Zweibrücken-Land RHEINPFALZ Plus Artikel Neunsitzer für alle: In den Sommerferien könnte es losgehen

So ähnlich könnte der Neunsitzer aussehen, der auch in Zweibrücken-Land zur Verfügung stehen soll.
So ähnlich könnte der Neunsitzer aussehen, der auch in Zweibrücken-Land zur Verfügung stehen soll.

Mit einem neuen Angebot wird Zweibrücken-Land Vorreiter im Südwesten. Bald soll es losgehen. Der Auftakt ist vor allem für Familien, Gruppen und Vereine interessant.

Wer mal mit einer Gruppe wegfahren möchte, aber kein passendes Auto hat, kann bald auf ein neues Angebot der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land zurückgreifen. Eine Firma aus Bayern stellt einen Neunsitzer zur Verfügung, der an der Verbandsgemeindeverwaltung in der Landauer Straße in Zweibrücken steht. Das Auto leiht man sich über eine App, nachdem man sich registriert hat. Es gibt Stundenpreise, Tagespreise und Kilometerpreise. Ein Beispiel: Ein Ford Transit Diesel mit neun Sitzen kostet sieben Euro pro Stunde oder 60 Euro am Tag. 300 Kilometer sind frei, jeder weitere kostet 15 Cent. Außerdem muss man die Spritkosten selbst übernehmen. Die Preise für andere Neunsitzer, etwa von Opel oder Renault sind die gleichen.

Auto fahren, ohne ein Auto zu besitzen

Car-Sharing – auf Deutsch Auto teilen – nennt sich das. Dabei kann man sich ein Auto stunden- oder tageweise mieten. Car-Sharing ist aber deutlich günstiger und einfacher als ein Mietwagen. Eine Firma stellt Autos zur Verfügung, die sich jeder gezielt so lange ausleihen kann, wie er sie braucht. Wer wenig Auto fährt, aber ab und zu doch eins braucht, könnte damit ganz auf ein eigenes Auto oder einen Zweitwagen verzichten. So weit ist die Verbandsgemeinde aber noch nicht: Zwar möchte sie auch einen Kleinwagen als Elektroauto anbieten, aber erst in einem zweiten Schritt.

Denn ganz so einfach und so schnell wie erhofft kommt auch der Neunsitzer nicht. Verbandsbürgermeister Björn Bernhard hatte die Idee erstmals im April 2022 vorgestellt und im Oktober erst Frühjahr, dann die Jahresmitte 2023 angepeilt. Aber wie sich herausstellte, war es nicht so einfach, genug Werbepartner zu finden. Die kaufen Flächen auf dem Auto, das dann durch die Gegend fährt und so Werbung für sie macht. Von 300 bis über 1000 Euro im Jahr reichen die Preise. „Es war ein schwerer Kampf die letzten Wochen“, sagt Bernhard über die Suche nach Sponsoren, die Anfang Mai abgeschlossen sein sollte, aber zäher voran ging als gedacht. Zum einen seien die Firmen derzeit zögerlich, zum anderen habe es Bedenken gegeben, eine Firma aus Bayern zu finanzieren. Einige mögliche Sponsoren hätten gesagt, wenn es direkt für die Verbandsgemeinde wäre, würden sie es unterstützen.

Das Auto ist bestellt

Nun seien aber so viele Werbepartner beisammen, dass das Auto bestellt sei. Zum 1. Juli wird es zwar immer noch nicht fahren, aber Björn Bernhard hofft nun auf die Sommerferien, also August. Die Werbepartner kommen aus der Verbandsgemeinde selbst, aber auch von außerhalb. „Eine gute Durchmischung“, sagt Bernhard. Immer noch seien aber Flächen frei. Wer noch Interesse hat, kann sich an die Verbandsgemeinde oder direkt an die Car-Sharing-Firma Mikar wenden.

Mikar kommt aus Deggendorf nordöstlich von München und bietet vor allem in Bayern Autos zum Teilen an. Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land wäre nicht nur die erste Kommune aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die mit Mikar zusammenarbeitet, sondern auch allgemein Car-Sharing-Vorreiter in der Südwestpfalz und der Saarpfalz.

Ein Elektroauto soll noch folgen

Der Neunsitzer ist vor allem für zwei Familien, Vereine oder Gruppen interessant, die zum Beispiel Ausflüge planen. An dem zweiten Auto, dem Kleinwagen, hält Björn Bernhard aber nach wie vor fest, trotz der Anlaufschwierigkeiten beim Neunsitzer. Man könnte sich Gedanken machen, wie die Verbandsgemeinde selbst aktiv wird, und dann die Leute noch mal ansprechen, die die Verbandsgemeinde direkt unterstützen möchten. Denn beim Neunsitzer hilft die Verwaltung nur bei der Suche nach Sponsoren. Der ganze Rest von der Finanzierung über die Bestellung und die Vermietung ist Sache von Mikar.

Den Kleinwagen könnte die Verbandsgemeinde möglicherweise auch als Dienstwagen nutzen. Anders als der Neunsitzer könnte er bei den Werken in Contwig stehen, auch weil die schon eine große PV-Anlage auf dem Dach haben. Mit dem Sonnenstrom ließe sich der Wagen günstig aufladen. Nutzen kann das Angebot jeder, selbst wenn man nicht in der Verbandsgemeinde wohnt. Deshalb ist der Neunsitzer in der Innenstadt, neben dem Parkplatz der Ignaz-Roth-Halle, auch für die Zweibrücker interessant. Der Kleinwagen könnte irgendwann einmal auch am Contwiger Rathaus stationiert werden, das man vom Bahnhof aus – also auch ohne eigenes Auto – leichter erreicht. Klar ist, dass die Autos in größeren Orten stehen werden. „Es bringt nichts, das Auto nach Rosenkopf zu stellen, weil es dort niemand nutzt“, hatte Bernhard schon im Oktober gesagt.

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