Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich der Kindergarten Sorgen macht, dass Erzieherinnen abgeworben werden

Der Reifenberger Kindergarten braucht mehr Platz. Das Foto entstand Anfang Januar und zeigt Gemeindearbeiter Günther Andres beim
Der Reifenberger Kindergarten braucht mehr Platz. Das Foto entstand Anfang Januar und zeigt Gemeindearbeiter Günther Andres beim Schneeräumen.

Der Reifenberger Kindergarten braucht doppelt so viel Platz. Es gibt einen Plan für einen Anbau, aber damit alleine ist es nicht getan. Vielleicht übernimmt die Gemeinde den Kindergarten sogar komplett von der Kirche.

Am Donnerstagabend (19 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus) spricht der Gemeinderat über die Erweiterung des Kindergartens. Eigentlich war die Sitzung schon für November geplant, aber wegen der Corona-Auflagen fiel sie ebenso aus wie das für Dezember ins Auge gefasste Treffen des Gemeinderats. Da sich aber jede Menge Themen angesammelt haben, tagt der Rat am Donnerstag und gleich wieder nach Ostern.

Der Reifenberger Kindergarten ist für 25 Kinder ausgelegt und darf mit einer Ausnahmegenehmigung bis Jahresmitte fünf mehr aufnehmen. Diese 30 Plätze sind alle belegt. In den nächsten Jahren ist aber laut einer Prognose des Jugendamts mit 45 bis 50 Kindern zu rechnen.

Der Reifenberger Kindergarten ist ein kirchlicher Kindergarten, aber die katholische Kirche bezahlt nur fürs Personal, während die Gemeinde für das Gebäude aufkommt – ein Konstrukt, das es kaum noch gibt. Und da die Kirche einen Sparkurs angekündigt hat, will sie laut Bürgermeister Pirmin Zimmer künftig nur noch fünf Prozent der Personalkosten übernehmen – und zwar fünf Prozent des derzeitigen Standes, nicht der Kosten, die ab Mitte 2021 anfallen, wenn mehr Personal benötigt wird. „Das akzeptiert der Kreis nicht“, sagt Zimmer und ergänzt: „Es gibt momentan erhebliche Probleme, weil die Kirche noch keine Zusage zur Kostenübernahme geben hat.“

Der Sparkurs der Kirche könnte dazu führen, dass die Gemeinde den Kindergarten komplett übernimmt. Schließlich bezahle die Kirche ansonsten kaum noch Geld, behalte aber die volle Entscheidungsgewalt übers Personal.

Wäre die Gemeinde alleiniger Träger, wäre sie auch fürs Personal zuständig - sofern sich das finden lässt. Denn hier liegt ein zweites Problem: Wenn zur Jahresmitte das neue rheinland-pfälzische Kindergartengesetz in Kraft tritt, haben die Eltern einen Anspruch auf sieben Stunden durchgängige Betreuung für ihre Kinder samt Mittagessen. „Neun von zehn Kindergärten wissen, dass sie mehr Personal brauchen“, sagt der Bürgermeister. Und es sei schwer, neue Erzieherinnen zu finden. Das sehe man an den Annoncen im Amtsblatt und den Zeitungen. Weil die Ausnahmegenehmigung für die fünf zusätzlichen Plätze in Reifenberg ausläuft, enden auch die Verträge von drei Erzieherinnen. Sie könnte zwar verlängert werden, aber zwei Angestellte seien bereits von anderen Kindergärten abgeworben worden. Zimmers Befürchtung: „Wenn die Kirche nicht in die Pötte kommt, haben wir eine neue Betriebserlaubnis, aber kein Personal mehr.“

Im Gemeinderat stellt das Pirmasenser Architekturbüro Arnold die Machbarkeitsstudie zur Sanierung und zum Anbau an den Kindergarten vor. Das Büro hat auch schon Kindergärtenerweiterungen für Althornbach, Kleinsteinhausen und Riedelberg geplant. Der Rat trifft dann eine „Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise“, wie es in der Tagesordnung heißt. Geld ist bereits im Haushalt eingeplant. Der soll dann Anfang April verabschiedet werden.

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