Reifenberg
Am Donnerstagabend geht es um die Zukunft des Kindergartens
Eine Entscheidung ist nicht vorgesehen, könnte aber fallen, wenn Einigkeit herrscht, erläutert Bürgermeister Pirmin Zimmer. Auf jeden Fall wird er Zahlen vortragen, was es die Gemeinde kosten würde, wenn sie den Kindergarten übernimmt. Am Ende könnte sich herausstellen: gar nicht so viel mehr. Denn die Kosten für das Gebäude zahlt die Gemeinde sowieso schon. Die sogenannten Sachkosten, etwa für Möbel oder Elektrogeräte, teilen sich Gemeinde und Kirche bisher – 5000 bis 10.000 Euro im Jahr, je nachdem, was anfällt.
Bleiben die Personalkosten. Ums Personal geht es, wenn man davon spricht, dass der Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft ist. Die Kirche zahlt nicht nur für die Mitarbeiter, sondern sie trifft auch die Personalentscheidungen, zum Beispiel wen sie einstellt. Allerdings kommt von der Kirche nicht so viel, wie man meinen möchte: Laut Bürgermeister Pirmin Zimmer übernehmen das Land und der Landkreis jeweils 45 Prozent. Wobei es beim Landkreis am Ende nur 32,5 Prozent sind, denn der bekommt 12,5 Prozent von der Gemeinde. Die Kirche trägt also nur zehn Prozent.
Noch. Denn sie hat angekündigt, künftig nur noch fünf Prozent zu zahlen. Weil das Land bei seinen 45 Prozent bliebe, ginge das laut Zimmer zu Lasten des Kreises, der dann die Hälfte der Personalkosten tragen müsste – oder 37,5 Prozent, wenn man die 12,5 Prozent abzieht, die Reifenberg beisteuert.
Diese Rechnung gilt aber nur für den derzeitigen Personalbestand. Aber der Reifenberger Kindergarten will – oder muss – wachsen. Er ist ausgelegt für 25 Kinder, darf mit einer Ausnahmegenehmigung fünf mehr aufnehmen. Die Gemeinde rechnet aber für die kommenden Jahre mit einem Bedarf für fast 50 Kinder. Egal, ob es am Ende wirklich so viele werden oder ob nach wie vor Reifenberger Kinder Plätze in Nachbardörfern finden: Der Rat tagt auch zu einem geplanten Anbau, der Platz für eine zweite Gruppe schaffen würde. Dieses Ansinnen unterstützt auch der Elternbeirat, der Unterschriften für eine Erweiterung des Kindergartens sammelt.
Dafür müsste zusätzliches Personal eingestellt werden, und für diese Kosten würde die Kirche gar nicht aufkommen. Sie ist laut Zimmer nur noch bereit, den Personalbestand zu zahlen, der für die 25 ursprünglichen Kinder benötigt wird. So würde die Kirche am Ende noch weniger als die jetzt im Raum stehenden fünf Prozent der Gesamtkosten bezahlen, hätte aber nach wie vor die ganze Entscheidungsgewalt.
Doch die Frage nach den Kosten ist nicht das einzige Kriterium. Denn die Kirche bietet beispielsweise auch Fortbildungen an, die – so deutete es Bürgermeister Zimmer in der Ratssitzung im März an – besser sein sollen als die weltlicher Träger. Und Reifenberg ist ein Dorf, in dem die katholische Kirche schon immer eine große Rolle im Gemeindeleben spielt. Darauf wies auch Kindergartenleiterin Tanja Becker in der Sitzung im März hin. „Ich bin froh, dass ich bei der Kirche angestellt bin“, sagte sie.
Dass die Gemeinde derzeit in der Luft hängt, wirkt sich auch unabhängig von der Frage, wer es einstellt und bezahlt, aufs Personal aus: Zur Jahresmitte enden die Verträge dreier Erzieherinnen. Zwei haben bereits neue Arbeitsstellen. Just zur gleichen Zeit läuft zudem nach rund 20 Jahren das Französisch-im-Kindergarten-Programm des Landes aus. Für Reifenberg bedeutet das, dass die fünf Stunden wegfallen, die eine französische Muttersprachlerin jede Woche in den Kindergarten kam.