Contwig
Auch Retter haben manchmal Tränen in den Augen
Hintergrund für die Gründung dieser besonderen Abteilung beim DRK Contwig war der, dass die Tierärzte seit März vergangenen Jahres einen Bereitschaftsdienst anbieten müssen. Die DRK wollte mit dem speziellen Bereitschaftsdienst für Tiere den Tierärzten in Form einer Kooperation entgegenkommen, erklärt Kai Harstick, Vorsitzender des Contwiger DRK.
Ausgerechnet der Vorsitzende hatte am Anfang Bedenken
Auch habe es in der Vergangenheit viele Notfall-Einsätze gegeben, bei denen die Tiere der Patienten zurückblieben und ihre Zukunft ungewiss blieb. Die Helfer vor Ort konnten oft nichts weiter für die Haustiere tun, als eine zuständige Behörde zu informieren und hoffen, dass alles gut wird, erläutert Harstick weiter. Dies sollte mit der neuen Fachabteilung geändert werden. Doch ausgerechnet der Vorsitzende sei „anfangs skeptisch gewesen“, gibt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ zu. Nachdem die neu gegründete Bereitschaft von Einsätzen „überschüttet wurde“, sei diese Skepsis aber schnell verschwunden. Mittlerweile seien die fleißigen Tierretter bereits bei um die 500 Einsätzen den unterschiedlichsten Tieren zu Hilfe geeilt.
Seit einem Jahr sind die Tierretter des Roten Kreuz mit ihrem komplett ausgestatteten Einsatzwagen, einem alten Polizeifahrzeug, auf den Straßen unterwegs und besuchen ihre Patienten vor Ort und Stelle. Der Wagen ist unter anderem mit klimatisierten Boxen, Medizingerätschaften, Fangmaterial sowie Schutzausrüstungen für das Team ausgestattet und somit für ganz unterschiedliche Einsätze geeignet.
Von Skorpionen und Spinnen bis zu Schweinen alles dabei
Mithilfe des Sonderfahrzeugs können die Helfer schnell zur Einsatzstelle eilen und sich direkt um die Patienten kümmern, bevor diese an „Fachleute weitergereicht werden“. E in Fahrzeug mit vielfältiger Ausrüstung sei auch wichtig, denn die Einsätze und Patienten der Tierretter seien sehr verschieden, betont der Vorsitzende. Von Skorpionen und Spinnen bis hin zu Schweinen sei alles dabei.
Einmal habe es sich eine Schlange unter einer Grillhaube gemütlich gemacht und die Finderin ganz schön erschreckt. Doch als sich die Helfer das Reptil genauer ansahen, stellte sich schnell heraus, dass es sich um ein ungiftiges Exemplar handelte.
Da sich die 25 ehrenamtlichen Tierretter vielen verschiedenen Situationen gegenübersehen, müssen sie auch eine Reihe an vielfältigen Fortbildungen absolvieren, bevor sie an einem Einsatz teilnehmen dürfen. So lernen sie etwas über den Umgang mit Greifvögeln und Reptilien. Diese speziellen Kenntnisse seien den Helfern auch schon etwa bei der Sicherung von sogenannten „Problemhunden“ zugute gekommen. Zudem benötigen die Retter Vorkenntnisse mit dem Umgang von Tieren, um Teil des Teams werden zu können. So bestehe das Team in Contwig aus Tierpflegern, Jägern, Falknern, Tierärzten, tiermedizinischen Fachangestellten und Pferdewirten.
Manche Einsätze können sehr emotional werden
Aber auch wenn die Einsätze keine spektakulären Rettungseinsätze oder exotischen Tiere beinhalten, können sie trotzdem „sehr emotional“ sein, meint Harstick. Denn wenn ein Hund, der 25 Jahre an der Seite seiner Besitzerin war, eingeschläfert werden muss, bleibe auch bei den Rettern kein Auge trocken. „Das Wohl der Tiere steht aber immer an oberster Stelle“, versichert Kai Harstick. Daher arbeite die Bereitschaft auch eng mit Jägern, Tierheimen, Auffangstationen, Veterinärämtern, der Feuerwehr, der Polizei und anderen Organisationen zusammen, um den Tieren so die beste Hilfe bieten zu können.
Jetzt, zum Frühlingsbeginn, werden die Contwiger oft gerufen, um Jungtiere einzufangen, die angefahren oder auf andere Art verletzt wurden. Ein Eichhörnchen, das auf den Namen Kurt getauft wurde, wurde in Pirmasens aufgelesen, wo ein Holzstapel zusammengestürzt war und das Muttertier starb. Eine Ente war auf einem Grundstück bei Einöd alleine entdeckt worden. Und drei Hasen wurden am Radweg zwischen Stambach und Dellfeld gefunden, nachdem ein nicht angeleinter Hund das Muttertier getötet hatte. Deshalb bittet das DRK Spaziergänger, ihre Hunde anzuleinen. Wer Hilfe braucht, erreicht das DRK unter der Nummer 06332/568860.