Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Marienhaus-Geschäftsführer: Krankenhaus-Übernahme unausweichlich

Zum 1. Januar 2022 wird das Rodalber Krankenhaus von Pirmasens aus betrieben.
Zum 1. Januar 2022 wird das Rodalber Krankenhaus von Pirmasens aus betrieben.

Der Krankenhausbetrieb in Rodalben soll noch sieben bis neun Jahre weiterlaufen, dann folgt die Schließung der Klinik, was der Rodalber Seele wehtut. Dieses Ergebnis, das seit Montag feststeht, hält Geschäftsführer Günter Merschbächer von der Marienhaus GmbH für unausweichlich und letztendlich für das bestmögliche.

Zum 1. Januar 2022 soll die Übertragung des Krankenhausbetriebs vom St.-Elisabeth-Krankenhaus Rodalben auf die Städtische Krankenhaus Pirmasens GmbH erfolgen. Von einem „Ausverkauf“ zu sprechen verbiete sich aus mehreren Gründen, erklärt Merschbächer auf Nachfrage.

Denn zum einen habe das Krankenhaus Rodalben, wie bereits mehrfach dargestellt, „leider keine ausreichende Zukunftsperspektive“: Die gestiegenen und weiter steigenden Anforderungen an Strukturen, Qualitätsvorgaben, Mindestmengen sowie an Personal- und Geräteausstattung ließen „selbst bei dem bisher außerordentlichen Einsatz der Mitarbeitenden keine andere Schlussfolgerung“ zu. Zum anderen schränkten nach wie vor die strukturellen Nachteile des Fall-Pauschalen-Systems für kleine Krankenhäuser (keine ausreichende Finanzierung von Vorhaltekosten) die Zukunftschancen drastisch ein. Und schließlich sei die „wirtschaftliche Basis des Krankenhauses nicht ausreichend“ vorhanden, um notwendige Zukunftsinvestitionen in ausreichendem Umfang zu tätigen beziehungsweise den bei Fördermittelfinanzierung notwendigen Eigenmittelanteil aufzubringen.

Längeres Warten hätte Arbeitsplätze gefährdet

Es wäre deshalb laut Merschbächer verantwortungslos gewesen, „länger zu warten und die Arbeitsplätze von knapp 300 Mitarbeitenden und damit die wirtschaftliche Existenzgrundlage vieler Familien in der Region aufs Spiel zu setzen“. Den Eindruck, Pirmasens kassiere ab, weil dorthin eine Million Euro an Zuwendungen des Landes fließen, zudem 150.000 Euro an Erlösen und 450.000 Euro, die der Stiftungsrat des St.-Elisabeth-Krankenhauses überweist, hält Merschbächer für einen großen Irrtum.

Er verweist darauf, dass „die Übertragung eines kompletten Krankenhausbetriebs auf einen anderen Betreiber und die Zusammenführung zu einem einheitlichen Betrieb eine sehr komplexe Aufgabe“ darstellt. Zahlreiche organisatorische, technische und personelle Veränderungen sowie Investitionen seien erforderlich – „gerade vor dem Hintergrund der schwierigen Ausgangssituation in Rodalben“. Trotzdem blieben für den Übernehmer erhebliche Risiken bestehen. Insoweit habe in einem intensiven Verhandlungsprozess ein für alle Seiten vertretbares Bedingungswerk erarbeitet werden müssen. „Das haben wir geschafft“, stellt Merschbächer fest.

Alternativen scheitern an höheren Kosten

Von vielen Regelungen greift er die Passage heraus, die eventuell vortäusche, Stiftungsvermögen werde unter Wert abgegeben. „Jede andere Alternative, insbesondere die Fortführung des Krankenhausbetriebes oder gar die Schließung des Krankenhauses, ist mit wesentlich höheren Kosten verbunden“, entgegnet Merschbächer und fügt hinzu: „Die Immobilie bleibt im Besitz der Stiftung und kann insoweit weiter genutzt werden.“

Die Übertragung des Krankenhausbetriebes und die Umnutzung/Nachnutzung stehen für den Geschäftsführer in einem Zusammenhang. „Es muss insgesamt auch die wirtschaftlich beste Lösung gefunden werden“, sagt er, „für eine andere Nutzung muss deshalb ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept vorliegen.“ Daran werde zurzeit gearbeitet. Unter anderem sei dazu der Auftrag für eine Machbarkeitsstudie ergangen. „Deren Ergebnisse mit Ideen und Vorschlägen erwarten wir in den nächsten Wochen“, so Merschbächer gegenüber der RHEINPFALZ.

Verhandlungen über Mietflächen

Die Vermietung von Räumen durch den Stiftungsrat für einen Euro pro Quadratmeter irritiere möglicherweise. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit Pirmasens, um genau festzulegen, welche Räume und Flächen angemietet werden. Dies wird in einem Mietvertrag festgehalten werden“, äußerte sich Merschbächer dazu. Die Anmietung erfolge dann „für die Zeit der Fortführung des Krankenhausbetriebs durch Pirmasens in Rodalben, bis in Pirmasens die erweiterten Räumlichkeiten in Betrieb genommen werden können“. Einvernehmen mit Pirmasens bestehe darin, nach Bedarf „eine schrittweise Umsetzung vornehmen zu können“. Darauf baue auch die Machbarkeitsstudie auf.

„Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, Überlegungen und Konzepte für eine Nachnutzung zu entwickeln“, merkt der Geschäftsführer an. Deshalb gebe es die Machbarkeitsstudie, die „sicherlich keine abschließenden Konzepte“ vorlegen müsse. „Selbstverständlich werden diese Überlegungen den Kommunen nach Abschluss der Studie vorgestellt“, betont Merschbächer, „insoweit können dann kommunale Belange und Interessen eingebracht werden“.

Die wenigsten Nachteile

Es sei keine „böse Entwicklung“, die in Sachen Krankenhaus gerade vonstattengehe, sondern „angesichts der geschilderten Rahmenbedingungen die am wenigsten nachteilige Variante“, lautet Merschbächers Fazit. Auch den viel gescholtenen Stiftungsrat nahm er in Schutz. Die Mitglieder des Stiftungsrates hätten „ihre satzungsgemäße Aufgabe erfüllt und in vielen Sitzungen um den besten Weg gerungen“.

Der jetzt gewählte Weg falle sicherlich nicht leicht, es sei aber „letztlich in Abwägung aller Chancen und Risiken von unterschiedlichen Varianten der geeignete Weg, um die Arbeitsplätze vieler Menschen in Rodalben zu erhalten, die stationäre Versorgung in der Südwestpfalz zu sichern und weiter zu entwickeln“. Es sei auch aus Sicht der Stiftung „der wirtschaftlich am wenigsten belastende Weg“.

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Günter Merschbächer
Günter Merschbächer
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