Höhfröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Vor einem Jahr: Als in Höhfröschen ein noch nie gesehenes Feuer wütete

Ein Bild der Verwüstung: Die Überreste der ausgebrannten Halle, in der am 20. August 1500 Akkus und Batterien in Flammen standen
Ein Bild der Verwüstung: Die Überreste der ausgebrannten Halle, in der am 20. August 1500 Akkus und Batterien in Flammen standen.

Ein Industriebrand in Höhfröschen forderte vor einem Jahr viele Einsatzkräfte heraus, als eine Halle mit Akkus brannte. Wehrleute erinnern sich an die denkwürdige Nacht.

Am 20. August 2024, 21.01 Uhr, wurde ein Industriebrand in Höhfröschen gemeldet. Es war ein bislang deutschlandweit einzigartiges Ereignis: Eine Industriehalle stand in Flammen, in der 1500 Batterien und Lithium-Ionen-Akkus gelagert waren. Bis heute befinden sich noch Reste dieser Akkus auf dem Gelände. Bis zu 300 Einsatzkräfte verschiedener Institutionen waren vor Ort, wobei die Feuerwehr Höhfröschen als erste ausrückte.

„Das Alarmstichwort B3, Industriebrand, hat gezeigt, dass es etwas Größeres ist“, erinnert sich Timm Ritter, Wehrführer in Höhfröschen. Matthias Schönborn fügt schmunzelnd hinzu, dass ein Alarm meistens beim Essen oder Duschen kommt. Ritter sei gerade dabei gewesen, sein Kind ins Bett zu bringen, als er den seltsamen Geruch wahrnahm. Bei B3 wisse man bereits, was zu tun sei, sagt Schönborn. Doch die tatsächliche Situation vor Ort überstieg dann ihre Erwartungen.

„Passt auf, da unten hat es gescheppert“

Beim Anziehen der Einsatzkleidung informierte ein Feuerwehrmann, der in der Nähe der Unglücksstelle wohnt, die Kameraden über die Batterien und Akkus: „Passt auf, da unten hat es gescheppert, da sind Akkus drin“, erinnern sich Ritter, Schönborn und Florian Mikschy, der tatsächlich gerade aus der Dusche gekommen war, als der Alarm losging. „Wir wussten, dass ein Haus in unmittelbarer Nähe steht. Deshalb haben wir die Sirene gedrückt“, berichtet Ritter, dass jeder Mann gebraucht wurde. Die Tatsache, dass niemand verletzt wurde und das Haus gehalten werden konnte, sei ein motivierender Moment für die Einsatzkräfte gewesen.

Die ersten Trupps begannen, das Wohnhaus vor den Flammen zu schützen. „Zu diesem Zeitpunkt waren wir aufgrund der kurzen Anfahrtszeit noch allein“, erinnert sich Schönborn. Die Wasserversorgung wurde aufgebaut. „Als wir ankamen, gab es dichte Rauchentwicklung und nur einen kleinen Feuerschein“, beschreibt Ritter heute die Szenerie. Trotz des schwarzen Rauchs stellte sich die Situation zunächst weniger dramatisch dar. Wegen des dichten schwarzen Rauchs wurde unmittelbar eine Bevölkerungswarnung vorbereitet, auch mittels Sirene: Fenster und Türen geschlossen halten. Hinter der Eisentür der Laderampe habe man die extreme Hitze gespürt. Beim Öffnen sah Ritter ein Feuer, das er so noch nie gesehen hatte. Die Hitze durchdrang die Einsatzkleidung, und die Wärmebildkamera konnte die Temperatur nicht mehr anzeigen. Zwischenzeitlich war die Wehr aus Thaleischweiler-Fröschen mit weiteren Atemschutzträgern eingetroffen. Gemeinsam versuchten sie, in die Halle zu gelangen, doch der glühende Stahlträger verhinderte dies. Die Atemschutzträger hatten kaum eine Chance, um nach dem Flaschenwechsel Pause zu machen oder etwas zu essen und zu trinken.

Wehrleute: „Im Einsatz funktioniert man“

Besonders kritisch sei gewesen, dass Büsche und Bäume neben der Halle Feuer fingen. Es bestand die Gefahr, dass weitere Häuser in der Umgebung betroffen sind. Die Anzahl der Feuerwehrleute stieg kontinuierlich. „Gegen 4.30 Uhr morgens konnten sich die Höhfröschener Wehrleute erstmals größtenteils aus dem Einsatz zurückziehen“, resümiert Ritter. Der Einsatz war jedoch noch lange nicht beendet.

Für Patrick Sema, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, war dieser Einsatz ein gutes Beispiel dafür, was Feuerwehrleute leisten. Viele der Einsatzkräfte hatten bereits einen kompletten Arbeitstag hinter sich. Doch im Einsatz funktioniert man, sind sich Ritter, Schönborn und Mikschy einig. Ein Teil der Höhfröschener Wehrleute ging nach dem Einsatz und etwas Schlaf zur Arbeit. Es wurde versucht, die Mannschaftsstärke so zu organisieren, dass das Feuerwehrgerätehaus besetzt blieb und als Dreh- und Angelpunkt fungierte, beispielsweise für Feuerwehren ohne Ortskenntnis oder wegen der sanitären Anlagen. Im Kühlschrank des Feuerwehrgerätehauses wurden Proben aufbewahrt. Doch das Ausmaß des Brandes wurde erst später deutlich, als sie die Berichterstattung und Videos aus der Brandnacht wahrnahmen. Großes Medienaufgebot, temporäre Tankstelle vor Ort und viele Einsatzkräfte in blauen, weißen und roten Uniformen.

Entwarnung nach Blutprobe-Ergebnissen

Welche Stoffe bei diesem Einsatz möglicherweise freigesetzt wurden, darüber habe man sich wenig Gedanken gemacht. Klar war allerdings, „dass hier nicht das Gesündeste freigesetzt wurde“, sagt Sema. In der Brandnacht war der ABC-Erkunder der Feuerwehr Ludwigshafen vor Ort und nahm eine Probe aus dem Brandrauch. Das Spektrometer habe nicht anzeigen können, was durch die Akkus freigesetzt worden war. Es wurden Firmen angefragt, die mit Akkus zu tun haben, doch meist erhielt man die Antwort: „So etwas hatten wir noch nicht.“ Erst als die Feuerwehrleute zur Blutprobe geschickt wurden und die Ergebnisse nichts Auffälliges zeigten, sei das eine Erleichterung gewesen.

Drei Tage nach dem Brand ging die Einsatzleitung wieder an die Höhfröschener Feuerwehr zurück. Die Bevölkerungswarnung wurde bis einschließlich zum dritten Tag aufrechterhalten. Die Feuerwehr Höhfröschen führte regelmäßige Brandsicherheitswachen und Brandnachschauen durch, in der Anfangsphase bis zu drei Mal täglich, insgesamt 36 Mal. Sie kümmerte sich darum, wenn jemand auf das Gelände musste und erhielt für diese Zeit einen zusätzlichen Mannschaftstransportwagen. Im stark strapazierten Feuerwehrgerätehaus sah es entsprechend aus. Die Verbandsgemeinde schickte eine Reinigungsfirma, die alles wieder in Ordnung brachte. Auch wenn bei der Feuerwehr alles wieder aufgeräumt ist, den Einsatz werden sie in Höhfröschen nicht vergessen. Nicht nur wegen der Akkus, die noch am Brandort liegen.

Vor einem Jahr brannte in Höhfröschen die Industriehalle, in der Batterien und Akkus gelagert waren in Höhfröschen. Ein Ereignis
Vor einem Jahr brannte in Höhfröschen die Industriehalle, in der Batterien und Akkus gelagert waren in Höhfröschen. Ein Ereignis, dass Wehrführer Timm Ritter, Florian Mikschy, und Patrick Sema (von links) nicht vergessen werden.
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