abzuwägen. Schließlich reiche das Département Moselle bis Metz, und man müsse unterscheiden, ob ein Ausbruch auf ein Pflegeheim beschränkt bleibt oder ob die Infektionen keiner Gruppe zuzuordnen sind. Thomas Hohn sagte, ihm erschließe sich der 48-Stunden-Rhythmus nicht. Schließlich würden sich die Getesteten dazwischen in einem Gebiet aufhalten, das als Risikogebiet gilt. Sein Fazit zu der ganzen Sache: „Es nervt einfach.“