Hornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Firma Rotary peilt höheren Absatz in ganz Europa an

Abiturient Kevin Podstawka aus Zweibrücken schneidet als Minijobber Mähfäden auf Länge.
Abiturient Kevin Podstawka aus Zweibrücken schneidet als Minijobber Mähfäden auf Länge.

Wo früher Gartengeräte von Gutbrod gefertigt wurden, stellt der Hornbacher Ableger der US-Firma Rotary heute Mähfäden für Motorsensen her. Das Unternehmen investiert weiter.

Der Hornbacher Industriebetrieb Rotary Europe hat eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen, um seine Ausstoßkapazitäten zu steigern. Das Metier des Unternehmens sind hochwertige Kunststofffäden für Rasentrimmer, die von Gartenbaufirmen, Jagd- und Forstbetrieben sowie in der Landwirtschaft für Mäharbeiten genutzt werden. „Das ist ein Produkt für Profi-Anwender“, nennt Geschäftsführer Michael Wicke als Beispiel die „Jungs in Orange, die am Straßenrand arbeiten. Die brauchen Qualität. Sie können nicht dauernd am Arbeitsgerät herumfummeln, weil sich mal wieder der Mähfaden verheddert hat oder festgebacken ist.“ Im Gegensatz zu manchem Zubehörteil aus dem Baumarkt seien die Rotary-Mähfäden besonders leistungsfähig und funktionell.

Auf solche Spulen werden in der Produktion die Mähfäden der Rotary-Marke Vortex aufgewickelt.
Auf solche Spulen werden in der Produktion die Mähfäden der Rotary-Marke Vortex aufgewickelt.

Das hat seinen Preis. Die Hornbacher Fäden kosten mehr als die Erzeugnisse aus chinesischer, vietnamesischer oder taiwanesischer Produktion. „60 Prozent des europäischen Mähfaden-Markts wird aus Ostasien bedient“, erläutert der Geschäftsführer, dass europäische Hersteller erst mit großem Abstand folgen. „Acht Prozent vom Kuchen haben wir, der einzige Anbieter im Premium-Bereich.“ Eingesetzt würden die Rotary-Trimmfäden vor allem in Südeuropa. „Hierzulande sind bekanntlich Rasenmäher und Mähroboter die Norm. Im Süden machen sie alles mit der Motorsense. Das ist besser und hält länger.“

In Deutschland herrscht Zwang zur Effizienz

2020 hatte Rotary das frühere Gutbrod-Werk gekauft; Trimmerfäden laufen hier seit 2023 vom Band. Jetzt möchte das Hornbacher Unternehmen mithilfe seiner neuen Produktionslinie für 800.000 Euro auch ins mittlere Preissegment vorstoßen. „Wir haben ein neues Fadenprodukt, das wir um 30 Prozent günstiger anbieten können“, erklärt Wicke. „Die Konkurrenz in China hat zwar geringere Lohnkosten. Aber die Mähfaden-Produktion ist wenig personalintensiv. Da fressen die Ausgaben für den Transport nach Europa und Zollgebühren den Vorteil für die Chinesen weitgehend auf.“

Von links: Geschäftsführer Michael Wicke und Ralf Langenbahn (Business Development).
Von links: Geschäftsführer Michael Wicke und Ralf Langenbahn (Business Development).

Als Produzent in Deutschland sei man „zur Effizienz gezwungen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir müssen immer mehr alternative Energien einsetzen und mit unseren Ressourcen haushalten. Unser US-Mutterbetrieb in Glennville/Georgia hat nicht so den Druck zum Sparen, etwa bei der Energie. So kommt es, dass wir hier mittlerweile deutlich billigere Stückkosten haben als die Kollegen in Amerika.“

Personal aus der näheren Umgebung

Das liege auch daran, dass sämtliches Kunststoffmaterial, das in Hornbach beim Herstellungsprozess zunächst als Abfall gilt, vor Ort aufgearbeitet und zurück in die Produktion geleitet wird. „Wir recyceln unseren Schrott“, sagt Wicke: „Die Amerikaner nicht.“ Nichts werde bei Rotary Europe dem Zufall überlassen. „Wir haben alles so optimiert, dass wir weniger Ausfallzeiten und kaum noch Ausschuss haben.“ Sei in Hornbach bislang ein Schrottanteil von acht Prozent angefallen, habe man ihn dank der neuen Anlagen auf unter zwei Prozent gesenkt. Diese Investitionen ins Qualitätsmanagement haben dem Betrieb eine Zertifizierung nach dem Prüfstandard DIN ISO 9001 beschert. Alle Maschinen im Werk, betont Wicke, seien in Europa gefertigt worden – „zu 70 Prozent in Deutschland“. Heute könne man hier bis zu zwölf Tonnen Mähfäden in einer Woche produzieren.

Jens Homberg aus Hornbach ist bei Rotary für die Qualitätssicherung zuständig. Er testet die Rohmaterialien und das fertige Prod
Jens Homberg aus Hornbach ist bei Rotary für die Qualitätssicherung zuständig. Er testet die Rohmaterialien und das fertige Produkt.

Zählt die Rotary-Mutter in Georgia 700 Beschäftigte, bringt es das südwestpfälzische Europa-Standbein auf 34 Stamm-Mitarbeiter. Fast alle wohnen in Hornbach und Umgebung. Zudem kann das Werk auf etwa 40 Minijobber zurückgreifen: Das sind vorwiegend Gymnasiasten aus Zweibrücken, die die Ware versandfertig verpacken. Oder sie sitzen an Spezialmaschinen, wo sie Mähfäden auf die vom Kunden gewünschte Länge zurechtschneiden.

Integrationsbetrieb kümmert sich ums Verpacken

Bewährt habe sich die Zusammenarbeit mit dem Integrationsbetrieb Saarpfalz-Werkstatt (SWA) in Blieskastel und Homburg: Dessen behinderte Mitarbeiter sind ein weiterer wichtiger Partner für Rotary bei der Warenverpackung für den Vertrieb.

Geschäftsführer Michael Wicke zeigt recyceltes Kunststoffmaterial.
Geschäftsführer Michael Wicke zeigt recyceltes Kunststoffmaterial.

Beliefert werden spezialisierte Großhändler in ganz Europa – ausgenommen im kriegführenden Russland – bis nach Israel. Im Jahr 2025, sagt Wicke, habe Rotary Europe 12,8 Millionen Euro Umsatz gemacht. „Davon entfällt mehr als die Hälfte auf unsere selbstgefertigten Mähfäden.“

Die Folgen des Hochwassers gut verkraftet

Und der Rest? Eine große Halle bei Rotary Europe dient als Versandlager. „Hier haben wir 8000 verschiedene Artikel für unsere Kunden im Bestand“, erklärt Michael Wicke. „Vorwiegend Verschleißteile für professionell genutzte Motor-Gartengeräte.“ Bezogen würden diese Sortimente von Herstellern aus aller Welt – darunter Schrauben, Dichtungen, Bowdenzüge und Zündkerzen. Von den Werkbänken der Kollegen in den USA kommen Luftfilter sowie Schneidmesser zum Mähen hinzu.

Ein Pfosten am Windfang vor dem Eingang trägt eine Plakette mit der Hochwassermarke vom 18. Mai 2024.
Ein Pfosten am Windfang vor dem Eingang trägt eine Plakette mit der Hochwassermarke vom 18. Mai 2024.

Gut verkraftet habe man die Folgen des Pfingsthochwassers vom 18. Mai 2024, sagt Ralf Langenbahn, Wickes Kollege in der Geschäftsführung. Damals hatte im Werk das Wasser 40 Zentimeter hoch gestanden; der Schaden summierte sich auf 4,5 Millionen Euro. „Um in Zukunft auf der sicheren Seite zu sein, haben wir mittlerweile einen leistungsfähigen Hochwasserschutz installiert“, spricht Langenbahn von nachträglich eingebauten Schotten, Abdichtungen am Fundament sowie von Notstrom- und Pumpensystemen.

„Zum Glück waren wir gut versichert“, blickt Langenbahn zurück. „Und unsere starke US-Mutter hat uns den Rücken freigehalten und uns niemals hängenlassen.“

Das Firmenlogo ziert eine Wand im Besprechungsraum.
Das Firmenlogo ziert eine Wand im Besprechungsraum.
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