Bottenbach
Bottenbacher Kita-Vertrag: Wie Kirche und Gemeinde an einem Strang ziehen
In Bottenbach ist die evangelische Kirche Trägerin des Kindergartens. Allerdings hat auch die Gemeinde ein großes Mitspracherecht. Warum? Zwischen beiden Beteiligten gibt es seit einiger Zeit einen Vertrag; im Kern geht es darin um die Betriebskosten des Kindergartens.
Die Idee zum Kita-Vertrag kam auf, als es um den Kita-Anbau ging. Die Kirche machte seinerzeit deutlich, dass sie kein Geld für den Neubau habe. Dieser war allerdings dringend notwendig. Die Gemeinde sprang in die Bresche und bezahlte – abzüglich der Fördergelder von Kreis und Land – die Rechnungen für den Neubau. Für das kleine Bottenbach war das seinerzeit eine enorme Investition. Das Bestandsgebäude gehört jedoch weiterhin der Kirche.
Wer bezahlt die Klimaanlage?
Damit es nicht irgendwann dazu kommt, dass die Kirche den Kindergarten abstößt und die Gemeinde zusätzlich noch den Bestand kaufen muss, einigten sich beide Seiten darauf, dass das Dorf die laufenden Kosten – mit Ausnahme des Personals – übernimmt. Im Gegenzug bekommt die Gemeinde das Bestandsgebäude überschrieben, sollte die Kirche die Trägerschaft abgeben.
Das Miteinander zwischen Kirche und Gemeinde funktioniere, sagen Bottenbachs Ortsbürgermeister Klaus Weber (CDU), die protestantische Dekanin Silke Gundacker, Pfarrerin Verena Müller, Kita-Leiterin Anna-Maria Richter sowie Maren Schmidt, die seit dem Ausscheiden von Gerda Huber kommissarische Geschäftsführerin des protestantischen Kita-Verbundes ist, übereinstimmend. Allerdings gab es in der Anfangszeit einige Kommunikationsprobleme – insbesondere wegen der Klimaanlage im Altbau.
Konkret hatte sich der Bottenbacher Gemeinderat seinerzeit gegen eine Klimaanlage im Kita-Altbau ausgesprochen. Im vergangenen Jahr ging dann plötzlich ein Förderantrag für eine Klimaanlage beim Kreis ein. Die Folge: Verwirrung bei Kirche und Gemeinde. Gestellt hatte den Antrag noch Schmidts Vorgängerin – und niemand wusste so recht, wer nun wofür bezahlen soll.
Neue Haustür bezahlt größtenteils die Kirche
Letztlich habe sich herausgestellt, dass die Idee mit dem gesonderten Förderantrag für die Klimaanlage gar nicht schlecht gewesen sei, sagt Weber. Für den Neubau gab es eine feste Fördersumme – diese berechnet sich bei Kita-Neubauten nach der Zahl neuer Kita-Plätze. Mit dem separaten Förderantrag hingegen gibt es für die Klimaanlage zusätzliche Mittel; der Eigenanteil von Gemeinde und Kirche fällt entsprechend geringer aus.
Auch bei der neuen Haustür und einem defekten Heizkörper konnten sich Kirche und Gemeinde schnell einigen. Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass die Kirche sich jahrelang nicht um die kaputte Tür gekümmert habe und diese nun, da es den Vertrag gebe, von der Gemeinde bezahlen lasse. Die Abmachung: Für Tür und Heizkörper übernimmt die Kirche letztmals den Großteil der Rechnung. Künftig trägt die Gemeinde sämtliche Unterhaltungskosten – so, wie es im Vertrag vereinbart ist. Jeder Wunsch der Kirche für die Kita wird vom Gemeinderat geprüft. Dieser entscheidet, ob und zu welchem Preis die Investition getätigt wird.
Weber erwägt Kita-Verbund
Für Weber ist der Kita-Vertrag zwischen Gemeinde und Kirche auch eine Blaupause für andere Dörfer, in denen es ähnlich gehandhabt wird. Dort, wo die Kirche Kita-Trägerin ist, könnte der Bottenbacher Vertrag als Musterbeispiel dienen. In der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land gibt es allerdings auch gemeindeeigene Kindergärten. Für diese ist jeweils der Ortsbürgermeister zuständig. In der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land ist das größtenteils anders geregelt. Dort gibt es seit einiger Zeit einen Kita-Verbund, dessen Leitung im Rathaus der Verbandsgemeinde sitzt. Das bringe zwei große Vorteile: Zum einen würden die ehrenamtlichen Ortsbürgermeister entlastet, zum anderen könne schneller auf Personalmangel reagiert werden.
In Zweibrücken-Land sind sogenannte Springer-Erzieher angestellt. Sie helfen in den verschiedenen Kitas aus, wenn es dort zu personellen Engpässen kommt. Ohne Kita-Verbund müssten die Gemeinden für solche Springer Umsatzsteuer bezahlen, sagt Weber. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land ist davon überzeugt, dass dieses Modell mittelfristig auch etwas für seine Verbandsgemeinde wäre – „weil es einfach viele Vorteile hat“, begründet er.