Reifenberg / Battweiler / Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Drei Kilometer im Dunkeln durch den Wald – Fehlender Schulbus im Kreisrechtsausschuss

Tanja Schmitt am Mittwochmorgen bei der Kreisverwaltung in Pirmasens.
Tanja Schmitt am Mittwochmorgen bei der Kreisverwaltung in Pirmasens.

Dass Tanja Schmitts Sohn Til (elf Jahre) tagtäglich morgens und mittags vom Stockbornerhof zwischen Battweiler, Rieschweiler und Reifenberg zur Schulbushaltestelle in Battweiler laufen müsste, beschäftigte am Mittwoch den Kreisrechtsausschuss.

Die Verwaltung argumentiert mit den festgeschriebenen Regeln, ab wann ein Bus fährt. Schmitt hingegen sagt, dass die Strecke entlang der Landstraße durch den Wald zu Fuß einem Elfjährigen nicht zuzumuten sei: „Da traue noch nicht einmal ich mich, im Dunkeln langzulaufen“, kritisierte die Mutter vorm Kreisrechtsausschuss am Mittwochmorgen. Gemeint ist die Landstraße zwischen dem Stockbornerhof zur Bushaltestelle in Battweiler.

Rund drei Kilometer lang ist der Weg, den Schmitts Sohn Til morgens und mittags zurücklegen müsste, um in Battweiler in den Schulbus zur Contwiger Gesamtschule (IGS) zu fahren.

Seit diesem Schuljahr ist es anders

Til besucht seit Schuljahresbeginn die fünfte Klasse der IGS. Bislang fuhren Tanja Schmitts Eltern, also die Großeltern von Til, den Jungen täglich vom Stockbornerhof zur Bushaltestelle in Battweiler. Tanja Schmitt ist berufstätig, kann diese Aufgabe zeitlich nicht übernehmen, ihr Mann arbeitet unter der Woche außerhalb, ist nicht zu Hause. Die Tochter – Tils Schwester – hat zwar einen Führerschein, aber sie geht auf das Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium.

Die Großeltern von Til sind mittlerweile in einem Alter, in dem das tägliche Fahren zur Bushaltestelle nicht mehr geht. „Es ist offen, wie lange mein Vater noch kann“, sagt Schmitt. Die Folge: Es ist unklar, wie Til morgens und mittags zur Bushaltestelle in Battweiler kommt. Ein für ihn passender Schulbus fährt am Hof nicht vorbei, den Fußweg an der Landstraße entlang will die Mutter ihrem Sohn nicht zumuten.

Kreis: Der Verwaltung sind die Hände gebunden

Thomas Keller, Leiter der Verkehrsabteilung beim Kreis, argumentierte in der Ausschusssitzung am Mittwochmorgen, dass er zwar Verständnis für die missliche Lage habe, der Verwaltung jedoch die Hände gebunden seien. „Wir sind an die Richtlinien gehalten“, so Keller. Die Richtlinien besagten, dass mindestens fünf Schüler vorhanden sein müssten, ehe ein Schulbus eingesetzt wird. Am Stockbornerhof ist das nicht der Fall. Auch das Busunternehmen – die DB-Regio – ist laut Keller nicht bereit, ihren Fahrplan so zu ändern, als dass der Bus am Stockbornerhof vorbeifährt, um Til aufzusammeln. Grund sei, dass der Bus einerseits am Hof nicht wenden könne, andererseits durch den Umweg der gesamte Fahrplan nicht eingehalten werden könne.

Weil die Verwaltung jedoch einsieht, dass es am Hof keine Busverbindung für Til gibt, biete sie neben einer Wegstreckenentschädigung eine kostenfreie Busfahrkarte für den Elfjährigen an. Dagegen legte Schmitt Widerspruch ein, die Entschädigung belaufe sich auf knapp 50 Euro. Würde Til morgens und mittags mit dem Taxi vom Hof zur Haltestelle fahren, kämen in einem regulären Schulmonat jedoch rund 1200 Euro zusammen. Die 50 Euro sind folglich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Satiresendung: 200 Meter mit dem Taxi

Apropos Taxi: Schmitt fügte an, dass es im Landkreis Göttingen einen Fall gebe, wo eine Schülerin morgens und mittags per Taxi 200 Meter zwischen Haus und Bushaltestelle gefahren wird – wegen eines fehlenden Bürgersteiges. Dieser Sachverhalt war bei der ARD-Satiresendung „Extra 3“ zu sehen. „Warum geht das nicht auch hier?“, fragte sie vorm Kreisrechtsausschuss. Das Urteil wird schriftlich zugestellt, bis dahin muss sich die Mutter gedulden.

Info

Über den Fall hat auch das SWR-Fernsehen einen Beitrag für die Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ gedreht. Er sollte am 30. September zu sehen sein, wurde dann aber geschoben, da sich die Sendung am Donnerstag nach der Bundestagswahl nur um das Wahlergebnis und die Folgen drehte. Er war deshalb am 7. Oktober zu sehen. Man findet ihn noch unter swrfernsehen.de/zur-sache-rp im Internet in der Mediathek. Der fünfminütige Beitrag beginnt nach etwa 15 Minuten. In der gleichen Sendung, ab der 40. Minute, berichtet der SWR zudem über den Streit um Windräder in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land.

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