Hornbach
Neue Arbeitsplätze bei Firma Rotary: Produktion startet im September
Bisher unterhielt das US-Unternehmen Rotary eine Verkaufs- und Versand-Niederlassung in Hornbach. Jetzt kommt Produktion hinzu. Das Produkt: Hightech-Schneidfäden für Rasentrimmer. Im September soll die Serienfertigung anlaufen. Gerade im Aufbau: eine Anlage für vier Millionen Euro, bestehend aus Mischern, Extrudern, thermischen Formgebern. „Wir werden einmal 300 Varianten von Schneidfäden produzieren. Sie unterscheiden sich in Form, Dicke und Farbe“, sagt Michael Wicke, der Europa-Geschäftsführer. Rotary ist ein global agierender Spezialist für Schneidwerkzeuge – Mähmesser, Trimmer, Sägeketten – für professionelle Anwender. 2020 hatte die 770 Mitarbeiter zählende Rotary Company aus dem US-Südstaat Georgia das ehemalige Rasenmäherwerk von Gutbrod, zuletzt MTD, gekauft und für den Versand eigener Produkte nach Europa und Nahost – von der Türkei über Israel bis zu den Emiraten – umgerüstet. 6300 unterschiedliche Artikel seien durchschnittlich im Bestand, sagt Wicke.
„In der Corona-Zeit sind wir kräftig gewachsen, weil die Leute sich um ihre Grundstücke kümmerten, Landschafts- und Gartenbauer beauftragten. Profibetriebe sind unsere Kundschaft, private wie kommunale. Bei denen lief es“, sagt Wicke. Der Jahresumsatz sei auf 9,5 Millionen Euro gestiegen – nahezu eine Vervierfachung seit Gründung der Rotary Europe GmbH. Aus neun Mitarbeitern des Logistik- und Vertriebsstandorts wurden 13. Aktuell sind es 25. Schon Anfang des Jahres wurde für die Aufnahme der Produktion Personal eingestellt, darunter Kunststoffformgeber und Industriemechaniker. „Irgendwann brauchen wir auch noch einen Chemiker“, sagt Wicke. Ein Labor für die Qualitätssicherung ergänzt die neue Anlage. Denn: Die Schneidefäden, die Rotary mit Durchmessern von 1,3 bis 4,5 Millimetern herstellt, sind letztlich Hightech-Produkte, rotieren 10.000 Mal in der Minute in den Schneidern, sollen besonders robust und langlebig sein. Wicke versucht das so zu erklären: „Es sind keine Produkte, wie man sie im Baumarkt kaufen kann. Wenn ich das mit dem Volkswagen-Konzern vergleichen würde, wo es die Marken Skoda, VW, Audi und Porsche gibt, dann sind wir der Porsche.“ Die Rotary-Produkte seien etwa 40 Prozent teurer als Produkte der Wettbewerber, rechneten sich trotzdem für die Profikundschaft.
Neue Mitarbeiter: Zwölf schon da, weitere zwölf gesucht
Obwohl Energie- und Personalkosten höher sind als in den beiden Rotary-Werken in den USA, habe er die Freigabe zur Investition und Aufnahme einer Produktion in Hornbach bekommen. Die auf 2500 Quadratmetern aufgebaute Anlage werde eine größere Kapazität haben als die in den USA, könne Größenvorteile ausspielen. „Und ist natürlich allerneuester Stand, deutscher Maschinenbau. Ich habe nur in Deutschland eingekauft. Das imponiert den Amis noch immer“, sagt Wicke schmunzelnd. Der Vertrauensvorschuss müsse aber nun gerechtfertigt werden. Der Rotary-Geschäftsführer sagt: „Wir müssen kompromisslos Qualität abliefern. Das geht nur mit sehr guten Leuten. Und die haben wir.“ Die Manpower fand sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Die zwölf Neueinstellungen stammten aus Zweibrücken, Hornbach, Walshausen, Dietrichingen, sagt Wicke, genau wie auch das Personal der Logistiksparte. Das sei super. Und der wesentliche Grund dafür, warum die Europa-Vertretung sich so schnell so positiv entwickelt habe. Der 52 Jahre alte Wicke ist selbst gebürtiger Bochumer, kam aber schon als Jugendlicher in die Südwestpfalz. Er schätzt die Mentalität der Leute hier – und ihren Einsatz und Arbeitsqualität.
Für den Qualitätsanspruch von Rotary spricht: Alle Grundstoffe für die Schneidfäden werden aus den USA importiert, harren schon in Bigpacks in einem Teil des 6000 Quadratmeter großen „Altwerks“ auf die erste Schmelze. Die US-Bosse wollten beim Produktionsanlauf in Europa kein Risiko eingehen. Die (teuren) Rotary-Produkte verkauften sich nun mal über ihr Qualitätsversprechen, ihren Ruf. „Mittelfristig wollen wir aber auf europäische Lieferanten setzen“, erklärt der Geschäftsführer. Schon deshalb, weil an eine Ausweitung der Produktion in Hornbach gedacht ist. Schritt für Schritt.
Das Land Rheinland-Pfalz fördert über sein Wirtschaftsministerium und die Investitions- und Strukturbank den Aufbau der Produktion mit 450.000 Euro. Dafür sicherte Rotary zu, mindesten 15 neue Dauerarbeitsplätze zu schaffen. Mit den jetzt zwölf Neueinstellungen und den bevorstehenden weiteren zwölf für den Versand (Wicke: „Initiativbewerbungen sind willkommen, einfach anrufen oder vorbeikommen“) gehen die Pläne aber schon darüber hinaus.
Viel Unterstützung aus Mainz – und von Reinhold Hohn
Ein Problem sei der hohe Energiebedarf. Zwar hatte Rotary gleich nach dem Kauf der insgesamt 12.000 Quadratmeter großen Hallen eine mächtige Photovoltaik auf dem Dach installieren lassen, die inklusive der Anlage für die Schneidfaden-Produktion 40 Prozent des Eigenbedarfs abdeckt. Der Rest des Stroms muss aber teuer zugekauft werden. Ein nachteiliger Faktor für ein im internationalen Wettbewerb stehendes Unternehmen. Michael Wicke ist auf der Suche nach einer Lösung, hofft auf weitere Förderprogramme. „Ich hatte noch nie mit einem Wirtschaftsministerium zu tun. Aber ich kann sagen: Das waren tolle, hilfreiche Leute, die mich bei den Antragstellungen begleitet haben. Aber ohne den bedingungslosen Rückhalt und Einsatz von Hornbachs Stadtbürgermeister Reinhold Hohn wären wir garantiert nicht so weit gekommen.“ Auf die gute Begleitung aus Mainz wie Hornbach will Wicke weiter setzen. Denn: Der Standort Hornbach biete Möglichkeiten. Und Ideen habe man selbst noch einige.