Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Reifenberg findet, dass die Kirche die Gemeinde in der Luft hängen lässt

Der Reifenberger Kindergarten im Jahr 1993, als er eröffnete.
Der Reifenberger Kindergarten im Jahr 1993, als er eröffnete.

Wie es ab Jahresmitte mit dem Reifenberger Kindergarten weitergeht, ist noch offen. Der Gemeinderat hat sich am Donnerstagabend nach einer langen Diskussion dafür ausgesprochen, zumindest die Planung für einen Anbau anzuschieben. Ob die Gemeinde den Kindergarten von der katholischen Kirche übernimmt, wurde noch nicht entschieden.

Offen ist auch, wie viele Kinder ab Juli den Kindergarten besuchen können. Derzeit ist der Kindergarten eingruppig, hat eine Betriebserlaubnis für 25 Kinder und bis Jahresmitte eine Ausnahmegenehmigung für fünf weitere. Land und Kreis sehen für die kommenden Jahre einen Bedarf für eine zweite Gruppe und insgesamt 46 bis 49 Kinder ab sechs Wochen.

Nun kommen mehrere Dinge zusammen. Im Sommer läuft die Ausnahmegenehmigung für die fünf zusätzlichen Kinder aus. Sie müsste zumindest verlängert werden. Gleichzeitig tritt zur Jahresmitte das neue Kindergartengesetz in Kraft, und alle Kinder haben einen Anspruch auf sieben Stunden Betreuung und ein Mittagessen. Dadurch braucht der Kindergarten mehr Personal. Durch das neue Gesetz erlöschen aber automatisch alle Betriebserlaubnisse der Kindergärten und müssen neu erteilt werden. Diesen Bruch nutzen laut Bürgermeister Pirmin Zimmer die freien Träger, darunter die Kirchen, um ihren Anteil an den Personalkosten zu verringern. Das sei kaufmännsich nachvollziehbar, aber es geschehe „auf dem Rücken des Personals, der Eltern und der Kinder“, kritisierte er.

Kirche möchte nur noch halb so viel zahlen

Auch Reifenberg ist betroffen: Hier kommt die Gemeinde fürs Gebäude auf, die katholische Kirche ist Träger des Kindergartens und kümmert sich ums Personal. Die Kirche zahlt aber nur einen Bruchteil der Personalkosten: zehn Prozent. Den Rest übernehmen Land und Kreis und die Gemeinde, die 12,5 Prozent trägt. Ihren Anteil von zehn Prozent möchte die Kirche nun halbieren und nur noch fünf Prozent übernehmen – fünf Prozent der Personalkosten für 25 Kinder, nicht für den Bedarfs ab Jahresmitte und nicht für eine zweite Gruppe.

Das bedeutet: Die Kirche hat die volle Entscheidung übers Personal, zahlt aber nur einen Bruchteil der Kosten. Deshalb überlegt die Gemeinde, ob sie den Kindergarten komplett übernehmen soll und damit auch das Personal. Mehr bezahlen müsste sie nicht: Ihr Beitrag bliebe bei 12,5 Prozent, den Rest würden Land und Kreis übernehmen. Lediglich die Sachkosten, etwa für Möbel oder Elektrogeräte wie eine Geschirrspülmaschine, müsste die Gemeinde dann ganz tragen. Die teilt sie sich bisher mit der Kirche und zahlt dafür 2500 bis 5000 Euro im Jahr, je nachdem, was anfällt.

„Ich bin froh, dass ich bei der Kirche angestellt bin“

„Wie sieht das das Personal?“, wollte Markus Hüther von Kindergartenleiterin Tanja Becker wissen, die ebenso wie Kirchenrechner Toni Hüther, eine Kollegin und mehrere Eltern als Zuhörer an der Sitzung teilnahm. „Ich bin froh, dass ich bei der Kirche angestellt bin“, sagte sie. Reifenberg sei ein kirchlich geprägter Ort, und sie wisse nicht, ob die Bindungen zur Kirche bestehen bleiben, wenn sie nicht mehr Träger wäre. Sie schränkte aber ein: „Es ist gut, wenn man an einen Partner an der Seite hat. Wenn sich der Partner aber querstellt und Steine in den Weg legt, ist das nicht dienlich.“ Sie würde sich wünschen, dass sich die Kirche äußert, wie es weitergeht.

Denn auch hier liegt ein Knackpunkt: Bisher ist unklar, ob die Kirche überhaupt eine Erweiterung des Kindergartens möchte. Wobei Bürgermeister und Kindergartenleiterin davon ausgehen, dass sie dem zustimmen würde, sofern sie nicht die Mehrkosten fürs Personal tragen muss. Die Kirche sei auch nicht verpflichtet, die Trägerschaft abzugeben, wenn sie nicht möchte, sagte Zimmer: „Wir sind vom guten Willen der Kirche abhängig.“ Ihm sei bewusst, dass der Wechsel der Trägerschaft „auch fürs Personal ein ganz großer Schritt“ ist.

Anbau nur sinnvoll, wenn eine zweite Gruppe kommt

Den Kindergarten zu vergrößern sei nur sinnvoll, wenn die Trägerschaft geklärt ist, fand Zimmer. Schließlich bringe es nichts, wenn man einen Anbau hat, aber nur eine Betriebserlaubnis für eine Gruppe. Wie die Kirche das sieht, sei noch unklar. Die Gemeinde habe im Moment wenig Einfluss. Martin Hüther schlug vor, sich die Zahlen von Kreis und Land genau anzuschauen und keine Plätze für Kinder aus anderen Dörfern mitzuplanen. Es gehe aber schon bei den knapp 50 nur um Reifenberger Kinder, versicherte Kindergartenleiterin Tanja Becker.

Ohne eine Erweiterung müssten die übrigen Kinder woanders im Landkreis Plätze finden. Schon jetzt gehen Reifenberger Kinder in Kindergärten in Nachbarorten, wofür sich die Gemeinde laut Zimmer auch an deren Kosten beteiligt. Dass auch das Geld kostet, sollte man auch bedenken, schlug Tobias Schliesmeier vor, dessen Sohn Leo anderthalb ist und im September in den Kindergarten soll – und somit ebenfalls sinnbildlich in der Luft hängt. Der Vater sagte: „Ich würde mein Kind auch gerne nach Reifenberg schicken.“ Der Rat will in der nächsten Sitzung am 7. April beraten, wie es weitergeht.

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